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20. April 2008, 09:40 Uhr

Der Dieter und die Dividende

Bei der fünften Mottoshow der fünften Staffel von "DSDS" konnte man sich auf kein Motto einigen. Doch man erfuhr einiges zu Dieter Bohlens Geschäftsmodell. Die Perlen seiner Wertschöpfungskette kullerten durch die ganze Sendung. Von Malte Krebs

Für Benjamin ist der Traum, bei "DSDS" zu gewinnen, aus© Hermann J. Knippertz/AP

Selbst Moderator Marco Schreyl war sich zu Beginn nicht mehr so ganz sicher: "Sie sind in der vierten Mottoshow - in der fünften Mottoshow von Deutschland sucht den Superstar." Und tatsächlich konnte man nach fast drei Monaten schon etwas durcheinander kommen. Vor allem, weil sich die Macher bei der fünften Mottoshow in der fünften Staffel von "DSDS" auf kein Motto einigen konnten. Gesungen wurde, was auf den Tisch kam - und das bestimmte die Jury. Eine der Hauptzutaten auch diesmal wieder: Bohlen. Bohleneintopf, sozusagen.

"Reißt euch zusammen!" hatte der in den Bild-Einblendungen schlicht als "Poptitan" apostrophierte Dauerjuror seinen Schutzbefohlenen in der letzten Sendung entgegengedonnert. Entsprechend eingeschüchtert zeigten sich die sechs verbliebenen Kandidaten bei ihrer Präsentation. Der jüngst gescholtene und ausgebuhte Benjamin Herd hatte Besserung durch 20 Gesangsstunden gelobt, der durch Grippe und Gedächtnisverlust zuletzt geschwächte Thomas Godoj zeigte sich ebenfalls geläutert, und Rania Zeriri hatte plötzlich doch wieder ganz doll Lust, ein "Superstar" zu werden. Geholfen hat das alles wenig, denn diesmal geriet die Vorstellung insgesamt zu einem Reigen der Mittelmäßigkeit, bei dem vor allem einer seinen Spaß hatte: Dieter Bohlen.

Bohlen aus dem Feuer holen

Gemäß dem Motto "Tantiemen vor Talent" wählte er für seine Kandidaten vor allem Eigenkompositionen aus seinem reichhaltigen Repertoire. Dem als "Spezialist für hochwertige Schmusesongs" angekündigten Fady Maalouf hatte Bohlen die Hymne aus der ersten Staffel "We have a Dream" aufgedrückt, eine Quersumme aus "Circle of Life " von Elton John und Weihnachtslied. Schlotternd und schmetternd schmachtete sich Fady durch die Nummer. Bohlen war ganz gerührt von der Interpretation seines Songs - "und mehr", so fasste Moderator Schreyl in einem seiner lichtesten Momente das Prinzip der Sendung zusammen, "kann man bei DSDS nicht erreichen."

Auch Monika Ivkic reihte sich ein in diese Wertschöpfungskette, trug das einzige deutschsprachige Lied des Abends vor: "Für Dich", ebenfalls aus der Feder des gelernten Diplom-Kaufmanns Dieter Bohlen, im Original gesungen von Yvonne Catterfeld. "Das ist nicht meine Musikrichtung. Es ist etwas, was mich quält, aber ich muss da durch" hatte Monika vorher gesagt. Auch die Zuschauer mussten da durch: "Für Dich dreh' ich so lang an der Erde bis Du wieder bei mir bist". Dabei unterstütze sie ihren braven Vortrag durch pantomimische Drehbewegungen und punktgenaues Lächeln in die Kameras. Dieter fand es prima und brachte abschließend seine musikalische Message unters Volk: "Ich mache Musik, weil ich möchte, dass Menschen meine Platten kaufen."

