Kehrtwendler, marsch!

22. Januar 2014, 01:33 Uhr

Melanie schluckt, Larissa kneift, Glatzeder keift. Alles wie gehabt im Dschungelcamp? Nicht ganz! Da ist ja noch der Wendler. Der schlägt sich im Hotel den Bauch voll - und will ins Camp zurück. Von Ingo Scheel

Dschungelcamp 2014, Ibes, Larissa Marolt, Michael Wendler, Melanie Müller

Michael Wendler: Im frischen T-Shirt und nach einer Runde Burger, Pommes und Schampus traut man sich doch gleich ne weitere Runde Camp zu. Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/ich-bin-ein-star.html©

So etwas hat die Dschungelwelt noch nicht gesehen. Besser gesagt: gehört. "Ich bin ein Star - lasst mich wieder rein", lautete der magische Satz diesmal. Hatte der Wendler schon bei seinem überstürzten Auszug aus dem Dschungelcamp am Vortag vortrefflich zu überraschen gewusst, setzte er an Tag 5 tatsächlich noch einen drauf. Wortreich hatte er sich von seinen Mitpatienten verabschiedet, auf Gegenliebe war das nicht gestoßen. "Ich kann ja auch nicht auf der Straße den Müllmann umarmen und sagen: Ich liebe Dich", so Glatzeder unversöhnlich nach des Wendlers Zuneigungsbekundung. Kollege Bendel wurde umgehend literarisch: "Das war ja wie Shakespeare" halluzinierte er ruck zuck. Abschiedstränen also Fehlanzeige. Stattdessen wurden die Überbleibsel des Popschlagerkönigs verteilt und Reste davon in einer Art heidnischen Zeremonie verbrannt.

Und der Abtrünnige selbst? Der ließ sich per Taxi abtransportieren, landete schließlich in einer Art Dodenhof-Showroom mit Zebrafell-Sofa und orderte per Roomservice erstmal "das Leckerste" von der Speisekarte. Carpaccio, Cheeseburger, Steak. "All for me". Und Schampus obendruff. Was folgte, war einer der psychedelischsten Monologe der Camp-Geschichte. Hatte da jemand LSD-Zusatz ins Raumdeo geschmuggelt?

Irgendetwas muss geklickt haben

"Keiner hat damit gerechnet, dass ich so lange durchhalte. Ich hab das Gefühl, so richtig akzeptiert zu sein. Der härteste Ritt meines Lebens", bröckelte es Wendy aus dem Backenbart. "Meine Seele wurde gewaschen." Genau, leider scheint bei dem Waschgang auch im Oberstübchen mit etwas zu festem Feudel durchgewischt worden zu sein. "Ich habe die Hosen weiter runtergelassen als jeder andere Star vor mir im Camp!" Na, wenn das Klaus Baumgart und der Glatzenpeter hören.

Aber es gab ja auch noch Fränkie. Den Betreuer, Verzeihung, den Schlagerkumpel vom Wendler. Der entpuppte sich beim Wiedersehen mit seinem "Star" als psychiatrisch geschult und kennt natürlich die oberste Regel in Sachen Betreuung: Den Schlafwandelnden nicht wecken. Den Halluzinierenden in Ruhe abkühlen lassen, falls nötig bestärken. Das tat er denn auch: "Du hast ganz Deutschland überrascht, selbst die Anti-Wendler." Bestens ausgebildet, der Mann. "Die Leute haben angefangen, Dich zu mögen. Das ist etwas ganz Besonderes bei Dir." Puh, wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Irgendetwas muss dann geklickt haben bei Mad Michael, Stichwort Wendlerpauschale. Plötzlich wollte der Mann wieder zurück ins Camp: "Ich bin ein Star - lasst mich wieder rein", entfuhr es ihm plötzlich. Das wäre doch "eine Sensation", wenn er es seinen Fans noch einmal zeigen könne. Er würde offiziell auch beschwören, keinen Kontakt zur Außenwelt gehabt zu haben. Man müsse "nur einen Weg finden, das zu kommunizieren." Dabei hatte man im Camp schon gedacht, dem Wendler juckt’s unterm bläulichen Pony. Aber das hier? Kurzschluss im Bewusstseinsstrom. Es piept beim DJ. RTL erteilte denn auch abschlägigen Bescheid. Hier keine Leergut-Annahme.

"Du versagst ständig!"

Und im Camp? Da wurden Larissa und Melanie abkommandiert zum Busch-Bukkake. Schlucken, schlucken, schlucken - so die Devise. Für Scarlet Young nicht ganz neu, lediglich die Entlohnung war natürlich eine andere als draußen. Gab es in der Schweiz noch einen Franken-Betrag im mittleren zweistelligen Bereich, ging es hier um mehr - ums Team, ums Essen, ums Überleben. Und während die Müllerin ablieferte und alles von Stinkfrucht bis pürrierter Emu-Leber reinlaufen ließ, brachte Larissa die Pampe einfach nicht runter.

Im Lager war die Stimmung entsprechend gedrückt. Doch während der Großteil es überwiegend schulterzuckend hinnahm, wurde Winfried Glatzeder zur Furie. Ossi Riot am Lagerfeuer. "Ich kann es nicht mehr hören", schleuderte er Larissa beim Essen entgegen und in faustgroßen Brocken entwich ihm dabei das halbzerkaute Mahl aus den Mundwinkeln. "Du versagst ständig!" spie Wahnfried der Verdatterten entgegen. Welch Ironie, nein, welch Dreistigkeit eigentlich, ausgerechnet der Schwerstarbeitenden unter den Bewohnern auch noch Feuer unterm Hintern zu machen.

Während die Schlaflabor-Patienten am Lagerfeuer Tag um Tag "Die Legende von faul und fauler" spielen, musste Larissa immerhin in schöner Regelmäßigkeit zur Prüfung antreten. Auch an Tag 6 übrigens, dann gemeinsam mit ihrem Intimfeind aus dem Osten.

Relativ unbeeindruckt zeigte sich Larissa denn auch von Glatzes Gezeter. "Ihr habt doch alle mal versagt", ihre Antwort. Welch wunderbare Einsicht. Bilden Sie einen Satz mit "Eulen" und "Athen". Hier haben alle versagt? Na, aber sicher. Willkommen im Dschungelcamp.

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