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4. Dezember 2007, 09:54 Uhr

Oli.P - Prototyp des IMM

Erst spielte er in einer Serie mit, dann sang er - jetzt ist er einfach im Fernsehen überall dabei. Der Traum vieler junger Menschen lautet: "Irgendwas mit Medien" - Oli P. hat aus IMM einen Beruf gemacht. Von Bernd Gäbler

Der IMM schreibt Autogramme: Oli P. und seine Fans© Berthold Stadler/DDP

Flugzeuge im Bauch

Oli P. ist auf dem Weg der Besserung. Oli P. hatte sich verletzt. Im Training zum Turmspringen erlitt Oli P. eine so starke Leistenverletzung, dass er nicht antreten konnte. Nur darum fehlte Oli P. als Stefan Raab auf Pro Sieben einmal wieder einen ganzen Abend füllte - diesmal eben mit Wasserspringen. Im Fernsehen gibt es zahlreiche Mitmach- und Panelshows - fast immer ist Oli P. mit von der Partie. Das ist der Beruf des am 10. August 1978 in Berlin geborenen Oliver Alexander Reinhard Petszokat: im Fernsehen dabei zu sein. Er tut, was das Fernsehen von ihm erwartet. Auf seiner Homepage heisst es bescheiden: "Als Oli P. wurde Oliver Petszokat zum Superstar."

Nun ja. Vor dem Wasserspringen war er mit von der Partie beim "Promi-Pilgern" (Pro 7), beim "Promi - ärger Dich nicht" (Sat.1) und im November 2006 gewann er die Pro 7 Eistanz-Show "Stars auf dem Eis". Ob als Juror beim ZDF-Casting "Deutsche Stimme", strippend bei "Extreme Activity" (Pro 7) oder im "Karaoke Showdown" (RTL) - Oli P. kommt, wenn das Fernsehen ihn ruft, um Programmfläche zu füllen. Er moderierte schon "Popstars", "The Dome" und allerlei rund um "Big Brother". Gemeinsam mit Oliver Pocher hat er mehrere Folgen eines "Gameshow Marathon" aufgezeichnet, die gelegentlich unbemerkt versendet werden. Es ist kaum nachzuhalten, ob er gerade beim "Promi-Biathlon", "Star-Leichtathletik" oder "Promi-Minigolf" mitspielt.

Sicher ist nur: alles begann, als es ihm gelang, von einer RTL 2-Soap ins Team von "GZSZ" aufzusteigen. Wenig später reüssierte er mit einem eigentümlichem Sprechgesang. Herbert Grönemeyer erlaubte eine Coverversion von "Flugzeuge im Bauch", was die weitgehend unbekannt gebliebene junge Sängerin Tina Frank ganz ordentlich bewältigte. Oliver Petszokat sprach dazu ein paar Zeilen und verkauft wurde dies als deutscher Rap. Das war der Durchbruch. Sechs Jahre später schaffte er es noch einmal in die Charts - mit einer Coverversion von Peter Maffays "So bist Du". Versucht hat er auch Eigenes.

So bist Du

Mit siebzehn Jahren war Oliver Petszokat Deutscher Meister im Turniertanz. Das hat er richtig gelernt. Seit seinem neunzehnten Lebensjahr hält er sich nun im Fernsehen auf. Vor der Zeit der Flachbildschirme dachten besonders Kinder gelegentlich, die kleinen Männchen würden in dem Kasten wohnen. Bei Oli P. liegt die Annahme nahe. Würde man das Fernsehen nicht kennen, könnte man meinen, Oli P. sei ein Alleskönner. Aber: wer im Fernsehen ständig "on air" ist, muss lernen, dass dieser Aufenthaltsort kein Ausbildungsbetrieb ist. Oli P. moderiert, schauspielert, erzählt Witze - ein Voranschreiten ist dabei nicht erkennbar.

Oli P. macht es stets so, wie er glaubt, dass man es im Fernsehen machen müsse. In lustigen Sendungen lacht er viel; bei "Big Brother" fragt er nach Befindlichkeiten; für "The Dome" brüllt er die Namen der Auftretenden heraus, damit es nur ja viel Beifall gibt. Wenn physischer Einsatz gefragt ist, nimmt er das ernst. So ernst, dass er ein Verletzungsrisiko in Kauf nimmt. Verlässlich erfüllt er die Erwartungen - wie eine fleischgewordene Cover-Version. Es kann sein, dass sein Liedtitel "Beim ersten Mal tat es noch weh" auch für sein TV-Engagement gilt. Aber er scheint sich ein- und abgefunden zu haben. Auf unbefangene Zuschauer macht er einen ganz glücklichen Eindruck. Aus dem, was er kann und nicht kann, scheint er das Beste gemacht zu haben. Oli P. ist zwar kein Superstar geworden, aber ein echter "Promi".

Niemals mehr

"Promi" markiert nicht unbedingt den Grad der Berühmtheit, sondern einen bestimmten Status. Nicht zufällig wird die Verkleinerungsform von "prominent" verwendet, denn der "Promi" hat sich von jeder spezifischen Kompetenz abgekoppelt. Der "Promi" muss nur da sein. Er muss sich nur bereit halten zur medialen Vervielfältigung. Im Falle vorhandenen "Renommees" gibt es hohes Ansehen, aber kein Geld. Auf den "Promi" trifft das Gegenteil zu.

Auch wenn "Können" natürlich besser wäre, kann man als "Promi" ganz gut durchkommen. Vielleicht nicht ewig, vielleicht nicht bis ins hohe Alter - aber für welchen Beruf gilt das schon? Oliver Petszokat braucht weder ALG I noch ALG II. Früher war so ein "Hans Dampf in allen Gassen" ein unsicherer Kantonist, heute wird ein "Promi" wie Oli P. im Fernsehen ständig gebraucht. Es ist eine Leistung, dieses Bedürfnis zielgenau zu bedienen. Nimmt man "Oli P." als Prototypen, so ist er eine feste Größe im modernen Mediensystem.

Als Oli P. hat es Oliver Petszokat geschafft, aus den Angeboten des vielfältigen Medienmarktes aus eigener Kraft einen festen Beruf zu kreieren. Wünschen wir ihm baldige Genesung.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei VOX ("Sports-TV"), bei SAT.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

Von Bernd Gäbler
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
faustjucken_de (04.12.2007, 13:22 Uhr)
Ignorieren tät gut
So gibt es wieder einen Artikel über einen Deppen mehr in dieser Welt.
Zum Glück habe ich nur zwei Absätze gelesen.
Für solche Gurken gilt: Any news are good new.
In diesem Sinne: Mahlzeit
hevosenkuva (04.12.2007, 12:57 Uhr)
P.
steht für Peinlich.
kravo (04.12.2007, 10:55 Uhr)
Wundert es jemanden...
...wenn im Zusammenhang mit Fernsehshows immer öfter die Begriffe "hohl", "Mist" oder gar "Volksverdummung" fallen? Und wer ist das Volk, welches sich da gerade selbst verdummt bzw. verdummen lässt? Wer braucht die ganzen B- und C-Promis, die nichts können außer endlose Peinlichkeiten über sich ergehen zu lassen?
Mein Tipp:
Abschalten.
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