. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
26. November 2006, 09:53 Uhr

Den Mörder kennt nur die Leiche ...

...und sie bringen Tote zum Sprechen. Blut und Speichel weisen ihnen den Weg. Die Ermittler des "CSI" sind Biologen, Chemiker, Informatiker. Und verdammt cool. Der stern besuchte in L.A. die Dreharbeiten der zurzeit wohl erfolgreichsten TV-Serie der Welt. Von Christine Kruttschnitt

Dass der fröhliche Herr mit abgetrennten Köpfen posiert, ist ethisch durchaus zu vertreten: Er hat sie erschaffen. Matthew Mungle modelliert für "CSI" Leichen und morbides Make-up© Hector Mata/AFP

Die Leiche vor der Tür sieht übel aus. Die Beine sind ab, die Gelenke bizarr überdreht, die Haare ausgerissen. Seit Stunden schon liegt sie in der Hitze. Als der Ex-Cop heute früh zur Arbeit kam, hat er sie nicht eines Blickes gewürdigt. Plastik. Alte Requisite. Spielkram. Er nahm die Sonnenbrille ab, tauchte aus der gleißenden Helle Kaliforniens in die Dunkelheit dieser riesigen Hallen, zapfte sich an der üblichen Stelle seinen Kaffee, grüßte die üblichen Leute, stellte sich an seinen üblichen Platz. Dahin, wo er die Blonde am besten beobachten konnte.

Mike Scott hat seinen Beruf als Polizist geliebt. Mehr als 25 Jahre war er bei der LAPD, dem Los Angeles Police Department, bekämpfte Gangs, schob Wache in Gefängnissen, arbeitete bei der Spurensicherung, bei den Sheriffs, im Morddezernat, ein Jahr lang lebte er sogar undercover und kaufte Knarren und Koks. Der Job war hart, sagt er, die hellen Augen auf die Blonde geheftet, aber er hatte das Gefühl, das Richtige zu tun. Als er sich vor zwei Jahren zur Ruhe setzte, wollte er eigentlich nichts mehr wissen von Leichenwasser, Schmauchspuren und DNA-Analysen. Aber er hatte völlig unterschätzt, wie beliebt der Tod ist. Eine ehemalige Kollegin rief ihn an. Mike, sagte sie, wir brauchen dich. Hollywood braucht dich.

Und so kam es, dass Mike Scott in diesen dunklen Studiohallen in Manhattan Beach, einem Strandort vor Los Angeles, landete. Er berät die Macher der Krimiserie "CSI", so wie jene Kollegin, mit der Mike Ende der Siebziger Patrouille in L. A. fuhr und die inzwischen zu einer Produzentin der Erfolgsshow aufgestiegen ist. Oder wie jener andere Ex-Cop, der als Biologe auf Mikes Tatorten ermittelte und jetzt Drehbücher fürs "CSI"-Team schreibt. "CSI", das steht für "Crime Scene Investigation" und ist das, was Mike sein Leben lang gemacht hat. Verbrechen aufklären, Spuren untersuchen, mit Hilfe von altmodischem Grips und superraffiniertem Hightech Tote zum Reden bringen. Die Serie, vor sechs Jahren ins Leben gerufen, ist derzeit die wohl erfolgreichste der Welt, und nicht wenig Anteil daran hat die Tatsache, dass Leute wie Mike ein Auge drauf haben.

Dank Spezialisten aus dem wahren Berufsleben stimmt jedes Detail

Natürlich geht es im Fernsehen nie wie in der Realität zu, aber die Details stimmen, die Wissenschaft ist up to date, die Fälle sind oft tatsächlichen Ereignissen nachempfunden. "Wie oft saß ich früher vor dem Fernseher und dachte: Das war doch mein Fall!", sagt Mike, und dann entschuldigt er sich und geht kurz rüber zu der Blonden. Ein Verhör wird gedreht; sie soll eine Pistole aus ihrem Gürtelhalfter nehmen und einem Uniformierten in die Hand drücken, ehe sie den Verdäch-tigen vernimmt. Die Schauspielerin Emily Procter, einer der Stars von "CSI: Miami", hat die Knarre ein bisschen zu lässig angefasst, findet Mike. Seine Pranke umschließt die Waffe wie eine Banane, so macht man das, und im Vorbeigehen raunt er dem Statisten in Uniform zu, dass übrigens sein Hemd aus der Hose hänge. Sollen Millionen Zuschauer in aller Welt - allein 5,78 Millionen Deutsche sahen den Ermittlern aus Miami vergangene Woche zu - Amerikas Gesetzeshüter für verdammte Schlamper halten?

