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23. Januar 2008, 07:58 Uhr

Als DJ Tomekk verschwand

Reichlich verwirrend hat sich der zwölfte Tag der Dschungelshow gestaltet. Nach Aalschleim, Extrem-Schnarchen und Post von daheim gab es auch noch einen "Nazi-Skandal". Aber wer ist in dieser Sendung eigentlich für die Musik zuständig? Von Sophie Albers

Ross musste zur Dschungelprüfung "Auf die Folter gespannt!" antreten© Menne/RTL

Die Werbung vor der Kakerlaken-Show nutzt die Melodie des Mitbrüllklassikers "YMCA" von Village People. Das stimmt ein auf das kugelrunde Plappermaul Dirk Bach, aber nicht auf die exquisite Auswahl des Soundtracks zu dieser Sendung. Deshalb an dieser Stelle ein offizieller Dank an die zuständigen Musikredakteure.

Wenigstens die Musik ist super

Denn während Ross Anthony am Daumen nuckelt, Barbara "Baba" Herzsprung beim Schnarchen gezeigt wird, und Björn-Hergen Schimpf wegen einer möglichen Rippenfraktur dankbar das Camp verlässt, singt die eigentlich nur Insidern bekannte kalifornische Band Cake "Friend is a four letter word" (Freund ist ein Schimpfwort). Wie bereits erwähnt hatten auch Die Sterne schon einen grandiosen Einspieler, die Beastie Boys rotzten dazwischen, und heute durfte auch noch das "Austin Powers"-Thema Männergespräche zwischen Eike Immel und Dj Tomekk begleiten. Wenigstens einer hat also Spaß.

Um die Dschungelprüfung, in der mal wieder der arme Ross dran glauben musste, etwas erträglicher zu machen, tönten gar die aufmunternden Klänge der Kooks aus den Lautsprecherboxen. Allerdings half das nur bedingt beim Anblick eines Experiments, das Prof. Zimbardo als "Stanford 2" untersuchen sollte: Anthony wird am Boden festgebunden, Michaela Schaffrath muss mit verbundenen Augen Plastikbehälter mit allerlei Getier und Schleim zu ihm tragen, "Baba" sagt ihr, wo es lang geht und wann die Boxen so über Ross schweben, dass sie sie ausleeren kann. Über allem thronen die Moderatoren, die den Startschuss geben.

Briefe von daheim

Die Verantwortungs-Kette zur Ausführung der Folter lässt sich also beliebig verlängern - bis ins heimische Wohnzimmer. Aber ist ja alles nicht so schlimm, schließlich platzt Ross am Ende fast vor Stolz. Sechs von sieben Sternen, trotz grüner Ameisen, Krabben, Aalchleim mit Fliegenlarven, Spinnen, Kakerlaken, Grillen und Mehlwürmern. Den Schleim gab's übrigens mitten ins Gesicht. Und Annett Louisan singt: "Ich will doch nur spielen".

Zum Vorlesen der Briefe aus der Heimat gibt es Gefühlvolles aus dem Soundtrack von Baz Luhrmans "Romeo und Julia". Doch während man gerade überlegt, ob das Ganze vielleicht als subversive Musiksendung angelegt ist, bricht das Chaos aus: Nach wiederholten kryptischen Hinweisen stellen sich die Moderatoren schließlich ins Camp und verkünden, dass heute niemand rausgewählt werde, weil DJ Tomekk "gehen musste".

Rauswurf nach "Nazi-Skandal"

Auf das "Was?", "Wie?", "Warum?" der Insassen gibt es keine Antwort, nur dummes Grinsen. Der Zuschauer erfährt immerhin, dass es Vorwürfe gegen den Rapper gebe, auf die er "persönlich reagieren" müsse. "Er wird wahrscheinlich nicht zurückkehren." "Die machen doch mit uns, was sie wollen", ist eine empörte weibliche Stimme aus dem Camp-Off zu hören. Da fällt auch dem begnadeten Musikredakteur nichts mehr ein. Aber wie wäre es denn mit "Schrei nach Liebe" von den Ärzten. Wie "Bild-T-Online" nämlich bereits weiß, ist DJ Tomekk wegen eines "Nazi-Skandals" rausgeworfen worden.

