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12. Juni 2008, 15:30 Uhr

Was dürfen ARD und ZDF im Internet?

Ein erster Kompromiss in Sachen Rundfunkänderungsstaatsvertrag ist erzielt. Jetzt muss Brüssel entscheiden. Doch was bedeutet es für den Konsumenten, dass ARD und ZDF im Internet nicht uneingeschränkt publizieren dürfen? Von Bernd Gäbler

Der Arbeitsentwurf sieht vor, dass ARD und ZDF online "sendungsbezogen" berichten und sich im Bereich Unterhaltung zurückhalten sollen© Lukas Barth/DPA

Die Ausgangslage

Undankbar war und ist die Aufgabe der Ministerpräsidenten. Das Internet ist grenzenlos. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk dagegen hat in der Gesellschaft den Auftrag der "Grundversorgung". Beides sollen die 16 Ministerpräsidenten nun zusammenbringen, denn Medienpolitik ist - wie die Polizei oder die Schule - Ländersache. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk - gemeint sind jeweils Fernsehen und Hörfunk - hat "staatsfern" zu sein, ist aber gleichwohl der Gesellschaft verantwortlich. Während die Presse rein marktwirtschaftlich funktioniert, stützt die Gebühr diesen Auftrag. Die Gebühr ist zwar so etwas ähnliches, aber doch keine Steuer, also auch keine "staatliche Beihilfe", auch wenn die EU dies bisweilen so sieht. Immerhin fließen den öffentlich-rechtlichen Anstalten inzwischen etwa 7,3 Milliarden Euro per anno zu. Sie haben die Gebühren reichlich für Expansionen aller Art genutzt. Das Internet, so argumentieren sie, ist nicht einfach ein neues, zusätzliches Medium, sondern eins, das mit seiner Kombination von Text, Bild, Bewegtbild und Ton die bisherigen umfasst.

"Fußfesseln" und "Zensur"

Wer diesen technischen Weg zum Speichern und Verbreiten seiner Inhalte nicht voll nutzen dürfe, so argumentierten die Vertreter von ARD und ZDF bis zum letzten Tag immer energischer im Verein mit Gewerkschaften, Verbraucher- und Journalistenverbänden, dem würden "Fußfesseln angelegt", der werde abgeschnitten von der Zukunft und der Jugend. Sogar von "Zensur" und "Morgenthau-Plänen" war polemisch die Rede. Bisher durften ARD und ZDF "programmbegleitende" Inhalte ins Internet stellen und dafür nur die begrenzte Summe von 0,75 Prozent der Gebühren ausgeben. Unter der Hand hatten sie aber ganz gehörig expandiert. Wie die Internet-Kosten von anderen redaktionellen Kosten abzugrenzen und welche technischen Kosten einzubeziehen seien, war dabei umstritten.

Wie die Betroffenen empfindet auch die gegnerische Front, bestehend vor allem aus Verlagen und Unternehmen der IT-Branche, die Entscheidung als zukunftsweisend und weichenstellend. Noch ist keineswegs klar, wie die Internet-Kommunikation der Zukunft aussehen wird. Wie genau und in welchem Umfang mit dem Internet Geld zu verdienen ist, zeichnet sich allenfalls in Konturen ab. Viele Investitionen sind auf Hoffnung gebaut. Kaum machen sich die Verleger von Zeitschriften und Zeitungen daran, dass Internet in größerer Dimension für die eigene Kommunikation zu nutzen, spezifische Formen zu entwickeln, etwa Textangebote mit Bewegtbildern anzureichern, stoßen sie auf einen Wettbewerber, der alles das bis hin zu potentiellen "elektronischen Zeitungen" auch anbietet, allerdings schon von der Öffentlichkeit finanziert ist. Dies raubt ihnen den Atem und den Schlaf; sie reden von "Wettbewerbsverzerrung" und haben es insbesondere als Provokation gegen eigene Angebote (egal, ob stern.de, spiegel-online, faz.net oder sueddeutsche.de) verstanden, als der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Chef Kurt Beck, von den öffentlich-rechtlichen Angeboten als "Inseln der Qualität" sprach.

Eine gesetzliche Neuregelung ist notwendig

Im Kern ist die Ausgangslage eine erbitterte Frontstellung in einem Verteilungskampf, den beide Seiten als für ihre eigenen Anliegen existentiell empfinden. Um nichts Geringeres als eine "Neufassung des Grundgesetzes der öffentlich-rechtlichen Medien" handele es sich jetzt, meinte auch der amtierende hessische Ministerpräsident Roland Koch. Eine gesetzliche Neuregelung ist notwendig, weil auch die EU-Kommission aus Brüssel Druck macht. Sie hat besonders den Wettbewerb im Blick. Durch die Gebühren werde er verzerrt. Der Auftrag an die öffentlich-rechtlichen Sender müsse generell trennschärfer definiert werden, ihr Aktionsradius im Internet eingehegt werden, der "public value", also der Wert für die Öffentlichkeit von neuen Angeboten getestet und nachgewiesen werden. Die Ministerpräsidenten, denen eine gewisse Affinität zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten nachgesagt wird, weil sie sich dort gut vorkommen, mussten zwischen diesen Interessen abwägen und einen Weg zu einer neuen Balance finden, ohne einfach nur zwischen allen Pendelschlägen einen Mittelweg zu bestimmen.