Weniger Geschick in punkto marktgerechter Präsentation zeigte Rania Zeriri. Das als "Antidepressivum" gedachte "Valerie" zerdehnte sie mit ihrem Schnulzen-Timbre bis zur Unkenntlichkeit, irrlichterte in Tonlage und Qualität deutlich unter der Leistung von Amy Winehouse, die mit dem Song der Zutons derzeit in den Hitparaden ist. Für Nesthäkchen Benny wurde "Señorita" von Justin Timberlake ausgesucht, eine unüberwindbare Hürde wie sich herausstellte. Die Hose schlackerte, die Stimme schlingerte und die Jury war sich einig: Das war nichts.

Hilfe gegen Bohlens Marktmacht

Ganz anders Linda Teodosiu, die sich mit "Because of You" von Kelly Clarkson souverän eine Runde weiter sang. Gegen die geballte Marktmacht von Bohlen holte sich Co-Juror Andreas Läsker Hilfe von einem aus seiner ehemaligen Posse: Michi Beck von den Fantastischen Vier äußerte sich knapp aber wohlwollend: "gut gemacht". Auch Thomas Godoj sang sein "Shadow Of The Day" von Linkin Park zur vollen Zufriedenheit des Dreiergestirns, Bohlen wünschte sich jedoch etwas mehr Einsatz und forderte fürs Finale, bitteschön, eine Bohlenkomposition.

Ähnlich zäh wie das kurz zuvor zu Ende gegangene DFB-Finale in Berlin zog sich auch der Kölner DSDS-Abend in die Länge. Wieder die flehenden Telefon-Gesten der Kandidaten in die Kamera. Wieder ließ sich Marco Schreyl schier endlos Zeit, bis er die von vornherein völlig überschaubare Situation auch dem Letzten begreiflich gemacht hatte und die existenzielle Fallhöhe aufgebaut hatte, bis der kleine Benny schließlich wenig überraschend von den Zuschauern per Nichtanruf nach Hause geschickt wurde. Schon vorher hatte sich die Jury zu keinem klaren Urteil durchringen können. Ihr Gesamturteil changierte zwischen "nicht so angeprickelt" und "besser gefallen" - die ganz große Begeisterung geht anders. Aber darum ging es ja auch nicht an diesem Abend.