Ihre Instrumene sind Mikroskope und chemische Lösungen

"CSI", das weiß natürlich auch Mike Scott, ist weit mehr als eine simple Serie, in der böse Jungs zur Strecke gebracht werden. "CSI" ist ein weltweites Phänomen. Die Helden - dies zur Erklärung für all jene, die seit "Derrick" nicht mehr ins Auge des Gesetzes geschaut haben und den strengen Blick übern Tränensack für des Kriminologen beste Methode halten -, die Helden also sind "nerds", wie man in Amerika sagt; ganz uncoole Typen eigentlich, Kopfmenschen, Wissenschaftler und Computerspezialisten, Biologen, Chemiker, gern auch Vertreter so deliziös klingender Künste wie der Entomologie, vulgo Krabbel-, Stech- und Nervviecherforschung. Ihre Instrumente sind Mik- roskope, Pinzetten, chemische Lösungen wie Phenolphthalein - zur Bestimmung von Blut - und manchmal auch ganz schlichte Baseballschläger, mit denen sie auf Dummys eindreschen, deren Plastikköpfe mit roter Farbe gefüllt sind. So untersuchen die Crime-Scene-Investigatoren das Muster von Blutspritzern am Tatort von Erschlagenen: Kam der Hieb von hinten? Die Leiche vor der Filmhalle in Manhattan Beach war so ein armes Versuchsobjekt.

Klein-klein-Sorgfalt-Gehabe fasziniert Millionen

In jeder Folge sieht man, wie die schlauen Typen an achtlos weggeworfenen Lutschern die DNA des Mörders entdecken oder per Haaranalyse im Computer den Weg des Kidnapping-Opfers verfolgen. Szene um Szene beugen sie sich übers Rasterelektronenmikroskop oder über frisch geöffnete Brustkörper, in denen bleiche Lungen von Vergiftung zeugen. Als vor mehr als sechs Jahren dem Studiochef des amerikanischen Fernsehsenders CBS das Konzept der Serie vorgeschlagen wurde, meinte er zweifelnd: "Wer will denn zusehen, wie einer mit Staub und Pinselchen Fingerabdrücke sichert?!" 300 Episoden später ist klar: "CSI" hat die Wissenschaft mit all ihrem Klein-klein-Sorgfalt-Gehabe und in ihrer für uns Laien so hermetischen Komplexität cool gemacht. Dank "CSI" versteht die fernsehguckende Welt, was sie im Innersten zusammenhält.

Alles ist verzahnt in Software, Ballistik und Infrarot-Spektroskopie

Zuverlässig geben diese Latexhandschuh-Helden Antworten auf letzte Fragen. Der Urangst, einer Gewalttat zum Opfer zu fallen und womöglich nie gerächt zu werden, setzen sie kühle Methodik entgegen. Keine Spur ist ihnen zu alt oder zu kalt, alles ist verzahnt in ihrem Universum aus Ballistik und Infrarot-Spektroskopie, Software und Rigor Mortis. "Sie spekulieren nicht, sie liefern Beweise", erklärt Ann Donahue, eine der Produzentinnen der Serie, den Erfolg. "Gerade wenn die Leute nicht wissen, woran sie glauben oder wem sie vertrauen sollen, ist diese Sicherheit sehr tröstlich. Die Wissenschaft hat recht, basta. Denken Sie daran, wie damals Bill Clinton behauptete, er habe keinen Sex mit der Praktikantin gehabt. Und dann tauchte dieses Kleid mit den Spermaflecken auf, die sich nach einer DNA-Untersuchung als seine herausstellten. Eigentlich", fügt sie hinzu und lacht, "war das wie eine Folge von "CSI"."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 47/2006

