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Domian verurteilt Fake-Anruferin und entschuldigt sich bei "Bild"

TV-Kummerkastenonkel Jürgen Domian hat den makaberen Scherzanruf einer jungen Frau in seiner Sendung scharf verurteilt. Er sprach von einer "üblen und niederträchtigen Lüge" - und entschuldigte sich bei der "Bild".

Late-Night-Talker Jürgen Domian

Late-Night-Talker Jürgen Domian verlas zu Beginn der Sendung eine Entschuldigung an die "Bild"

Jürgen Domian hat in seinem voraussichtlich letzten Jahr als Late-Night-Talker noch einmal richtig Ärger. Nach einem Fake-Anruf einer jungen Frau in der Nacht zum Dienstag, den weder er noch sein Team als einen solchen einschätzten, verlas Domian gestern zu Beginn der Übertragung eine Entschuldigung an die "Bild". Das Blatt hatte bereits am Tag nach der fraglichen Sendung von einer erfundenen Geschichte gesprochen. Der TV-Kummerkastenonkel, der Ende des Jahres das Headset an den Nagel hängen will, hatte daraufhin diesen Bericht der "Bild" explizit kritisiert und Teile davon als "frei erfunden" bezeichnet. Vielmehr glaube er, dass die Frau nun Angst habe, die Wahrheit zu sagen und der Polizei von den Übergriffen ihres Partners zu berichten, sagte er da noch. "Das war eine Fehleinschätzung von mir und das tut mir wirklich leid", erklärte er nun. Er habe sich auf Informationen aus einer Polizeiquelle verlassen, die sich im Nachhinein als "missverständlich" herausgestellt hätten.

In der Nacht zum Dienstag hatte ein junge Frau in der Live-Talksendung "Domian" angerufen und behauptet, ihr muslimischer Freund würde sie schlagen. Während des Gesprächs kam dieser dann scheinbar in den Raum und Gebrüll, dumpfe Geräusche und Schreie der Frau waren zu hören. Jürgen Domian und seine Mitarbeiter alarmierten daraufhin die Polizei, die zu der Dame nach Hause fuhr. Das Ganze stellte sich als ein sehr makaberer Scherz heraus. Die Frau räumte ein, sich den gewalttätigen muslimischen Freund nur ausgedacht und die Idee mit einem Bekannten in die Tat umgesetzt zu haben.

WDR hatte sich bereits bei "Bild" entschuldigt

Zuvor hatte sich bereits der WDR, der die Sendung "Domian" austrahlt, offiziell bei der "Bild" entschuldigt. Das Problem sei demnach gewesen, "dass die Redaktion wie auch vor allem die geschulten Psychologen den Eindruck hatten, dass die Situation ernst war und kein Fake."

Im Anschluss an die persönliche Entschuldigung richtete Domian dann noch ein paar Worte an die Anruferin und andere, die sich mit ihm einen "Spaß" erlauben möchten. Das Wort "Fake" sei noch viel zu locker dafür. "Es ist eine üble und niederträchtige Lüge", sagte Domian. "Die Leute denken vielleicht, dass sie mir oder uns einen damit auswischen. Das ist überhaupt nicht so. Ich kann damit umgehen. Das Schlimme, das Perfide daran ist, dass die Leute, die das tun, auf dem Rücken von unter Umständen schwerst Betroffenen, ihren Spaß machen und lügen." Es gäbe in Deutschland tausende Fälle von häuslicher Gewalt, die Frauenhäuser seien voll.

Domian: Nächste Anruferin unter Verdacht

Zwar sagten 99 Prozent der Frauen, die bei ihm anriefen und so etwas beschrieben, die Wahrheit. "Doch die nächste Anruferin, die sich hier zu so einem Thema äußert, steht natürlich nach so einem Fall ein wenig unter Verdacht. Das finde ich sehr sehr traurig." Domian habe mitbekommen, dass die junge Frau nun strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten hätte und begrüße das. "Ich hoffe, die werden dann auch ausgeschöpft in dem Maße, in dem das möglich ist."

Medienberichten zufolge ermittelt die Polizei wegen der Vortäuschung einer Straftat. Diese wäre nach Paragraph 145d Strafgesetzbuch erfüllt, wenn jemand "wider besseres Wissen einer Behörde oder einer zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Stelle vortäuscht, dass eine rechtswidrige Tat begangen worden sei". 

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