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11. Mai 2008, 10:36 Uhr

"Hühnerstall-Terror im Höchstgrade"

Weder ihr Liebesgeständnis noch der Kuss vor der Kamera haben ihr geholfen: Linda Teodosiu ist aus "DSDS" ausgeschieden. Verständlich: Zeitweilig fühlten sich sogar die Juroren "fast ein bisschen peinlich berührt". Von Peter Luley

DSDS, Deutschland sucht den Superstar, RTL,Linda Teodosiu

Kurz vor dem Finale ausgeschieden: Linda Teodosiu© Rolf Vennenbernd/dpa

Die letzten drei Kandidaten aus 30.000 Bewerbern, bereit zum Live-Wettstreit im Kölner Coloneum. "So glücklich kann das Hoch 'Marco' machen", begrüßte Moderator Marco Schreyl die Zuschauer zur vorletzten Show der fünften Staffel von "Deutschland sucht den Superstar".

Wer angesichts des sonnigen Pfingstwetters eine "DSDS"-Pause einlegte, verpasste ein Halbfinale, bei dem es letztlich um die Ermittlung des Gegners für den seit langem favorisierten Thomas Godoj ging.

"Hühnerstall-Terror im Höchstgrade"

Jeweils drei Titel hatten die verbliebenenen Anwärter auf den diesjährigen "DSDS"-Thron vorzutragen: einen Charterfolg, einen Beatles-Song und eine Widmung ihrer Wahl. Es begann holprig. Thomas Godoj tat sich mit "In the shadows" von The Rasmus schwer. Und auch Linda Teodosiu hatte sich mit dem wenig melodiösen Disco-Stück "Don't stop the music" von Rihanna selbst eine undankbare Aufgabe gestellt.

Während "Bär" Läsker den Auftritt mit "sehr mutig (…), Arschlecken, war okay" durchwinkte und Jury-Kollegin Anja Lukaseder diplomatische Worte fand ("clever gelöst, kleines Fräulein"), holte Bad guy Bohlen zu einem frühen Vernichtungsschlag aus: "Dann ist das wohl so, dass ich neben zwei Tauben sitze, leider. Das war für mich Hühnerstall-Terror im Höchstgrade." "Null Groove" bescheinigte der von RTL mit der Einblendung "Pop-Titan" versehene Ex-Modern-Talking-Knödler dem Beitrag.

Erst der von Fady Maalouf dargebotene Westlife-Hit "You raise me up" wurde nicht nur vom Publikum mit "Zugabe"-Rufen bedacht, sondern auch von der Jury als "ganz großes Theater" gelobt.

Schmalz und Schokobären

Es folgten drei gleichwertige, schlüssig auf die Performer zugeschnittene Beatles-Cover: Rock-'n'-Roller und Anti-Tänzer Thomas Godoj brachte eine charismatisch-rockige Version von "Let it be" zur Aufführung, warf sein Jackett ins Publikum und inspirierte Läsker zu dem Ausruf "Du bist 'n fucking Rockstar."

Soul-Prinzessin Linda bot mit Chor die Joe-Cocker-Version von "With a little help from my friends" dar und erntete "Großes Kino"-Kommentare. Und Fady ließ mit seiner "Yesterday"-Variante zwar an der Grenze zum Unerträglichen das Schmalz tropfen, festigte aber seinen Ruf als Schnulzenkönig. "Mehr Gefühl geht nicht", befand Anja Lukaseder, und Bohlen pflichtete bei: "Jeder, der 'n Herz hat, muss anrufen" - lediglich seine Mutter bat er um Zurückhaltung, auf dass sie nicht noch einmal versehentlich die 10.000-Euro-Prämie gewinnt.

Mit den Widmungs-Nummern verfestigte sich dann der Eindruck dominierender Herren: Thomas wollte sich bei seinen Fans "da draußen" bedanken und wetzte die Scharte vom Beginn mit einer gut gewählten Version von "Easy" von Faith no more aus - auch wenn Bohlen meinte, Vorjahressieger Mark Medlock ("da gab's so 'n kleinen braunen Schokobär, den hab' ich natürlich ganz tief in mein Herz geschlossen") habe den Song besser gesungen.

