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Ken-Follett-Epos über die Macht der Herkunft

Mit vielen Stars und großem Etat hat Grimme-Preisträger Christian Schwochow Ken Folletts Roman "Die Pfeiler der Macht" in Szene gesetzt. Es locken dramatische Gefühle und üppig-viktorianische Ausstattung. 

Pfeiler der Macht

Edward Pilaster (Daniel Strässer), Joseph Pilaster (Thorsten Merten), Seth Pilaster (Rolf Hoppe), Samuel Pilaster (Axel Milberg) und Hugh Pilaster (Dominic Thorburn, v.l.) sind die Hauptpersonen in dem ZDF-Zweiteiler "Die Pfeiler der Macht"

In Englands viktorianischem Zeitalter zwischen 1837 und 1901 konnte man hoch aufsteigen und tief fallen. Es war eine beginnende Moderne mit Industrialisierung, Gaslicht und Großstadtleben, zugleich noch traditionelle Klassengesellschaft, in der Geburtsstatus und strikte Moral dem Einzelnen enge Grenzen setzten. Kurzum: eine Welt wie geschaffen, um darin in süffigen Buch- und Filmstorys zu schwelgen. Das gelang dem britischen Autor Ken Follett 1994 in seinem internationalen Romanbestseller "Die Pfeiler der Macht" - einem handfesten Sitten-Schinken, gespickt mit Liebe, Sex und Tod, Geld, Einfluss und bitterer Armut.

Bei neunjähriger Vorbereitung und mit Acht-Millionen-Euro-Etat hat das ZDF in Irland einen Zweiteiler gedreht, der das Geschehen um die Londoner Bankiersdynastie Pilaster im ZDF-Zweiteiler an diesem Montag und Mittwoch (jeweils 20.15 Uhr) in üppig-stimmungsvolle TV-Bilder übersetzt. Nach dem Drehbuch Annette Simons inszenierte Grimme-Preisträger Christian Schwochow ("Der Turm") das teils hochkarätig besetzte Werk, auf das die Verantwortlichen stolz sind.

"Pfeiler der Macht" mit deutschen Stars

"Es ging uns darum, Folletts Themen bei der Metaebene zu packen - und zu fragen, inwieweit unsere Herkunft über unseren Lebensweg und unsere Lebensleistung entscheidet", sagt Redaktionsleiterin Heike Hempel. Und erklärte, dass die Produktion von Constantin Television und Network Movie in Zusammenarbeit mit ZDF und Octagon Films "in der Liga moderner amerikanischer Serienproduktionen" mitspiele.

Neben Stars wie Jeanette Hain, Axel Milberg, Yvonne Catterfeld, Rolf Hoppe, Stephanie Stumph und David Bennent verkörpern der Brite Dominic Thorburn (Kenneth Branaghs "Macbeth") und die Niederländerin Laura de Boer ("Immer wieder anders") das im Mittelpunkt stehende so ungleiche wie attraktive Liebespaar im Taumel der Jahrzehnte. Hugh Pilaster, dessen Vater sich nach seiner Firmeninsolvenz umgebracht hat und der als geduldeter Außenseiter im Geldinstitut seiner Familie arbeiten darf, verliebt sich jung in die Arbeiterin und Prostituierte Maisie. Deren Erzeuger hat nach dem Bankrott seine Stelle verloren und ist nach Amerika ausgewandert. Dorthin zieht es später auch Hugh, nachdem er für eine Verbindung mit der lebenstüchtigen Schönheit keine Zukunft sieht.

Axel Milberg als Paradiesvogel

Die aktions- und intrigenreiche, oft in trübes Licht getauchte Geschichte, die von Ferne an Dickens-Romane erinnert, nimmt an Dramatik im zweiten Teil noch zu. Als angesehener Banker kehrt Hugh dann an der Seite seiner Sängerin-Ehefrau Nora (Catterfeld) nach London zurück und muss feststellen, dass Maisie mit seinem reichen Jugendfreund Solly (Albrecht Schuch) verheiratet ist. Und dass deren kleiner Sohn sein eigener ist. Noch immer will Hughs Tante Augusta (Hain), die einst vergeblich in seinen Vater verliebt war, ihren talentlosen Sohn Edward (David Sträßer) voranbringen. Die alternde Lady scheut vor Sünde und Laster nicht zurück - auch dank des skrupellosen Geschäftsmanns Micky Miranda (Luca Marinelli). Als Paradiesvogel des Clans agiert derweil Onkel Samuel (Milberg): ein Mann, der seine Homosexualität nur im Geheimen ausleben darf und sie mit gebildetem Ästhetizismus garniert.

"Ohne Sozialromantik möchten wir hier zeigen, wie es ist, in eine Welt hineingeboren zu werden und zu merken: diese Welt setzt mir Grenzen. Die Frage ist dann doch, wie gehe ich mit den Grenzen um? Füge ich mich oder nicht?", sagte Regisseur Schwochow, 37, der Deutschen Presse-Agentur. "In dieser Geschichte treffen wir auf Menschen, die ständig auf Hindernisse stoßen. Es gibt viele Figuren, die immer Fremde in ihrer Welt bleiben, nie ankommen", ergänzte Schwochow, "das erscheint mir auch sehr heutig."

Zu den Zeitumständen habe er ausgiebig bei Experten in London und Cambridge recherchiert. Aspekte wie Bankkrisen, Frauenemanzipation und Armut werden im Film jedoch immer nur gestreift. Dafür sorgen lustvoll aufspielende Darsteller für Gefühlswelten und erotische Szenen, von denen man sich packen lassen kann. Pure Augenweiden bilden Häuser, Parks, Inneneinrichtungen und Kostüme. Mit 1000 Komparsen drehte man 50 Tage lang in und um Dublin, zum Teil auf berühmten Landsitzen. Mengen handgefertigter Kleider, Frisuren, Kutschen und Kunstwerke kontrastieren dabei mit detaillierten Einblicken in Spielhöllen, Bordelle und Straßen des Elends.

Ulrike Cordes, DPA
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