Von Malte Krebs
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Annabel (21.04.2008, 10:09 Uhr)
Alles freiwillig
Keiner wird gezwungen, sich DSDS anzuschauen oder Kommentare dazu zu lesen oder gar abzugeben. Und der Stern macht nur, was andere auch machen, nämlich Sendungen, die ganz offensichtlich die Gemüter der unterschiedlichsten Leute erhitzen, einfach nur zu verfolgen und zu kommentieren.
Wenn die Mottoshows losgehen, finde ich die Sendung schon unterhaltenswert, da hier echt gute Stimmen und Talente dabei sind. Und wer will denn kein Geld verdienen? Und jeder Kandidat weiß, worauf er sich einlässt, also ganz ruhig bleiben.
Dass Benni rausgefallen ist, lag auf keinen Fall an Anja Lukaseder, also bitteschön, er ist rausgefallen, weil die anderen eindeutig besser sind. Der Kleine konnte nicht singen und wer kauft sich schon Platten wegen der Performance, übrig bleibt schließlich nur der Gesang. Ich hatte schon befürchtet, das Drama der 4. Staffel mit Daniel Kübelböck oder wie der Typ hieß, würde sich wiederholen. Zum Glück nicht! Also, wer möchte, bleibt am Ball und wer nicht schaut einfach weg, oder???
Abulhol (21.04.2008, 09:37 Uhr)
Kandidatenbashing
scheint die Devise beim Rezensenten der diesjährigen DSDS-Staffel, der mit der Formulierung "Tantiemen vor Talent" den Juroren und den Kandidaten gleichermaßen letzteres abspricht. Dieter Bohlen will Geld verdienen - das wollen Leute wie die, die einen Jimi Blue O. hypen oder eine Paris H. produziert haben, auch. Mir sind die Kandidaten bei DSDS, die immerhin live auftreten, tausendmal lieber, als die og. Töchter/Söhne von ...(die Liste lässt sich verlängern). Ich verfolge die Staffel mit Genuss und kann Kommentatorin Astrid47 nur Recht geben. Das Mindeste, was man vom Rezensenten verlangen kann, ist, dass er die Sendung vom Anfang bis zum Ende verfolgt und sich nicht schon während ihres Verlaufs darauf konzentriert, möglichst schmissige Formulierungen zu suchen.
Georges13437 (21.04.2008, 08:51 Uhr)
Schlumpfbenny kommt zurück
Am 20. 4 habe ich geschrieben, dass es mich nicht wundern würde, wenn RTL die Holländerin noch rausschmeisst und den Pausenclown zurückholt. Die Sache wird aktuell. Angeblich hat man in der Kabine von der Holländerin Haschgeruch geortet. Wahrscheinlich ist Bohlen schon unterwegs um Kleinbennylein abzuholen.
Georges
claatu (20.04.2008, 22:58 Uhr)
RTL - Stern.de
Mich würde mal ganz ernsthaft der Zusammenhang von RTL und stern.de interessieren. Warum wird ausgerechnet dieser Müll (ja, ich habe auch schon mal in eine Staffel reingesehen, um zu wissen um was es da geht)immer so ausführlich beschrieben? Da muss es doch irgendwelche finanziellen oder sonstigen Verknüpfungen geben? Schließlich bringen auch andere Sender genug Beiträge mit Null-Niveau, warum also immer RTL?
Georges13437 (20.04.2008, 22:18 Uhr)
DSDS war und ist eine Farce
Morgen gehen die Frauen wieder ins Büro und verklagen ihre Kollegen wegen sexueller Anmache. Bei Bohlens Privatsendung DSDS lachen die gleichen Damen sich kaputt wenn der Alte Sack von dicken Eiern spricht, obwohl seine wahrscheinlich schon tief hängen. Jeder andere der solche sexistischen Sprüche vom Stapel läßt, hätte den absoluten Dauerärger am Hals. So sind die Menschen nun mal, heuchlerisch bis zur Unerträglichkeit.
Wo RTL diesen schleimigen Schreyl aufgegriffen hat ist für mich immer noch ein Rätsel. Steht der auf kleine Jungen , oder was?
Letztes Jahr hat er diese Rumschmuserei schon mit dieser männlich jugendlichen Heulsuse abgezogen. Der war doch ähnlich wie dieser Benny. Dieses Jahr scheint sich Bohlen aber noch nicht schlüssig zu sein , wen er zum Abzocken in sein Studio holt. Der diesjährige Sieger wird im Eilschritt wieder in der Versenkung verschwinden. RTL soll es doch egal sein, solange recht viele Leute für 50 cent anrufen, und dem Sender ordentliche Einnahmen bescheren.
Nächstes Jahr wird wahrscheinlich wieder eine Änderung ins Haus stehen, dann wird Bohlen die Jury alleine besetzen, dann ist die Lachnummer perfekt.