Grund sei ein Video, das der 31-Jährige vor seiner Abfahrt in den Dschungel aufgezeichnet habe. Darin marschiere er auf der Stelle, zeige den Hitler-Gruß und singe die erste Strophe des Deutschlandliedes. Der Hitler-Gruß ist in Deutschland verboten, die erste Strophe des Liedes ging im Dritten Reich dem Horst-Wessel-Lied voran. "Das sind schwere Vorwürfe gegen DJ Tomekk. Generell ist ein solches Verhalten für RTL nicht tolerierbar", sagte RTL-Sprecher Christian Körner zu "Bild".

Von Sophie Albers
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
luminanzmuster (23.01.2008, 16:09 Uhr)
na vielleicht
können wir uns heute Abend, bei der Auflösung des Tomekk-Outsourcings, auf so musikalische Schmankerl wie Tocotronic - "Aber hier leben, nein danke..." oder auch Silke Bischoff - "On the other side, I'll see you again..." freuen. Vielleicht gibts aber auch nur Alec Empire - "On Fire" zur Untermalung von Bata's schüren in der Asche ;-)
Malt (23.01.2008, 15:10 Uhr)
Mit Verlaub...
...aber durch die überzogenen Reaktionen und den billigen Aktionismus von RTL wird keines der Opfer mehr lebendig. Und ich, für meine Begriffe, kann als selbstständig denkender Mensch sehr gut zwischen Spaß und ernst unterscheiden. Und ich bin auch der meinung, dass man sich über die Nazis durchaus lustig machen darf - wer die nämlich ernst nimmt, misst ihnen mehr Bedeutung bei als sie tatsächlich verdienen. Deshalb werde ich auch weiterhin auch über Sendungen wie Switch und deren Hitlerparodie lachen, ohne mir ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.
Punito (23.01.2008, 13:35 Uhr)
In Anbetracht der Tatsache...