Wer, wie, wo, was? "CSI"-Junkies wissen Bescheid, doch Laien können sich zwischen den Ermittlerteams schon mal verirren. Ein kleiner Leitfaden

CSI - Den Tätern auf der Spur Das Original. Die Botschaft: Nur wer die richtige Spur lesen kann, bringt den Täter zur Strecke. Gil Grissom (William Petersen) kann lesen. Als Chef der Nachtschicht schnüffelt der Insektenexperte in den dunklen Ecken von Las Vegas - ein Einsiedler, aber ein angenehmer Chef. Seine Mitarbeiterin Sara Sidle (Jorja Fox) käme ihm gern näher; doch er blockt. Zum Team gehören ferner eine Spezialistin für Blutanalyse, ein Chemiker, ein Haar- und Faseranalyst und ein DNA-Fachmann. Lief bei uns bislang bei Vox, neuerdings bei RTL, donnerstags um 21.15 Uhr.

CSI: Miami Er ist der Lässigste, aber auch ein Moralist - und sturzreaktionär: der Sprengstoffexperte Horatio Caine, gespielt vom rotblonden David Caruso. Horatio ist ein verschlossener Kerl mit trockenem Humor und fotografischem Gedächtnis. Sonnenbrille auf, Sonnenbrille ab, das ist sein Ritual. Männliche Zuschauer schätzen die Serie eher wegen der Waffenexpertin Calleigh Duquesne (Emily Procter). Und wegen der Bikini-Babes am Strand von Miami. Jüngst war bei uns eine Doppelfolge zu sehen, in der Horatio und Co. mit den Kollegen aus New York zusammenarbeiteten. "CSI: Miami" lief ebenfalls zuerst bei Vox, bis der große Schwestersender RTL sich den Quotenbringer krallte. Dort erreichen die Ermittler dienstags ab 20.15 Uhr nun mehr als fünf Millionen Zuschauer.

CSI: NY Die düsterste der drei Serien. Der Kopf des New Yorker Teams ist Detective Mac Taylor (Gary Sinise), der einst als hochdekorierter Offizier im Marine-Corps diente. Sein Credo: Alles hängt miteinander zusammen. Mac fragt nicht nur nach dem Wie, sondern auch nach dem Warum. Der 11. September 2001, das erzählte die Pilotfolge, machte ihn zum Witwer; um mit dem Verlust fertig zu werden, stürzt er sich in Arbeit. Schlaf findet er nur schwer, Lächeln ist nicht seins. Erst im Lauf der Folgen wird er zugänglicher. Seine Kollegin Stella Bonasera (Melina Kanakaredes) ist ihm eine gute Freundin. Ausgestrahlt wird "CSI: NY" montags um 20.15 Uhr bei Vox. Noch.

  zurück
1 2 3
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
CSI Sexuell unterbeschäftigte Teamplayer

Spurensicherer waren früher gerade gut genug, um dem mürrischen Kommissar das Kaliber der Tatwaffe zuzurufen. Nun aber hat sich ein Haufen Statisten zu Helden entwickelt. "CSI" ist so erfolgreich, weil es unseren Arbeitsalltag mit dem Mythos vom allmächtigen Profi-Team ausschmückt. mehr...

CSI "Wer's glaubt, ist selig ..."

Wie realistisch sind die hoch erfolgreichen Ermittler der "CSI" - im Vergleich zum echten Kriminalistenleben? Der international renommierte Kölner Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke über sauertöpfische Spurenkundler, vernichtete Beweise und Polyesterhosen. mehr...

CSI Original und Fälschung

Nachgemacht wird gern, doch im Kopieren ausländischer Erfolgsserien waren die hiesigen Fernsehmacher nie wirklich gut. Vieles floppte - auch deshalb, weil es uns an Hollywoodpersonal mangelt. Nun versucht man sich an einem deutschen "CSI". Wie soll das gut gehen?. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (8/2012)
Whitney Houston