Mich sollte nicht wundern wenn RTL die Holländerin noch rausschmeißt und Bohlen diesen kleinen Deppen zurückholt. Mal sehen was die Woche bringt.
MfG Georges P.
astrid47 (20.04.2008, 19:14 Uhr)
Die Sendung überhaupt gesehen?
Ich frage mich allen Ernstes, ob der Verfasser dieses Artikels die Sendung überhaupt gesehen hat oder nur einfach, wie bei Journalisten beliebt, um der Schlagzeilen willen schlecht recherchiert hat!
Bohlen hat keineswegs von Thomas Godoj gefordert, im Finale einen Bohlentitel zu singen, völlig falsch. Er hat sich für die folgenden Shows etwas Spektakuläres, etwas womit er alle überrascht, gewünscht. Und hat dann, nicht ernst gemeint, Lieder von Modern Talking angestimmt, unter dem Gelächter der anderen Jurymitglieder. Es war Verar.....! Hat der Verfasser des Artikels offensichtlich nicht gemerkt.
Bezeichnend für Deutschland ist wie immer, dass grundsätzlich alles schlecht gemacht wird. In anderen Ländern gehen aus solchen Sendungen Weltstars, wie z.Bsp. Justin Timberlake hervor, in Deutschland wird nur kleingeredet!
Hier ist zumindest ein Ausnahmetalent, Thomas Godij am Start und auch Linda hat offensichtlich Talent. Aber mit sowas macht man keine Schlagzeilen, einfach zwei junge Menschen, die es verdient hätten, zu unterstützen.
Schade, auch daran krankt es in Deutschland!
Schulse (20.04.2008, 15:47 Uhr)
Einmal und hoffentlich nie wieder...
Also ich bin jetzt auch für diese Staffel von DSDS zwangsentjungfert worden... Ein Fernsehabend mit Freundin war auch diesmal dafür verantwortlich, wobei ich mir bislang eigentlich dachte, dieser Kelch würde dieses mal komplett ohne meine Beteiligung an mir vorüber gehen. Also... Ich durfte auch dieses mal wieder feststellen, dass diese Show nichts weiter als Dieter Bohlens persönliche Gelddruckerei ist. Junge Menschen, mehr oder eher weniger mit musikalischen Talent beseelt, werden vor einem Millionenpublikum (allein das sollte einem schon zu denken geben) verheizt und bloßgestellt. Ok, bei manchen muss man sagen "So hohl wie du bist, hastes echt net besser verdient". Der Höhepunkt dieses Abends bestand ohne jeden Zweifel darin, dass dieser... ach genau, benny heisst er... sagte:"Die Leute die Buh-Rufen haben sicherlich ihre Gründe, aber sie haben so viel (kleinen Platz zwischen Daumen und Zeigefinger lass) Grips"... geil, dass man sich das von jemanden der echt Gesangstechnisch auf Sparflamme kocht und sich vorwiegend durch das Wort "Alter" profiliert sagen lassen muss... Nichtsdestotrotz wurde auch diese Verbalinjurie von seinen "Fans" (Eltern und Oma und so) mit Standing Ovations gekrönt... Der kleine Scheisser is rausgeflogen, nachdem er von Marco Schrayl (oder so) noch geküsst wurde... Boah ich kann mir kaum was ätzenderes vorstellen als als heranwachsender von einem so aalglatten charakterlosen männlichen Moderator nen Schmatz auf die Backe gedrückt zu bekommen....
Ok einmal und niewieder... über DsDs wurde schon viel schlechtes geschrieben und alles ist richtig. Das weiss ich speziell seit gestern Abend.
bob-der-meister (20.04.2008, 14:24 Uhr)
Modell RTL
RTL ist in weiten Teilen ein Trash-Sender, der innerhalb der Fernsehkanäle etwa auf vergleichbarem Niveau operiert wie im Pressebereich die Bildzeitung.
Die ganze Bohlen-Vermarktungskette ist dafür das beste Beispiel. Wenigstens gibt es noch ein paar Bereiche, in denen der Sender Sehenswertes bietet, so zum Beispiel Hape Kerkeling mit seiner sensationell witzigen Taxi- Sendung und die RTL Aktuell Abteilung (die allerdings auch weitgehend am Oberflächlichen orientiert ist).
DSDS ist in meinen Augen Teenagerverarschung in ganz großem Stil. Zu toppen ist das alles nur noch von Pro7 (Supermodels) und 9 Live.
ganzbaf (20.04.2008, 12:49 Uhr)
Genau...

Benni wollte doch das "Lied der Schlümpfe" vortragen...! ;-)
Bumpinger (20.04.2008, 11:51 Uhr)
Anja Lukaseder ist bitterböse und gemein!
Anja Lukaseder ist Schuld, dass Benni raus ist. Sie hat ihm einen so schweren Song gegeben! Ich schlage vor: Ab sofort ist Lukaseder nicht mehr beliebt!
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