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10. Juli 2007, 10:30 Uhr

Abpfiff - Das Aus für "arena"

Nach nur einer Bundesliga-Saison ziehen die Gesellschafter des Bezahlsender "arena" die Reißleine. Die Verluste sind höher als der Umsatz. Jetzt werden die Senderechte wohl an den Abo-Sender "Premiere" zurückgehen. Was bedeutet diese jähe Wendung? Von Bernd Gäbler

Experiment gescheitert: "Arena" hat sich mit dem Kauf der Fußball-Rechte übernommen© AP

Die Luft ist raus. Schon in der Medienbilanz zur Bundesliga-Saison schrieben wir an dieser Stelle, dass es rätselhaft sei, was die "arena"-Geschäftsführer wohl ihren Gesellschaftern erzählen. Die Grundrechenarten könnten es kaum sein. "Arena" hatte für den Erwerb der Senderechte fast das Doppelte gezahlt wie zuvor "Premiere", nur etwa ein Drittel von deren Abonnentenzahl erreicht, dafür aber den Abo-Preis halbiert. Das konnte nicht aufgehen. Nach einer Saison waren die Verluste höher als der Umsatz.

Zwar gaben sich Vertreter des Senders, Repräsentanten der Muttergesellschaft Unity Media wie auch Repräsentanten des hinter allem stehenden Private Equity Unternehmens BC Partners auf allen Medienpodien stets gelassen - also nichts sagend, aber irgendwann kommen auch die Großinvestoren von ihren verkündeten "Stories" und "Fantasien" zurück zur Wirklichkeit. Von denkbaren sechs oder sieben Millionen Abonnenten hatten sie einst gefaselt, begeistert auf die englische Liga geschaut, ohne deren TV-Erfolg zu analysieren, die neue Einheit von Infrastrukturanbieter (Kabegesellschaft) und Sender ("arena") zum non-plus-ultra der Medienzukunft erklärt. Jetzt ist ihnen schon nach einer Saison die Luft ausgegangen. Ziehen wir nüchtern Bilanz.

Es gibt nur ein Pay-TV. Viele Freunde des Wettbewerbs haben aufgeatmet als mit "arena" ein neuer, Vielfalt sichernder Player die Medienbühne betrat. Jetzt aber kann für die deutsche Medienlandschaft endgültig als sichere Erkenntnis gelten: Nur mit einem einzigen, also monopolistischen Anbieter, hat das Bezahlfernsehen bei uns überhaupt eine realistische Chance. Das mussten schon Kirch und Bertelsmann lernen. Jetzt lernen es andere erneut. Im Unterschied zu allen anderen vergleichbaren Ländern ist das öffentlich-rechtliche System bei uns außerordentlich stark. Es bleiben nur wenig exklusive Inhalte, die nicht frei empfangbar sind.

ARD und ZDF investieren Summen in Sportrechte und Live-Sport, die anderswo undenkbar sind. Live-Fußball ist und bleibt das wichtigste "asset" für Pay-TV, darum muss dieser aus einer Hand angeboten werden, mit einem Gerät empfangbar und mit einer halbwegs transparenten Gebühr abgegolten sein. Das Kartellamt prüft noch, aber es ist wie so oft: Am Ende aller Mühen um Wettbewerbssicherung wird die Einsicht stehen, dass es nur mit einem Monopol funktioniert.

Die Kundenkartei ist wichtiger als die Infrastruktur. Beim Start von "arena" war das eine große Frage: Darf ein Infrastrukturanbieter, hier die Kabelgesellschaft Unity Media, überhaupt einen Sender gründen? Birgt dieser Dualismus nicht einen wettbewerbsfeindlichen Vorteil? Verkörpert ein solcher Wechselbalg womöglich die unschlagbare Medienzukunft? Die Sorgen waren unbegründet. Es zeigt sich - auch und gerade in einer Mediengesellschaft der vielfältigen Empfangswege: das höchste Gut ist die Kundenkartei. Da "Premiere" auch nach dem Verlust der Fußball-Bundesliga weiterhin Programm anbot, vor allem mit der Champions League auch exzellenten Fußball, überdies seine Kunden recht fest in den Klauen einmal abgeschlossener Abos hielt, verlor der Sender zwar etwa jeden fünften Abonnenten, hielt sich gegenüber dem neuen Rechteinhaber aber recht wacker. Was nutzte dem da der flotte Kabelzugang zu potentiellen Endkunden? "Premiere" ließ sich einfach nicht aus dem Feld schlagen.