"Herzensstreichler Fady" (Schreyl) widmete seinen Titel den angereisten Eltern - und rang seinem Stil-Repertoire mit Michael Bublés "Feeling good" immerhin noch eine ungehörte Facette ab. Linda dagegen erntete für die Mariah-Carey-Schmachtballade "My all", die sie mit einem Liebesgeständnis an den ausgeschiedenen "DSDS"-Kandidaten Simon und einem Kuss vor der Kamera garnierte, eher hämische Kommentare. "Herzlichen Glückwunsch, Simon, super Schuss abgeholt", röhrte sogar der erklärte Linda-Fan Läsker. Bohlen und Lukaseder fühlten sich durch das Lippenbekenntnis "fast ein bisschen peinlich berührt".

Die 16-Jährige schien das Zuschauervotum zu erahnen: "Es hat mir trotzdem Spaß gemacht", stammelte sie im Interview mit Schreyl schon vor Bekanntgabe des Ergebnisses. Müßig zu spekulieren, ob Bohlens fiese Sprüche oder der selbstbewusste Auftritt von Fady Maalouf ausschlaggebend waren. Das anstehende Männerduell zwischen Rock-'n'-Roller und Schnulzenkönig ist sowieso nur ein Zweikampf für die Galerie: Ein Superstar im Wortsinn wird schließlich auch aus der fünften Staffel nicht hervorgehen.

RTL indes ruft schon am Pfingstmontag in Köln zum nächsten großen Casting auf: Nun soll Deutschland wie schon im vergangenen Jahr wieder "das Supertalent" suchen; Skurriles von "Mäusezirkus" bis "Tigerdressur" ist gefragt. Die Show muss schließlich weitergehen, auch nach der Kür des neuen "Superstars".

Von Peter Luley
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Jayjay77 (13.05.2008, 11:00 Uhr)
nicht zu persönlich nehmen...
sollte man doch diese Show im Fernsehen... Aber genau das klingt grad ziemlich bei rokebyrose durch....
Natürlich hatte Linda bei der Show ein für eine 16jährige unglaublich weit entwickeltes Gespür für die Songs und eine tolle technische Versiertheit, aber trotzdem fehlt ihr in Ausführung und Stimme (noch) dieses "plus x", welches einfach nicht objektiv messbar ist. So etwas reift vielleicht mit den Jahren, dann wird sie ne große Künstlerin oder es kommt nicht, dann bleibt sie "nur" ne extrem gute Sängerin. Aber davon gibt es viele viele viele viele......
Bisher macht sie ne echt gute Figur beim "Covern", aber das hat auch bei DSDS 2007 Francisca Urio getan und ist frühzeitig ausgeschieden. Und hätte Linda noch locker in die Ecke gesungen. Aber sie war schon "zu gut", zu intonatorisch perfekt mit jedem Song und das kann auch Gift sein für den Erfolg bei so einer Sendung. Das Publikum braucht mehr als eine gute Stimme, um sich zu identifizieren, sie wollen eine "Geschichte" hinter dem Kandidaten. So geschehen bei Thomas mit dem "Plan B" und bei Fady mit seiner Herkunft. Linda "war" einfach nur ne talentierte 16-jährige und konnte somit bei den Gegner nicht mitkonkurrieren.
Ich wünsche ihr, dass sie jetzt an die richtigen Leute gerät, die ihr helfen, ein Künstlerprofil zu entwickeln und ihr die richtigen Songs für ihre Stimme schreiben.
Denn mit den Standard-Bohlen-Kompositionen kann man zwar kurz in die Charts, aber genauso schnell wieder in die Vergessenheit....
rokebyrose (12.05.2008, 16:54 Uhr)
Dieter Bohlens "Kompetenzen"
Dieses verkommene Subjekt kontaminiert
vor allem Teenager, die noch formbar sind. Fäkalienhaftes Subniveau a la "Dich haben sie wohl auf der Müllkippe
verwechselt" oder "Schwuchtel...oder
was?!" ist das, was RTL die Quoten bringt und vom zahlungswilligen Unterschichten- TV- Konsument unter "Coole Sprüche" subsumiert wird.
Rein musikalisch betrachtet ist Bohlen mehrfach vor Gericht erschienen, da häufiger der Verdacht
erhärtet wurde, es handele sich nicht
zwingend um seine "Kompositionen", sofern man diese synthetischen, emotionsverarmten Tonkonserven wie "You're my heart- you're my soul" oder "Sherry Sherry Lady" als "Kompositionen" bezeichnen kann. Wenn
der gefühlsverarmte, berechnende Dieter Bohlen einer Linda Teodisu
"zu wenig Emotion" wiederholt ankreidet, so ist das vollkommen gehalt- und substanzlos. Dieser Primat müßte sich bei "Hänschen Klein" für eine Transposition noch
die Noten geben lassen, falls Er selbige überhaupt zu lesen im Stande
ist.
Musikkritik ist objektiv überprüfbar
anhand von Intonation, Stimmbildung- und Volumen, Timing, Phrasierung, Artikulation. Diese Kritik kann ein
des Faches Kundiger sachlich üben. Dazu bedarf es keiner "Du bist Viagra" oder "Dildospielchen".
Mit Linda Teodosiu gab es die einzige
wirkliche Begabung dieser Staffel bei
DSDS. Herr Bohlen et le rest sind das
zu erkennen apparent und auch de facto weder in der Lage zu erkennen, noch zu würdigen.
Das Ihr Autor diese junge, selbstkritische und disziplinierte Teenagerin auf Ihre BRAVO- Photos
reduziert, hievt den STERN auf das
gleiche, billige und infarme journalisitische Niveau einer BILD, Bunten et cetera.
ganzbaf (12.05.2008, 11:09 Uhr)
RTL verbiten

