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12. Januar 2009, 18:45 Uhr

Nachrichten mit Claus und Gundula

Mit aller Macht und furchtbar verkrampft will das ZDF seine Nachrichtensendungen amerikanisieren. Immer ganz flockig sein - das geht nicht mit jedem der bisher braven News-Angestellten gut. Von Bernd Gäbler

 
Claus Kleber, Heinz Wolf, Gundula Gause, ZDF, heute-journal

Ein einzigartiges TV-Traumpaar: Amerika-Fan Claus Kleber und seine Kollegin Gundula Gause© Jörg Carstensen/DPA

Es gibt sie noch, die guten und sachlichen Leute auf dem Bildschirm. Unter den wenigen ganz tollen, den vielen Möchtegern- und den Scharen von inkompetenten Moderatoren und Teleprompter-Ablesern tauchen auch immer noch einzelne freundliche Menschen auf, die sich nicht allein selbst inszenieren, sondern in den Dienst ihrer Sache stellen. Einige Moderatoren im Regionalen gehören dazu, auch einige Nachrichtensprecher wie Ellen Arnhold, Susanne Daubner oder Marc Bator in der ARD. Drängen sie nicht gerade ins Bunte, Volksmusikalische oder andere höhere Sphären wie einst Susan Stahnke, Eva Herman oder bekunden wie Jens Riewa, was für eine Granate "Michelle" doch im Bett sei, dann genießen sie beim Publikum keine euphorische, aber eine ruhige Sympathie.

Katholisch-verlegen verliebt

Im ZDF gehören Barbara Hahlweg, Gundula Gause und Heinz Wolf zur sympathischen Moderatorenriege. Sie verlesen ihre Nachrichten in der aktuellen "heute"-Sendung und sitzen im "heute-journal" brav am Nebentisch, bis sie dran sind mit ihrem sachlichen Nachrichtenüberblick. Soweit, so gut. Müsste nicht alles immerzu erneuert werden und zwar in Richtung flott. Claus Kleber und Gundula Gause sind schon wegen des wunderbaren Stabreims ein einzigartiges TV-Paar. Außerdem wirkt Gundula Gause immer so, als sei sie ein wenig katholisch-verlegen verliebt in den notorischen Kopf-Schiefleger.

Für Kleber ist es nie genug

Für Claus Kleber kann es nie genug sein mit der "Amerikanisierung". Der forschen Ersatzfrau Dunja Hayaly erlaubte er schon mal, ganz locker ihren Hund auf den Moderatorentisch zu platzieren und zum Jahresende klatschten Kleber und Gause sich mit "High Five" ab, als würden sie einem Basketballteam der NBA angehören. Immer "amerikanischer" werden auch die Inhalte, die inzwischen wie selbstverständlich Eingang in die Nachrichten finden. Dazu gehören sentimentale Beiträge über Kinder, die durch Organspenden gerettet wurden, aus dem Standard-Repertoire der Boulevard-Magazine. Zum Tod von Johnny Cash lief nur ein Song. Außerdem wird, als gäbe es keine vollständigen Namen mehr - ganz amerikanisch - radikal geduzt: Aus Tel Aviv berichtet "Karin" und dann gibt es: "Nachrichten mit Gundula".

Heinz schmatzt

Aber was Claus einführt, muss auch Marietta nachmachen. An der Seite von Marietta Slomka verrichtet der stets etwas bieder wirkende Heinz Wolf solide seinen Dienst an der Nachrichtenfront. Aber auch hier soll es unbedingt menscheln und kuschelig-privat anmuten. Nach der Sendung gehen sie gerne noch zusammen "einen Happen essen oder ein Glas Wein trinken" ließ Frau Slomka schon in Interviews verlauten und blinkert neuerdings ein wenig herüber, wenn sie zu Heinz Wolf ("Nachrichten mit Heinz") übergibt. Regelmäßig fühlt sich dieser dann jäh ins Rampenlicht gezerrt und reagiert stets gleich: Auf ein kurzes Schmatzen folgt ein jähes Hochreißen der Mundwinkel, als müsse er im Kindertheater einen Clown darstellen - dann erst geht es los mit dem bis dato üblichen Verlesen der News.

