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7. August 2007, 17:31 Uhr

Paarung von Medienmonster und Geldsack

Heute Abend geben sich die türkischstämmige Allround-Moderatorin Gülcan Karahanci und der millionenschwere Back-Erbe Sebastian Kamps vor laufenden Kameras das Jawort. Wie hier "Traumhochzeit" und "romantische Liebe" inszeniert werden, kann man nur mit erschüttertem Staunen registrieren. Von Bernd Gäbler

Zoom

Gülcan Karahanci und ihr Freund Sebastian Kamps geben sich heute Abend live auf ProSieben das Ja-Wort© Jörg Carstensen/DPA

Das Prinzip Gülcan. Gülcan ist ganz offen. Sie hat einen Haufen Klamotten und unglaublich viele güldene Blech-Armreifen. Sie mag Glitzer, Herzchen und hat kein Geheimnis. Sie redet über alles, sogar dass sie sich die Haare färbt, aber auch über Hochzeitskleider, Unterwäsche, BHs oder ihre Angst vorm Fliegen. Sie redet immerzu. Ihr ist nicht einmal peinlich, dass sie ihre Schoßhündchen dressieren will, die Trauringe zum Altar zu bringen. Sie hat ein Fest-Komitee gegründet, da wird laufend Prosecco getrunken. Sie umarmt alle. Sie will alle einbeziehen. Darum nennt sie ihre "Schwiegermutter" schon bald "Schweigertussi". Das signalisiert Nähe und soll witzig sein.

Sogar die türkische Mama wird mitgezerrt zum Abschiedsabend als Junggesellin. Dafür wurde eine Bar komplett gemietet, ebenso die "Chippendales", ein Trupp gut gebauter Männer, der durch eine Art Soft-Striptease Hausfrauen zum Kreischen bringt. Die "Chippendales" umtanzen auch die türkische Mama. Der besten Freundin, Collien Fernandes, auch eine aus dem Fernsehen, fällt immerhin auf, dass das unangemessen sein könnte. Gülcan redet immerzu, aber sie hat noch keinen Satz von Bedeutung ausgesprochen. Alles ist gleich wichtig.

Wenn Sebastian ihr die Augen verbindet, um sie zu überraschen, sagt sie: "Das ist wie bei Gottschalk." Fast alle Vergleiche nimmt sie aus dem Fernsehen. In der modisch eingerichteten lichten Wohnung gibt es keine Bücherwand, aber einen riesigen Flat-Screen. Wenn sie sagen will, wie sehr sie ihren Freund liebt, erklärt sie, dass sie ihn nicht einmal gegen die Chippendales (also die physisch gut gebauten Stripper) tauschen würde. Sie ist extrovertiert und die Wörter fallen ihr nur so aus dem Mund. Sie produziert ein ständiges kommunikatives Rauschen ohne spezifisches Gewicht. Vielleicht - und das wäre zu hoffen - gibt es ja hinter der Fassade, die wir als Zuschauer sehen, ein ganz anderes Individuum. Wie sie sich uns aber darbietet, ist sie zwar etwas schrill und schräg, aber letztlich nichts als die Inkarnation von Äußerlichkeit und sinnfreier Informationsflut. Gülcan verkörpert das Prinzip Fernsehen.

Das Prinzip Kamps. Sebastian Kamps dagegen, der künftige Ehemann, scheint weniger engagiert mitzuspielen. Er sagt nur selten etwas. Ist sie der Wirbelwind, so präsentiert er sich als bräsiger Abhänger mit gelegentlichen Macho-Allüren. Wäre diese Behäbigkeit ein latenter Protest gegen die Allgegenwart der Kameras, könnte er aus dieser Haltung sogar etwas Sympathie schlagen. Tatsächlich aber spielt er apathisch-arrogant mit, wendet sich mit brav gelernten Sprüchlein an das Publikum. Was er Besonderes hat, worin Talent, Kreativität oder Individualität bestehen sollen, bleibt verborgen. Damit auch jeder Grund der Liebe. Er kann nichts richtig, erst recht nichts sagen. Wenn er seine Liebe dokumentieren will, sagt er ganz oft "Schatz", malt Herzchen, vor allem aber kauft er ihr etwas.