Schon wegen den megadreisten "Perma-Werbe-Einschiebungen"!
fire-eyedBoy (12.05.2008, 08:29 Uhr)
Zu Linda
Ich kann rokebyrose nur uneingeschränkt Recht geben. Was vor allem Thomas abgeliefert hat, war teilweise wirklich grottenschlecht. Für die Jury steht doch schon vorher fest, wen sie durchwinken, weil er die höchsten Verkaufszahlen verspricht. Alles Humbug! Und dann beurteilt von so einem Supperdepppen wie Dieter Bohlen, also neee!
kerstin1986 (11.05.2008, 23:09 Uhr)
Schmeißt den Moderator raus!!!
Am allerschlimmseten bei der Show finde ich ja noch den Moderator. Ich meine das Bohlen viel Geld dafür kassiert, damit er provozierende Sprüche bringt und auf der einen Seite Kandidaten in den Himmel lobt und beim nächsten Lied richtig fertig macht, ist klar. Auch dass die Kandidaten nicht nach ihrem Können sondern nach ihrem Aussehen oder der möglichen Vermarktung bewertet werden auch, denn später bei Alben ist mit dem Computer viel möglich und live singen müssen sie auch nie wieder.
Aber warum muss dieser miese Kai-Pflaume-Verschnitt ständig so dumme Fragen stellen, nach dem Liebesleben der Kandidatinnen, die Monica und Linda warum sie meint besser zu sein als die andere, oder ob dieser peinliche Kuss von Linda mit Zunge war??? Wen interessiert das und wem ist sowas nicht zu blöd???
Die Sänger, den Moderator und die Jury sollte man rauswerfen, am besten ist die Band, schade, dass man für die nicht anrufen kann!
rokebyrose (11.05.2008, 22:19 Uhr)
Linda Teodosiu
Bislang dachte ich ja, daß die Paralellen zwischen BILD und dem STERN
lediglich aus der rot-weißen Farbauswahl des Logos bestünde, aber auch Ihr Schreiberling bewegt sich auf
intellektuell eher schlichtem Niveau, was das Verständnis von Musik betrifft. Wie gut, daß ich den Stern
schn seit Jahren nicht mehr aboniere.
Linda Teodosiu ist die einzige DSDS- Kanidatin, die über echtes Talent verfügt. Das bedeutet, daß Ihr niemand beibringen muß, wie sich "warm und kalt" anfühlt. Sie hat ein für Ihr Alter unphysiologisch und ausgerwöhnliches Stimmvolumen, was nicht gleichzusetzen ist mit "Geschrei", wie es ihr wochenlang vorgeworfen wurde. Linda Teodosiu verfügt über sichere Intonation, Rythmusgespür (Timing), Agogik, Phrasierung und somit über die Fähigkeit, große Spannungsbögen entstehen zu lassen. Sie ist die einzige Kanidatin, die selbstkritisch
mit Ihrem Gesang umging. Stets respektvoll und bescheiden zugleich.
Sie wußte intuitiv, wie etwas klingen