Bald schon suchte "arena" gemeinsame Arrangements, eine Vertriebs-Kooperation zumindest. Jetzt bleibt "Premiere". Mit zwei großen Unklarheiten: Wie will der Sender die gut 600 Millionen Euro aufbringen, um die dann von "arena" übernommenen Fußballrechte zu bezahlen? Und: Wie will der Sender den ehemaligen "arena"-Kunden beibringen, dass sie jetzt für die Bundesliga wieder etwa doppelt soviel bezahlen sollen wie in der Saison zuvor? Mit den luftigen Buchungen von "arena" wird jetzt "Premiere" zu kämpfen haben.

Koflers Argumente gewinnen an Gewicht. "Arena" konnte "Premiere" beim Erwerb der Bundesligarechte ausbooten. Das lag am vielen Geld, aber auch daran, dass Premiere-Chef Georg Kofler in seiner keineswegs diplomatischen Art, mehr Exklusivität gefordert hatte, auf deutsch: ein Zurückdrängen der ARD-Sportschau. Er berief sich dabei auf die funktionierenden Modelle aus anderen Ligen, insbesondere der englischen Premier League. Das frei empfangbare BBC-Fußballtraditionsformat "Match of the Day" läuft dort brav am späten Abend. Durch die Pleite, die "arena" de facto hingelegt hat, gewinnt diese Argumentation an Plausibilität.

Seifert kommt in die Bredouille. Der Fußball-Liga (DFL) passte der neue Anbieter gut ins Konzept. Es galt als fast geniales Gesellenstück des neuen DFL-Geschäftsführers Christian Seifert, rechtzeitig "arena" aus dem Ärmel gezaubert zu haben. So wurde die DFL nicht einseitig abhängig vom "Premiere"-Geld und sie musste die "Sportschau" nicht verprellen. Sie kann dies gut darstellen als Dienst am Kunden, also Liebe zum einfachen Fußballfan. Tatsächlich sind für keine andere Liga der Welt die Sponsorengelder so wichtig wie für die Vereine der Bundesliga. Sponsoren wollen und brauchen Reichweite. Reichweite gibt es nur im frei empfangbaren Fernsehen.

Auch Christian Seifert ist kein Diplomat. Er hat sich mit "Premiere" angelegt; die Sportschau aufgefordert, weniger kommerziell zu agieren, den Unterschied zu werbefinanzierten Sportsendungen deutlicher werden zu lassen; und er hat es zuletzt nicht versäumt, "arena" gehörig den Kopf zu waschen, mit deren Abo-Werbung er sich unzufrieden zeigte. Zwischen den Sponsoreninteressen nach Reichweite und den Pay-TV-Interessen nach Exklusivität wird die Luft dünner. Seiferts Position wird ungemütlich.

Klinsi kann lachen. Manche Reporter und Mitarbeiter, die sich damals flugs und mit etwas Häme von Premiere gen "arena" verabschiedet haben, werden das jetzt bedauern. Von "arena" haben sie schon einen Abschiedsbrief zugeschickt bekommen. Viele Einzelheiten sind noch zu klären. Da "Premiere" ja weiterhin gesendet hat, werden zwar einige zurückkommen dürfen, aber beileibe nicht alle. Nur "Klinsi" kann grinsen. Gerade erst hat er einen Zwei-Jahresvertrag mit "arena" als Co-Kommentator abgeschlossen. Von rund einer Millionen Euro war die Rede. Die gibt es jetzt für lau.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

Von Bernd Gäbler
 
 
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