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9. Januar 2007, 19:00 Uhr

Wo meine Sonne scheint

Holtzbrinck hat die Internet-Gemeinde StudiVZ gekauft. Vorher ging schon Youtube an Google und MySpace an Murdoch. Da sollte man hinschauen. Wahrscheinlich entsteht in Murdochs Reich aus Myspace und dem Boulevardblatt "The Sun" die Zeitung von morgen. Von Bernd Gäbler

Wir befinden uns wieder einmal in einer Phase, in der Garagenfirmen für gutes Geld bei großen traditionellen Medienunternehmen Unterschlupf finden© Axel Schmidt/DDP

"Wo meine Sonne scheint", so sang einst Caterina Valente und es hat Reiche gegeben, in denen die Sonne nicht untergeht. Ein Medienreich, in dem die - in diesen Fall allerdings recht spät erworbene Sonne - eine große Rolle spielt, ist Rupert Murdochs News Corporation. "The Sun" ist eines der aggressivsten Blätter inmitten der dort ohnehin nicht zimperlichen Boulevardlandschaft. Und "MySpace", das Rupert Murdoch zugekauft hat, ist nach "Youtube" eine der beliebtesten Einrichtungen des "Web 2.0". Was kommt da auf uns zu?

Spätestens seit die studentische Internet-Gemeinde StudiVZ hierzulande vom Medienkonzern Holtzbrinck aufgekauft wurde, ist die allgemeine Tendenz klar: Wir befinden uns wieder einmal in einer Phase, in der Garagenfirmen für gutes Geld bei großen traditionellen Medienunternehmen Unterschlupf finden. Aber diesmal wird ernst gemacht. Die Publizistik wird umgebaut. Elemente der Netz-Kommunikation werden in die klassischen Publikationen eingebaut, mit diesen verwoben oder eben - "vernetzt".

Hinter den Kulissen wird repariert

Was in den Jahren von 2000 bis etwa 2002 noch als vorübergehende Mode, als in sich zusammensackender Schaum von ein paar Avantgardisten und Jägern des schnellen Geldes abgetan werden konnte, ist nun zu einer Säule der künftigen Selbstbehauptung im Wettbewerb der Medien mutiert. Hinter den Kulissen, teilweise auch auf offener Bühne wird nun repariert, umgestellt, aufgebaut.

"Spiegel Online" erweitert die Redaktion, verstärkt die ohnehin vorhandene Facette des Boulevardesken durch gezielte Redakteurs-Übernahmen aus der "Bild"-Zeitung und erhöhte die Anzahl der Videoclip-Fenster. Matthias Matusseks Hosenträger-Show, genannt Kulturtipp, wird nicht alleine bleiben. Insbesondere die Nachrichten werden weiter visualisiert. Fast scheint es als könne auf Dauer "Spiegel-TV" zu einer Unterabteilung von "Spiegel Online" werden.

Bloggerin betreut Online-Auftritt der WAZ

Für die WAZ-Gruppe zimmert die strenge Tochter unseres früheren Landwirtschaftsministers und mit "Lyssas Lounge" Bloggerin der ersten Stunde, Katharina Borchert, an einem das gesamte Ruhrgebiet umfassenden Netzauftritt. Lokal-Redakteure werden umgeschult: kein kaputter Kanaldeckel, keine Rathaus-Sauerei, kein lokales Kulturereignis, kein Service soll der WAZ-Site entgehen.

Beim Axel-Springer-Verlag wird der Mythos des zentralen News-Desks genährt. Von hier aus werden in größter Geschwindigkeit alle wichtigen Blätter mit den neuesten Neuigkeiten versorgt. "Online First" heißt der Schlachtruf, der inzwischen auch in München den Machern der "Süddeutschen Zeitung" elegant von den Lippen geht. Mit dem bisher für die Medienberichterstattung verantwortlichen Hans-Jürgen Jakobs ist die Online-Gestaltung in die Hände eines erfahrenen Redakteurs gelegt worden. Dies sind nur die markantesten Beispiele. Noch ist nicht klar, was kommen und vor allem auch bleiben wird, was außer "Online First" alles andere überstrahlt.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei VOX ("Sports-TV"), bei SAT.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

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