muß und konnte es Ihrem Alter und ihrem individuellen Ausbildungsstand entsprechend ,konkurenzlos ausdrücken. Nicht ein einziges mal machte Linda Teodosiu auf "Probleme mit der Stimme" oder "Ich bin krank"-
Getue.
Der Mr. Noname Lukaseder hätte man (ebenso wie dem verkommenden Subjekt
Bohlen auch oder dem Ex- DJ) ein Metronom und eine Stimmgabel reichen
können...Sie hielten schon Benjamin
Herd und Rania Zereri für "Riesentalente". Fady Maloouf wurde für seine ständig unerträglicher werdenden Dissonanzen und sein schlechtes Timing immer wieder nach
den selben Mechanismen stereotyp gelobt. Keine Entschuldigung war zu
schade, für dieses Untalent. Seine Stimme eignet sich für Telefonsex oder für den Callcenter- Manager.
Ansonsten anempfehle ich ihm die "Musikalische Früherziehung" ( am besten für Gehörlose), weil Er dann
ein Einsehen hat, daß nicht Jeder, der gerne singen möchte, dass auch tatsächlich kann. Und selbst wenn Hundertausende dieses Untalent ( Godoj bewegt sich auf dem gleichen
Subniveau) immer wieder in die Shows
wählen, wird das Ergebnis dadurch nicht richtiger.
Wer gestern - die junge Dame ist 16-
wirklich nicht gehört hat, wie Linda
Teodosiu "with a little help from my
friends" reanimiert hat, sollte sein
eigenes Unvermögen nicht diesem tollen Talent vorwerfen. Von allen Kanidaten und Kanidatinnen hat Linda
Teodosiu mit Abstand am meißten riskiert und auch zeigen können. Das
DSDS nicht an wirklichem Talent interessiert ist, steht auf einem anderen Blatt.
initialway (11.05.2008, 16:04 Uhr)
geht doch
endlich mal wieder ein guter Artikel, der Sachlich, aber dennoch mit Witz und etwas Sarkasmus die Schwächen dieser Show zeigt. Endlich. Danke.
Klaus_P (11.05.2008, 15:15 Uhr)
Naja
ich halt von diesem DSDS genausowenig wie von Big Brother und dem ganzen anderen Müll. Wenn man schaut wie sich das Fernsehprogramm entwickelt wirds einem ganz anders.
Albatros111 (11.05.2008, 13:13 Uhr)
Wie Fußball
Für DSDS gilt, was Sepp Herberger über ein Fußballspiel sagte: "Die Leute gehen hin, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht." Das Spannende ist das Ergebnis am Ende, das Mitfiebern. Die Musik ist eigentlich uninteressant. Dass die frischverliebte Linda keine Stimmen mehr bekommen würde war klar. Die Mädchen sind instinktiv eifersüchtig auf ihr Liebesglück, die Jungs nehmen sie instinktiv vom Schirm, weil sie jetzt vergeben ist.
ak95630 (11.05.2008, 12:08 Uhr)
Deutschland sucht - und findet nie
Diese Sendung produziert alles mögliche, aber keine Superstars.
Bedauerlicherweise sind Bohlens Sprüche noch das Beste an der ganzen Veranstaltung.
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