Nur ein einziges Mal hat er einen Satz gesagt, den man als authentisch empfinden konnte. Sogleich wurde er zigmal kolportiert. Nach einem kleinen Streit stürmte er aus dem Haus, zog die Tür hinter sich zu, nicht ohne ihr verärgert zuzurufen: "Lackier' dir die Nägel." Um seine Liebe zu zeigen, mäht er ein Herz ins Kornfeld und lässt sie es dann per Helikopterflug bestaunen. Er lässt ihr einen teuren, türkis-farbenen Schminktisch mit vielen bunten Lämpchen schreinern. Wenn er etwas tut, hat er dafür eigentlich immer Bedienstete oder Helfer, die die eigentliche Arbeit machen. Er ist etwas tapsig und will vor der Hochzeit noch abnehmen. Also engagiert er einen "Personal Trainer". Auf dem Rückweg vom Schreiner schaut er noch mal eben beim Autohändler vorbei. Für sich selbst will er noch rasch einen Sportwagen anschaffen - gerne einen Lamborghini für rund 260.000 Euro. Er kann sich aber noch nicht entscheiden, macht erst mal eine Probefahrt. Das ist das einzig sichtbare, worüber der Spross des Brötchen-Imperiums sicher verfügt: Geld.

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KOMMENTARE (10 von 34)
 
