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Auch die Kirchen verstehen nicht immer Spaß

In der Debatte um die Anzeige gegen Dieter Nuhr ist oft vom angeblich fehlenden Humorverständnis des Islam die Rede. Doch auch christliche Kirchen klagen gern gegen ungenehme Satire. Ein Überblick.

Von Carsten Heidböhmer

Unter dem Titel "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" hatte die "Titanic" 2012 den Papst von vorne und hinten gezeigt - einmal mit gelbem, einmal mit braunem Fleck auf der Soutane. Nachdem das Hamburger Landgericht diesen Titel verboten hatte, zeigt das Satiremagazin auf der Homepage Benedikt XVI. mit zwei riesigen Limonadenflaschen

Unter dem Titel "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" hatte die "Titanic" 2012 den Papst von vorne und hinten gezeigt - einmal mit gelbem, einmal mit braunem Fleck auf der Soutane. Nachdem das Hamburger Landgericht diesen Titel verboten hatte, zeigt das Satiremagazin auf der Homepage Benedikt XVI. mit zwei riesigen Limonadenflaschen

Die Klage eines Osnabrücker Muslims gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr sorgt bundesweit für Empörung. Das Thema wird derzeit heiß diskutiert, vor allem in sozialen Netzwerken tauschen sich die Menschen dazu aus. Doch immer wieder mischen sich in den - berechtigten - Ärger über die versuchte Beschneidung der Redefreiheit auch anti-muslimische Ressentiments. In Deutschland, so der Tenor, dürfe man eben Witze über Religion machen. Und wenn es Muslimen nicht passe, sollen sie gefälligst von der Reisefreiheit Gebrauch machen.

Doch wer so argumentiert vergisst völlig, dass nicht nur der Islam Probleme mit Humor und Satire hat. Auch die großen christlichen Kirchen, insbesondere die katholische Kirche, zeigen regelmäßig, dass sie keinen Spaß verstehen. Immer wieder ist die Kirche juristisch gegen Satire vorgegangen. Die rechtliche Grundlage für diese Klagen ist in den meisten Fällen der Paragraf 166 im Strafgesetzbuch, der die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen unter Strafe stellt. Landläufig wird diese Vorschrift auch Blasphemieparagraf genannt. Die Religion anderer zu beschimpfen ist dann strafbar, wenn dadurch der öffentliche Friede gestört werde.

"Lachen statt rumhängen"

Die schwierige Frage ist: Wann wird der öffentliche Friede gestört? In den vergangenen 20 Jahren gab es nur sehr wenige prominente Fälle, bei denen das Gericht zuungunsten von Satire entschieden hat. 2006 etwa entstand um eine neue MTV-Serie plötzlich riesiger Wirbel: In der BBC-Produktion "Popetown" gab es einen durchgeknallten Papst, einen kriminellen Kardinal und versklavte Kinder. Beworben wurde die Serie mit einem Clip, der den vom Kreuz herabsteigenden Christus zeigt. Dazu der Slogan: "Lachen statt rumhängen". Das Erzbistum München und Freising prüfte damals eine Klage wegen Störung des öffentlichen Friedens. Doch das war gar nicht nötig: Die Serie wurde ein Flop. Dennoch forderte der damalige CSU-Generalsekretär Markus Söder daraufhin eine Ausweitung des Paragrafen 166.

2007 erlitt Jürgen Becker eine Schlappe: Der Kölner Kabarettist hatte den damaligen Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner als "Hassprediger" bezeichnet. Dagegen wehrte sich Meisner - das Landgericht Köln erließ eine entsprechende einstweilige Verfügung gegen Becker.

"Die undichte Stelle ist gefunden"

Einen klaren Sieg errang dagegen die "Titanic" 2012: Die Satirezeitschrift präsentierte Papst Benedikt XVI. auf dem Titelblatt - allerdings mit einem gelben Fleck auf der Soutane. Dazu die Überschrift: "Die undichte Stelle ist gefunden." Das fand der Papst nicht besonders lustig: Er erwirkte gegen die Ausgabe eine einstweilige Verfügung. Die "Titanic" legte dagegen Widerspruch ein, doch bevor es zum Prozess kommen konnte, lenkte der Vatikan ein und zog die Verfügung zurück.

Auch im Nachbarland Österreich zeigt sich die katholische Kirche klagefreudig. Dort wurde der Karikaturist Manfred Deix 1994 sogar erstinstanzlich wegen der Herabwürdigung religiöser Lehren (Paragraph 188 Strafgesetzbuch) verurteilt, in zweiter Instanz allerdings freigesprochen. Der stern-Karikaturist Gerhard Haderer, ebenfalls Österreicher, bekam mehrere Anzeigen wegen Blasphemie für sein 2002 erschienenes Buch "Das Leben des Jesus", zu den Empörten gehörte auch der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Das Verfahren wurde allerdings eingestellt.

Schlechter ging es für ihn in Griechenland aus: Dort wurde Haderer zu sechs Monaten Haft verurteilt, weil sein Buch den öffentlichen Anstand und die religiösen Gefühle der Bürger verletze. Soweit dürfte es bei Dieter Nuhr nicht kommen. Aller Voraussicht nach wird die Klage gar nicht erst zugelassen.

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