Lesen Sie auf Seite 2: Die Ergebnisse

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags – das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

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KOMMENTARE (6 von 6)
 
cologne237 (13.06.2008, 09:24 Uhr)
Selbstgefällig
Anders kann man die Berichterstattung zu diesem Thema bei ARD und ZDF nicht nennen. Wenn alle Gebührenzahler die Einzugsermächtigung 2 x verweigern und nur schleppend überweisen würden, wäre dies ein schönes Zeichen gegen Gebührenwillkür.
Watschdog39 (13.06.2008, 07:04 Uhr)
Hier geht es einfach um ein Stück Freiheit.
Ich will selber entscheiden, ob ich die Seite eines Anbieters benutze und dafür zahlen will.
Wenn ZDF und ARD eine Seite ins Netz stellen so ist das deren Sache. Und wenn sie diese Seite kostenpflichtig machen wollen so sollen sie es tun wie es jeder andere Anbieter es auch macht. (Pornoseiten, Wirtschaft, Music ect)
Sendungen der öffentlichen sind für Deutschland, also regional, bestimmt.
(oder zahlen wir, damit die ganze Welt davon profitiert?)
Es sollte auch in Deutschland nach dem Vorbild der Pay-TV abgerechnet werden.
Abgehalfterte Politiker und "Intellektuelle" würden sich andere Altersversorgungen suchen müssen.
Crossbow (13.06.2008, 07:03 Uhr)
Wo finde ich dennn...
...Inhalte so konzentriert wie bei ARD und ZDF, z.B. in der ZDF-Mediathek? Soll ich jeden Fitzel auf einer unterschiedlichen Seite suchen und möglichst noch mal zahlen? Die öffentlich/rechtlichen sind die natürliche Quelle dafür. Alles andere ist Regelungswut zu Lasten der Informations-Nachfrager, also uns allen.
horst.pachulke (13.06.2008, 01:41 Uhr)
Wenn Sie den größten Arbeitsplatzvernichter weltweit angreifen wollen...
... reiten Sie am Besten gegen die Marktwirtschaft und ihre halluzinirenden Verfechter zu Felde.
Wundern Sie sich allerdings nicht, wenn Sie sich vorkommen wie Don Quichote. Dieser Irrsinn, der Leute befällt, die bis dato unauffällig waren und plötzlich sowohl allen Segen in den Märkten verorten als auch sämtliche Schuld dorthin schieben, verbreitet sich mit rasender Geschwindigkeit. Wie jeder Sektenglauben frisst er den gesunden Menschenverstand der Betroffenen gänzlich auf. So behaupen diese z.B. allen Ernstes, es seien "Märkte", die produzieren würden und nicht Menschen. Ebenso seien "Märkte" für Preise verantwortlich.
Stellen Sie sich nur den Menschen vor, der sagen würde: "Dieser Preis wurde mir vom Großen Manitou dikiteirtt" Man würde ihn zu Recht zu Überprüfung des Geisteszustandes beobachten. Sagen Sie jedoch "Dieser Preis wurde mir vom Markt diktiert" ernten Sie allenthalben Schulterklopfen...
Wo doch jedes Kind weiß, dass Waren von Menschen hergestellt werden - und Preise nach Machtposition gemacht werden. Wer den Dickeren hat, dessen Preis ist realistischer. So einfach ist das.
warumdennnicht (12.06.2008, 21:15 Uhr)
Die Öffentlich Rechtlichen vernichten Tausende von Arbeitsplätzen,
bedrohen ebenso viele Existenzen von Freiberuflern und dürfen von den Menschen, denen sie den beruflichen Boden unter den Füßen wegziehen, auch noch ihre Zwangsgebühren verlangen. Was hier unter dem Deckmantel der Grundversorgung abläuft, was einen aufgeblähten, mehr als üppig bezahlten Moloch in Gang hält, spottet jedem Wettbewerbs- und Arbeitsrecht.
Ja zu gutem Journalismus. Nein, nein und nochmals nein zu einem die Verlage, Autoren und ehrlichen Künstler auffressenden Konzern, der alles vernichtet und dank Zwangsgebühren niederwalzt, was sich als Schreiber und Verleger eine eigene Existenz aufgebaut hat.
hannes_schinder (12.06.2008, 20:02 Uhr)
Gebühren
Im Grunde sollte Jeder seinen WLAN frei Zugänglich machen, pro Haus oder Siedlung könnte man sich zusammentun, so könnte man schon mal einige Kosten fürs Internet sparen.
Freie Information für freie Bürger!!!
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