Doppelt "Tschüss" hält besser

Wie blödsinnig das alles ist, spürt der geneigte Zuschauer dann noch einmal am Schluss der Sendung. Alles ist vorbei. Mit den üblichen Hinweisen und Wünschen verabschiedet sich die Moderatorin, dann zieht die Kamera auf - und es gibt noch einen kleinen, nachgeklappten Doppelschluss. Auch Heinz verabschiedet uns noch einmal - nicht richtig, nicht laut, so halb hineingemurmelt ins Nirgendwo. Jetzt fehlt nur noch, dass uns von den Plakatwänden der Republik bald auch "Heinz" grüßt - mit zwei Fingern vor dem Auge.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

Von Bernd Gäbler
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
gsc777 (14.01.2009, 09:52 Uhr)
Immer noch besser...
....als die "Tränen" in der ARD.
Das was im Ersten als Nachrichtenmannschaft geboten wird, ist Valium pur. Der Schlimmste ist der sog. "Chefsprecher" Hofer. Wenn er wenigstens Prompter lesen könnte, aber nein - er liest wie annodunnemal vom Papier ab. Ohne mal den Blick zu heben.
Also eine verliebte Gundula ist mir lieber als manche ARD-Tussi.
clavacs (13.01.2009, 12:50 Uhr)
Herr Gäbler,
wie können Sie nur, alles was sie da so kritisieren git natürlich dem Gespenst, nämlich mir.
Wie ich doch Nachrichten zum Besseren verändere, finde ich doch sool was Claus da so ankündigt, ab Sommer wird dann alles anders - mal sehen!
clavacs
Josef2 (13.01.2009, 12:26 Uhr)
Aber, aber...
... Leute, was erwartet ihr denn. Wer sich mit Stern.TV im RTL verpeinlicht - warum Jauch das moderiert ahne ich noch nicht mal - läßt sich natürlich nicht über Klöppel/Elfes aus. Da kann die Nachrichten?-Sendung noch so boulvarisiert sein. Wes Brot ich ess...
friendly2004 (13.01.2009, 11:40 Uhr)
Eindeutig
Das Grand der Leser/Poster wundert sich über die Kritik. Die ist wirklich unangebracht.
Und selbst die "konservative Tagesschau" wird durch Menschen wie Tom Buhrow endlich wieder etwas ansehlicher. Warum soll alles schlecht sein, was "neu" bzw. modern ist? Deutschland, das Land der Langweiligen... Soll das so bleiben?
deinemama (13.01.2009, 08:58 Uhr)
Selbst...
...wenn das ZDF sich mit Thomas G. und Claus K. enorm Mühe gibt - so schlecht wie RTL kann's gar nicht werden. Aber RTL erhält natürlich reichlich Lob vom Stern, dem Wahrer des hohen Nachrichten-NieWos....
Gallagher (13.01.2009, 08:34 Uhr)
Entscheidend ist...
...dass die Moderatoren ihre Aufgabe erfüllen und die Nachrichten "rüberbringen". Dass machen die Leute des ZDF in meinen Augen ausgezeichnet. Die Kritik an ihnen ist nicht angebracht. Dass sie etwas lockerer moderieren als ihre Vorgänger vor einigen Jahren oder gar Jahrzehnten ist eine Entwicklung die ich sogar erwarte. Einen Moderator möchte ich noch erwähnen, der derart schlagfertig und gescheit ist und deshalb künftig bestimmt noch mehr ins Rampenlicht tritt als bisher. Es handelt sich um den Morgenmagazin Moderator Christian Sievers.
coldfire30 (13.01.2009, 08:23 Uhr)
Vielfältiges Nachrichtenangebot
Also wenn man sich im deutschen Fernsehen um irgendwas keine Sorgen machen muss, dann sind es doch die Nachrichtensendungen. Von der stocksteifen Tageschau über das etwas aufgelockerte heute-journal (warum der Autor ein Problem damit hat erschließt sich mir nicht) bis hin zu RTL 2 wo die neuesten "Nachrichten" zu Paris Hilton an zweiter Stelle der 20 Uhr Nachrichten auftauchen, ist für jeden Geschmack und Bildungsgrad etwas im Angebot.
dieterschultz (13.01.2009, 00:18 Uhr)
Nichts gelernt...
Was für ein schwachsinniger Kommentar! Wäre der Herr doch nur bei Schreinemakers geblieben.....dann hätte er uns wenigstens diesen Blödsinn erspart. Bekommt er etwa Geld dafür???
mario1977 (12.01.2009, 22:25 Uhr)
Mir kommen die Tränen ...
... noch ein Reich-Ranitzky, der mit Volldampf in die gute alte Zeit zurück will. Und das lachhafterweise noch in der durchamerikanisierten Brigitte für den Mann, dem Stern. Meine Güte, lange nicht mehr so gelacht!!!
DerExperte (12.01.2009, 20:07 Uhr)
Ach der Kerl...
Der Mann ist in sich selbst verliebt und ist ein Blender. Toll fuers TV!
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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