Die großen Sender wollen im nächsten Jahr vor allem mit Sport punkten - und schicken bewährte Experten ins Rennen. Doch wo bleiben die inhaltlichen Innovationen? Eine Programm-Vorschau. Von Bernd Gäbler

Auch Katarina Witt und Markus Wasmeier kommentieren wieder Wintersport-Events im Fernsehen© Gero Breloer/AP
Für das nächste Fernsehjahr hat der ARD-Programmdirektor Volker Herres ein ambitioniertes Ziel ausgegeben: "Das Erste" soll dem Sender RTL die Marktführerschaft bei den Gesamtzuschauern streitig machen. Worauf baut er dieses Ziel? Auf hervorragende Programmideen? Ein Spielfilmangebot wie nie? Neue Stars? Mitnichten. Er baut auf Sport als den großen Treiber aller TV-Entwicklung, denn 2010 ist wieder ein Sportjahr.
Los geht es mit den Olympischen Winterspielen. 17 Tage lang werden ARD und ZDF abwechselnd insgesamt 221 Stunden live von Skispringen und Biathlon, Bob und Eiskunstlauf berichten. Folgende Armada an "Experten", was im Sport stets ehemalige Athleten sind, flankiert die Übertragung: Katarina Witt, Ricco Groß, Markus Wasmeier, Dieter Thoma, Sven Fischer, Jens Weißflog, Christoph Langen, Gunda Niemann-Stirnemann und Hilde Gerg. So ist eine hinreichend sportimmanente Berichterstattung gesichert. Höchste Einschaltquoten versprechen sich die Macher vom Biathlon, Skispringen und auch wieder vom Eiskunstlauf. Die Stasi-Vergangenheit des "Erfolgs"-Trainers Ingo Steuer ist nun vergeben und vergessen.
Mit den Winterspielen soll es auch einen Technikschub geben: Erstmals wird komplett in HDTV-Standard gesendet. Das soll zum Kauf neuer Endgeräte animieren. Schon 2009 haben die Deutschen über acht Millionen neue Flachbildschirme gekauft. Da die flächendeckende Analog-Abschaltung nun endgültig für 2012 ins Auge gefasst wird, muss die Endgeräte-Flotte bis dahin erneuert sein. Für viele ist auch der Fußball das entscheidende Argument, nun doch den größeren Fernseher mit besserer Bildqualität anzuschaffen.
Vier Sender übertragen im Sommer einen Monat lang die Fußball-WM, drei Spiele täglich gibt es in der Gruppenphase. Das ZDF überträgt das Eröffnungsspiel und das Finale. Die ARD überträgt das vermutlich entscheidende Gruppenspiel der Deutschen gegen Ghana und Viertel- bzw. Halbfinale mit deutscher Beteiligung. RTL überträgt neun Spiele und baut auf seine populären Kommentatoren Günther Jauch, Jürgen Klopp und Jürgen Klinsmann. Wegen der günstigen Lage Südafrikas ist kein Zeitunterschied zu überbrücken. Alle Spiele überträgt auch der Bezahlsender Sky, das ehemalige Premiere.
Für diesen Sender kann 2010 ein entscheidendes Jahr werden. Nicht allein mit der Weltmeisterschaft, sondern mehr noch mit dem Bundesliga-Alltag muss der Sender eine Wende schaffen, damit schwarze Zahlen wenigstens am Horizont sichtbar werden. Schon werden die Abos teurer, die angepeilte Ziel von einst vier oder mehr Millionen Abonnenten rückt in weite Ferne. Gelingt Sky kein mit anderen europäischen Ländern vergleichbares Geschäft, kann die gesamte Finanzarchitektur des Profi-Fußballs ins Rutschen geraten.
Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.