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15. Februar 2011, 18:32 Uhr

Gute Sache, gutes Geld

Fast eine halbe Million Euro im Jahr - so viel soll Monica Lierhaus angeblich für ihr Engagement für die ARD-Fernsehlotterie bekommen. Wahnsinn oder marktübliches Honorar? Ein paar Nachforschungen. Von Jens Maier

Honorar, Monica Lierhaus, ARD-Fernsehlotterie

Das neue Gesicht der ARD-Fernsehlotterie: Monica Lierhaus© Ulrich Perey/DPA

Ein gutes Los für alle", hieß der Slogan. Harald Juhnke, Götz George, Marie-Louise Marjan, Ulrich Wickert, Günter Pfitzmann und Klausjürgen Wussow warben für ihn, waren in Werbespots im Fernsehen und im Radio zu sehen und zu hören. Sie legten sich 1999 für die Lose und die Arbeit der ARD-Fernsehlotterie ins Zeug. Ihr Engagement für die gute Sache war ehrenamtlich, keinen Pfennig bekamen die Granden des deutschen Fernsehens dafür.

Das ist heute anders. Ein Bericht des "Spiegel" sorgt für jede Menge Diskussionen. Danach bekommt Monica Lierhaus als neue Botschafterin für die ARD-Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" 450.000 Euro pro Jahr. In Internetforen und Blogs wird die Summe heftig diskutiert - und kritisiert. "Das Geld sollte für andere einen Platz an der Sonne bedeuten - nicht für die Moderatoren, egal wie sie heißen", kritisiert ein User im Forum von Gmx.de. "Es ist schlichtweg obszön und schmutzig, wie mit dem Geld für Bedürftige rumgeaast wird", findet ein Kommentator bei "Spiegel-Online". "Ich habe soeben die Kündigung meines Loses weggeschickt. Eine gemeinnützige Organisation, die solche Honorare zahlt, möchte ich nicht länger unterstützen", bilanziert ein anderer.

Honorar wird nicht aus GEZ-Gebühren gezahlt

Lierhaus Aufgaben: Sie soll für die Lotterie die Werbetrommel rühren, in mehreren Werbefilmen zu sehen sein und jeweils sonntags um 18.49 Uhr in der ARD die Wochengewinner bekanntgeben. Weitere Details sollen im März folgen. Zur Höhe des Honorars von Frau Lierhaus wollte sich ein Sprecher nicht äußern. Er legte aber Wert auf die Feststellung, dass die Summe nicht aus Gebührengeldern der ARD stamme. "Das Geld kommt allein aus der Lotterie", sagte er.

Die ARD-Fernsehlotterie ist als gemeinnützige GmbH ein eigenständiges Unternehmen. Es finanziert sich aus den Einnahmen der Losverkäufe. Davon gehen 17 Prozent als Lotteriesteuer an den Fiskus, mindestens 30 Prozent werden als Gewinne ausgeschüttet. 45 Prozent gehen an das Deutsche Hilfswerk und dienen damit der Unterstützung von sozialen Projekten. Sieben Prozent behält die Lotterie selbst, um damit die Verwaltungskosten und auch Werbe- und Marketingmaßnahmen zu bezahlen.

Wie ihr Vorgänger Frank Elstner wird auch Lierhaus aus diesen sieben Prozent bezahlt. Ob Elstner ein Honorar in gleicher Höhe erhalten hat, wollte der Lotteriesprecher nicht beantworten. Um Lierhaus bezahlen zu können, sei der Marketingetat allerdings nicht erhöht worden und es sei auch keine Umschichtung innerhalb des Etats vorgenommen worden. "Die Bezahlung von Frau Lierhaus geht nicht zu Lasten der Gewinnausschüttung oder der Ausschüttung an das Deutsche Hilfswerk", sagt der Sprecher.

Auch Gottschalk wird bezahlt

Auch die vergleichbare "Aktion Mensch" wirbt mit einem prominenten Gesicht für ihre Lotterie. Seit Jahren wird Thomas Gottschalk als Werbebotschafter eingesetzt. Jeden Sonntag um 19.28 Uhr zieht er im ZDF die Wochengewinner und stellt die sozialen Projekte der "Aktion Mensch" vor. Und auch Thomas Gottschalk bekommt dafür ein Honorar. "Ja, wir bezahlen Herrn Gottschalk dafür", sagte ein Sprecher der "Aktion Mensch" zu stern.de - ohne eine Summe zu nennen.

Sind die 450.000 Euro im Jahr für Frau Lierhaus also wirklich überzogen und geradezu obszön? Ein Brancheninsider, der nicht bei der ARD arbeitet, hält die Summe für vollkommen in Ordnung. "Es liegt absolut im Bereich dessen, was in der Branche üblich ist und entspricht auch dem Zeitaufwand, den Frau Lierhaus als Werbebotschafterin dafür aufbringen muss", sagte er stern.de. Ein anderer TV-Mann sagt, es hänge davon ab, wie viele Tage Lierhaus für den "Platz an der Sonne" vor der Kamera stehe. Utopisch sei die Summe aber auf keinen Fall. Die Harald Juhnkes, Günter Pfitzmanns und Klausjürgen Wussows - wir wünschen sie uns trotzdem zurück.

Von Jens Maier
 
 
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