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11. Oktober 2010, 06:34 Uhr

Fernsehen ist, wenn man trotzdem lacht

Trotz Mama Maischberger, Kalauerkönig Krömer und Diagnose-Clown Hirschhausen war der 12. Deutsche Fernsehpreis nicht zu retten. Zuviele Künstler wurden für nicht preiswürdig erachtet. Dennoch gab es auch Sieger an diesem Abend. Von Sophie Albers

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"Ich bin preiswert" - Anstecker-Protest beim Deutschen Fernsehpreis© Rolf Vennenbernd/DPA

Deutsche Preisverleihungen erinnern häufig an Familienfeste. Betrachtet man den Deutschen Fernsehpreis 2010, kommt man zu dem Schluss, dass der Fernseh-Clan hierzulande mindestens eine Supernanny braucht, wenn nicht gleich eine umfassende Gruppentherapie.

Schlimm war es, als die Familienoberen einfach beschlossen, die Verwandten auszuladen, die doch immer alles ranschaffen, was die Party überhaupt ausmacht. Nur weil sie sich nicht so in den Vordergrund gedrängt haben. Der weitgereiste Onkel mit den unglaublichen Geschichten wurde genauso ignoriert wie die Tante mit der großartigen Plattensammlung und der Cousin mit der Diskokugel. Beim Deutschen Filmpreis gab es richtig Knatsch, weil die Preiskategorien eingedampft wurden und so die Ehrungen für kreative Leistungen wie Regie, Buch, Musik, Schnitt und Nebenrollen entfielen.

"Ich bin preiswert"

Das führte dazu, dass auf dem roten Teppich am Kölner Coloneum neben tiefen Dekolletees und dicken Tattoos als Fotomotiv vor allem silberne Anstecker im Trend lagen, auf denen die Worte "Ich bin preiswert" zu lesen sind. Nein, das deutsche Fernsehvolk hält sich weder für billig, noch für käuflich. Mit der Anstecker-Aktion wollte der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) klar machen, dass die Preispolitik der Fernsehfamilienoberhäupter (ARD, ZDF, RTL und ProSieben Sat.1) so nicht geht. Natürlich gab es auch auf dieser Familienfeier eine gutherzige, partytrunkene Tante, die zur robusten Versöhnung drängte. An diesem Abend war das die Komödiantin Annette Frier, die als TV-Heldin Danni Lowinski den Preis für die beste Serie entgegennahm und die Streitparteien aufforderte, "ihre beleidigten Ärsche an einen Tisch zu setzen, um für die Preisverleihung 2011 eine konstruktive Lösung zu finden, damit wir uns nächstes Jahr wieder alle gemeinsam besaufen können". Aber so einfach war das mit Familienfehden leider noch nie.

So nahm ein heuchlerischer Abend seinen Lauf. Schließlich war etwa die Hälfte der Anwesenden verstimmt bis verärgert. Es wurde zwar geklatscht und gelacht, doch der Dorn im Fleische/ Pin am Revers wurde nie vergessen: Immer wieder stichelten Laudatoren wie Gewinner. Dominic Raacke zählte beeindruckend langsam auf, wer einen guten Film ausmache, als er eigentlich über die beste Schauspielerin reden sollte (Raacke ist preiswert).

Hape Kerkelings Spitzen kamen offensichtlich so überraschend, dass kaum einer sie verstand - "Für zwei Fernsehpreise gibt es eine Mitropakaffeemaschine, für einen eine Duschhaube". (Kerkeling ist preiswert). Nicht mal Cindy aus Marzahn ließ locker und schalt die Kategorie Dokutainment als Unterschichtenfernsehen (Ob Cindy preiswert ist, war bei ihrem Ganzkörpergeglitzer nicht auszumachen). Der Branchen-Selbsthass beim Deutschen Fernsehpreis machte jedenfalls langsam dem beim Musikpreis Echo Konkurrenz.

Wahre Sieger

Da half es leider nur wenig, dass Moderatorin Sandra Maischberger die gutmeinende Mama gab, die einfach so tut, als sei alles in bester Ordnung. Und auch ihr Helfer versagte kläglich: Kurt Krömer gab den Witzbold, der meint, ein ordentlich dämlicher Kalauer rette die Stimmung - auch wenn keiner lacht.

Das wäre alles nicht so schlimm gewesen - schließlich kommt die nächste Familienfeier so sicher wie das nächste Castingformat -, wäre es nicht um die Ehrung tatsächlicher Leistung gegangen. Und auch wenn mit der Abwertung kreativer Leistung genau am falschen Ende gespart wird, gab es an diesem Abend Gewinner, mit denen man sich aufrichtig (also gern auch mit standing ovation) hätte freuen mögen.

Armer Stefan Raab

Zum einen Stefan Raab, der nicht nur für seine Lena-Show "Unser Star in Oslo" geehrt wurde, sondern auch den Sonderpreis für besondere Leistungen im Bereich Unterhaltung erhielt. Der Mann mit dem Mega-Zahn-Grinsen ist zwar umstritten, aber es sind sich wohl alle einig, dass kaum einer härter für die deutsche TV-Unterhaltung schuftet als dieser "TV Total"-Berserker.

Zum anderen die zehnteilige Reihe "Im Angesicht des Verbrechens". Dominik Grafs großartiges Russenmafia-Epos wurde zwei Mal geehrt (beste Reihe, besondere Ensemble-Leistung), obwohl es noch gar nicht in der ARD zu sehen war. Der hart erarbeitete Applaus fiel der schlechten Stimmung fast zum Opfer. Zum Glück war Dominik Graf gar nicht da. Onkel Günther "der Deutschen liebster Kanzler" Jauch war übrigens auch nicht zugegen, um den Abend zu retten. Er hatte angeblich in seinem Weinberg zu tun.

Bleibt der einzige Arzt, der an diesem Abend auf die Bühne kam, der die Kluft jedoch auch nicht zu überbrücken wusste. Diagnose-Clown Eckart von Hirschhausen verstieg sich zu einem: "Sich über alles und jeden lustig zu machen, ist unsere letzte Rettung".

Also: Vorschlag für ein Motto für den 13. Deutschen Fernsehpreis: "Fernsehen ist, wenn man trotzdem lacht".

Von Sophie Albers
 
 
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