Schaengel (10.08.2007, 11:42 Uhr)
Traumhochzeit
Ich finde es eine frechheit wie die leute in diesem Forum über die Hochzeit von Gülcan und ihrem Mann herziehen!
Also erstens das kleid von Gülcan war super sexy und edel und ich bin mir sicher das sich jede Frau über so ein Brautkleid freuen würde wenn sie es sich leisten könnte! und ihre Männer erst recht!
und zweitens ich fand es war ne Traumhochzeit! die Location in Travemünde war super!
klar gibt es Leute denen es wirklich nicht gefallen hat aber bei den meisten Spricht der blancke neid!
Emir (08.08.2007, 11:23 Uhr)
Pimkie od. Orsay???
Jau, sie hat es endlich geschafft den Millionen-Erben zu heiraten. Thank God. Und wir bleiben endlich von dieser wöchentlichen Freak-Show verschont. Dieses Kleid, mein Gott, genau so habe ich es mir vorgestellt, einfach nur billig "Made by Pimkie oder Orsay" Hahahahah. Stil kann man eben nicht kaufen. Na ja egal, wünsche den beiden trotzdem viel Glück und dem Typ gute Nerven.
A.Dzaak (08.08.2007, 06:31 Uhr)
Das Ende!
Mit dieser Sendung hat sich Pro7 eindeutig ins Abseits gestellt. Das ist und bleibt TRASH! Sorry, Pro7, voll daneben!!
Twipsy (07.08.2007, 16:49 Uhr)
@anemone
Aber bitte...wer in den Medien auftritt, und vor allem in dieser Form, muß doch vera... werden; nein, er bittet geradezu darum!! Raab und Schmidt sind sicherlich schon dabei. Ich freue mich schon auf Kalkofe, der hoffentlich wieder seine Mattscheibe produziert. "...Während die Kamps-Eltern wahrscheinlich am Entwurf des ersten offiziellen Gülcan-Brötchens "Schalldämpfer" arbeiten, exakt in der Größe ihres Mundes, um sie wenigstens ab und zu mal ruhigstellen zu können". So gehört sich das, immer feste druff auf den geschminkten Brüllaffen! Keine Gnade.
kralli19 (07.08.2007, 16:40 Uhr)
Armes Gülcan...
Sie ist halt nicht gerade ein Aushängeschild....zum Glück gibts ja junge Moderatorinnen wie Nazan Eckes, die einen eleganten und intelligenten Gegenpol bilden.
Aber was das Fernsehprogramm an sich betrifft: Zum Glück ist das Programmangebot z.Zt. dermaßen miserabel, das wir die Glotze immer öfter aus lassen, um Musik zu hören o.ä.
"Ich renoviere.." - "Wir helfen.." - "Wir wandern aus" - "Mein Hamster und ich"...usw. Absoluter Tiefpunkt.
Naja, geplante Volksverdummung halt, ein gebildetes Volk stellt halt eine Gefahr für die herrschende Kaste dar.
Anemone (07.08.2007, 16:34 Uhr)
Monster?
Diese Leute interessieren mich absolut nicht! Aber zwei Menschen als Medien-Monster und Geldsack zu bezeichnen, übertrifft alle Dummheit! Wenn Journalismus in Spott und Bosheit gegen Menschen ausartet, ist es tragisch.
Twipsy (07.08.2007, 16:02 Uhr)
Pro7Sat1
In der Serie Southpark gibt es eine Folge, in der die Hypothese ausfestellt wird, daß in dem Moment wenn jemand stirbt, noch einmal eine komplette Darmentleerung stattfindet. Vermutlich sind wir gerade Zeuge des Ablebends von dieser Media AG. Oder kommt es etwa noch schlimmer?
sternchen2007 (07.08.2007, 15:50 Uhr)
@Spinnenfrau
Alles richtig, was Du schreibst, aber:
Auch hier nicht im Sinne von "frei von Geist" sondern
"ein freier Geist", was doch ein beträchtlicher Unterschied ist!
Mir gefällt die Sendung übrigens sehr gut, eben weil man da seinen Geist wirklich nicht anstrengen muss, sondern sich berieseln lassen kann - nach anstrengenden Tagen genau das Richtige! Ich sehe da kaum einen Unterschied zu stern.de oder sternTV, die ja auch alles so aufbereiten, dass es nur noch konsumiert werden muss - Gehirn benötigt man für diese Seiten oder Sendungen wirklich nicht mehr! Höchstens noch einen Restlappen, der aktiviert wird, um sich schön aufzuregen und dann doch wieder nichts zu tun - z.B. der Tochter den eigenen Fernseher mal wegnehmen...
Vincent_Vega (07.08.2007, 15:43 Uhr)
Warum so viele Beiträge über ein flaches Thema?
Ist die Frage nicht berechtigt?
Der Autor weiß, dass es ein flaches Thema ist, aber er muß anscheinend über irgendwas schreiben, sonst kann er keine Brötchen mehr bei KAMPS kaufen.
Aber wieso soviele Kommentare? Anscheinend begeistert das Thema doch irgendwie und selbst wenn es der Reiz am Ekel ist.
Ich würde mir das nur anschauen, wenn die optisch hübsche Quasselstrippe sich mal ungeschminkt ausziehen würde. Ich weiß-pfui, wie sexistisch - aber soll einen erwachsenen Mann sonst an dieser Frau reizen.
Lammbock (07.08.2007, 15:38 Uhr)
Komisch, Komisch!
Ich lese bei solchen Artikeln immer wieder, wie sich alle über die Sinnfreiheit des beschriebenen Themas beschweren. Anscheinend seid Ihr es auch, die sich diese Sendungen anschauen, um Euch gleichzeit darüber aufzuregen, warum so etwas gesendet wird (und seid gleichzeitig selbst der Grund dafür, weil Ihr so die Einschaltquoten hochtreibt). Genau das ist doch das Erfolgsrezept solcher Formate, was auch hier wieder bestens funktioniert. Warum denn überhaupt damit auseinandersetzen? Einfach ignorieren ist da meine Devise. So hab ich auch schon die Kelly Family, die Backstreet Boys, Tamagotschis und Pokemons überstanden. Und mit Sicherhait auch bald diese beiden Kasperköpfe.
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