das das polnische Volk unter dr Besetzung und Zerstörung durch die
Nazidiktatur großen Schaden erleiden durfte ; zeugt das Heben des Armes zum "Führergruß" sowie das Absingen der 1.Strophe des Deutschlandliedes von
einem Mangel an Ehrerweisung den Verfolgten der Nazidiktatur gegenüber.
Turmfalke (23.01.2008, 13:08 Uhr)
Lol
Tomasz K. wurde 1975 in Krakau geboren und kam mit 10 Jahren nach Deutschland. Er ist nicht der erste Migrant der den Hitlergruß benutzt und wird auch nicht der letzte sein.
Ist aber immer wieder schön zu beobachten wie der gute deutsche sofort reagiert wenn so etwas vorfällt.
So langsam nervt es, der zweite Weltkrieg ist 63 Jahre her und Geschichte, vielleicht wird man das irgendwann mal begreifen in Deutschland.
" Ave Caesar " kein Italiener käme auf die Idee dafür jemanden aus der Sendung zu schmeissen aber im politisch korrekten Deutschland wird das natürlich sofort geahndet.
Du darfst in Deutschland koksen ( Friedmann ), beim Promi Dinner Tiere quälen indem man den Todeskampf eines Hummers in kochendem Wasser zeigt ( Bendel ) aber nix über Autobahnen sagen ( Herman ).
Verlogene Gesellschaft
Malt (23.01.2008, 12:43 Uhr)
Nirgends...
...auf der Welt regt sich jemand über den Hitlergruß auf... ausser in Deutschland und vielleicht Israel... wenn ich z.B. in den Staaten bin werde ich oft mit "Hey Nazi" und dem Hitlergruß begrüßt, obwohl ich sicherlich NICHTS damit zu tun habe oder hatte. In England sowieso. Die meisten meinen es nicht böse, sondern eher so, wie wenn man zu nem Ami "Hey Cowboy" sagt.
Und da weder Tomek (den ich nicht leiden kann, aber egal), noch ich, noch sonstwer unter 60 Jahren etwas damit zu tun hatte, sollte man auch differenzieren können, wann es jemand im Spaß macht, um sich über die ganze Nazikacke lustig zu machen, oder wann es jemand ernst meint. Ich wohne hier in der Nähe von Wunsiedel, und dort hat es die Polizei, als auch die Richter des bayerischen Landgerichts JAHRELANG NICHT GESTÖRT, dass dort die "richtigen" Rechtsradikalen mit Reichskriegsflaggen und Hitlergruß am "Rudolph Hess-Gedenktag" durch die Straßen gezogen sind. Wir leben in einer politisch korrekten Welt, die nur dann die Fresse nicht aufbringt, wenn es ernst wird. Jeder der sich darüber aufregt, dass irgendwer irgendwo mal nen Hitlergruß gezeigt hat, soll doch mal auf ne richtige rechte Demo gehen und sich mit denen, die ein tatsächliches rechtes Problem darstellen, auseinandersetzten. Nur, da werden diese Leute meistens dann ganz leise. Scheinheilige Heuchler.
mebxl (23.01.2008, 12:00 Uhr)
@schoolar
Wenn du oder ich privat Mist bauen, ist das etwas andereres als wenn ein sogenannter Promi das macht, der gerade in Australien angekommen ist um im Fernsehen zu erscheinen. Da muss man damit rechnen gefilmt/fotografiert zu werden.
Dafuer stehen diese A/B/C Promis halt im Rampenlicht.
juppzupp (23.01.2008, 11:59 Uhr)
ich finde....
das verhalten passt zu der sendung und dem sender
schoolar (23.01.2008, 11:44 Uhr)
@ Echoes:
Also nun laß mal die Kirche im Dorf: Wenn ich bei einer private(!) Veranstaltung irgendwelchen 'Mist' baue, jemand das mit der Handycam zufällig aufnimmt und dann im I-Net einem breiten Publikum zugänglich macht, wird ja wohl niemand von mir verlangen, daß ich mich dafür in aller Öffentlichkeit entschuldige oder rechtfertige?! Dem Veröffentlicher gehört m.E. an die Karre gefahren, aber nicht dem - in doppelter Hinsicht... - gefilmten 'Verursacher'. Da macht es m.E. auch keinen großen Unterschied, ob mich nun eine kleine oder eher größere Gruppe von Menschen kennt.
Echoes (23.01.2008, 11:05 Uhr)
@schoolar
moooment!
auch wenn wir deutschen oft übersensibel mit unserer vergangenheit umgehen, sowas geht nun aber wirklich nicht.
herr dj-irgendwas kann sich nicht rausreden. das ist kein beiläufiges party-gehabe, was er da fabriziert hat, das ist einfach nur dumm.
und er ist pole? aha. wusste ich gar nicht.
ich komme nicht aus der rechten ecke, und ich will da auch nicht hin. aber:
es käme mir nie in den sinn, mich im ausland so aufzuführen, vor allem dann nicht, wenn ich in geschichte nicht aufgepasst habe.
und für rtl ist dieser arme wicht ein willkommener trash.
hoffentlich profitiert er nicht auch noch von diesem mist mit seinen plattenverkäufen. so ein schwachkopf gehört in die versenkung.
pimpinelle (23.01.2008, 10:44 Uhr)
F...
Das Lied von Cake heißt "Friend is a four letter word", f.l.w. ist ein synonym für fuck. Ich will mir die Sendung wirklich nicht angucken, lese aber gerne die Berichte darüber. Meine Frage: Bestehen alle "Aufgaben" darin, sich mit Kakerlaken, Schlangen, Aalen oder Spinnen einzulassen oder gibt es da auch noch anderes?
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