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"Die besten Zeiten im TV liegen noch vor uns"

Er hat bei der Zukunft des deutschen Fernsehens ein Wörtchen mitzureden: TV-Produzent Nico Hofmann im Interview über konkrete Serienpläne und Stoffe, die noch unentdeckt sind.

  Nico Hofmann ist Chef der Filmproduktionsfirma Ufa Fiction. Bis Ende der 90er Jahre war er als Regisseur tätig ("Solo für Klarinette"), seitdem als Produzent. Sein Einfluss im deutschen TV- und Filmgeschäft ist sehr groß. So gingen die erfolgreichen Produktionen wie "Der Minister", "Unsere Mütter, unsere Väter" oder "Der Medicus" auf sein Konto.

Nico Hofmann ist Chef der Filmproduktionsfirma Ufa Fiction. Bis Ende der 90er Jahre war er als Regisseur tätig ("Solo für Klarinette"), seitdem als Produzent. Sein Einfluss im deutschen TV- und Filmgeschäft ist sehr groß. So gingen die erfolgreichen Produktionen wie "Der Minister", "Unsere Mütter, unsere Väter" oder "Der Medicus" auf sein Konto.

Herr Hofmann, in Deutschland werden zurzeit so viel Serien produziert wie noch nie. Wie erklären Sie sich diese Welle?
Der Erfolg amerikanischer Serien bei deutschen Zuschauern hat Begehrlichkeiten geweckt. Einige Serien wie "Breaking Bad" oder "House of Cards" werden ja geradezu kultisch verehrt. Jetzt trauen sich viele Sender, auch mal ins Risiko zu gehen und neue Erzählformen auszuprobieren.

Für Sie als Produzenten müssen das traumhafte Zeiten sein.


Ich bin überzeugt, dass die besten Zeiten noch vor uns liegen. Wir stehen ja noch relativ am Anfang. Ich bin zum Beispiel gespannt, wie unsere Serie "Deutschland!" laufen wird, die wir für RTL produzieren. Es ist eine deutsch-deutsche Spionage-Serie, die zur Zeit des Kalten Krieges spielt. Ein anspruchsvoller Stoff, mutig erzählt. Es gibt keine abgeschlossenen Episoden, die einzelnen Serienteile sind nur in der Gesamtschau zu verstehen. Ich glaube, dass wir damit Massenmarkt bedienen können, obwohl "Deutschland!" eben nicht so leicht konsumierbar ist, wie eine Vorabendserie. Aber klar: Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang.

Der Erfolg amerikanischer Serie liegt darin begründet, dass sie gerade nicht auf einen Massenmarkt zielen und absichtlich gegen viele goldene Regeln des TV-Geschäfts verstoßen ...


... das ist richtig, bloß darf man eines nicht verkennen: Je radikaler ich eine Geschichte erzähle, desto kleiner wird die Anzahl der Menschen, die ich damit erreiche. Amerikanische Sender wie der Pay-TV-Kanal HBO oder der Streamingdienst Netflix können sich diese Radikalität leisten, weil der englischsprachige Markt riesig ist. Sie müssen mit ihren Geschichten ja nur ein paar Prozent dieser Zuschauer erreichen, um profitabel und erfolgreich zu sein. Da stehen wir in Deutschland mit unserem limitierten Markt vor ganz anderen Herausforderungen. Ein totales Nischenprogramm kann sich hier niemand leisten.

Auf welche Stoffe werden Sie in Zukunft setzen – jenseits von DDR-Geschichte, Zweitem Weltkrieg und Crime-Stories?


Es gibt einen gewaltigen erzählerischen Schatz, der noch nicht gehoben ist: Das Deutschland in der Nachwendezeit. Bislang endeten die meisten Geschichten mit dem Mauerfall. Man hat ernsthaft über die DDR erzählt wie in "Der Turm" oder ironisch-humorvoll wie in "Sonnenallee" oder "Goodbye Lenin!" – aber was ist eigentlich passiert, nachdem dieser Staat zusammenbrach? Welche Träume erfüllten sich, welche Hoffnungen wurden enttäuscht? Diese Geschichten werden wir erzählen, denn sie haben eine Relevanz, die bis in die Gegenwart hineinreicht.

  Das ganze Interview mit Helmut Kohl und Maike Kohl-Richter lesen Sie im neuen stern, der ab Donnerstag am Kiosk erhältlich ist.

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Mehr zum Thema Zukunft des deutschen Fernsehens lesen Sie im aktuellen stern.

Interview: Christian Ewers
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