20. Januar 2011, 18:22 Uhr

Der gespielte Blondinenwitz

Niemandem räumt RTL so viel Dschungel-Sendezeit ein wie Sarah Knappik. Sie ist 24, plappert unentwegt, legt sich mit allen an - und ist Thema für Millionen Deutsche. Szenen einer tragischen Karriere. Von Gerd Blank

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Sarah Knappik beschert RTL weiterhin Rekordquoten©

Vier Mal musste Sarah Knappik bislang in der fünften Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" zur Dschungelprüfung antreten, und auch für die nächste Aufgabe wurde sie wieder ausgewählt. Die Fernsehzuschauer wollen die Blondine offensichtlich leiden sehen. So wurde sie in eine enge Höhle geschickt, musste eklige Nahrung zu sich nehmen, Schlangen per Boot kutschieren und sich in ein Kakerlakenkostüm zwängen. Nicht immer machte Knappik dabei eine gute Figur, aber egal: Kein anderer Teilnehmer der Trashshow leidet so lautstark und nervt so sehr wie Sarah Knappik.

Alles Kalkül? Schließlich war das Model vor dem Dschungelcamp nur einer Handvoll TV-Zuschauern bekannt. In der Castingshow "Germany's Next Topmodel" stöckelte Knappik über den Laufsteg und erreichte den achten Platz. Danach zog sie in die "Model WG", was kaum jemand gesehen hat. Und sie durfte im "Promi Dinner" mitköcheln.

Nun dominiert die 24-Jährige mit ihren Kommentaren die Dschungel-Show - mehr Sendezeit bekommt kein anderer Kandidat. Im Camp wirkt sie als eine Art gespielter Blondinenwitz. Sie redet schneller, als sie denken kann. "Ich bin nicht operiert. Ich bin natürlich. An meinem Körper ist zu 100 Prozent alles umsonst!" Oder: "Nicht jeder wurde als Arschlochkind geboren. Der eine ist verloren gegangen und der andere ist gewachsen." Auch schön: "Die Leute sagen: 'Das Wetter ist halt Scheiße, da kann ich nix dran ändern'. Jeder Einzelne kann was verändern in der Welt." Man kann sich schon vorstellen, wie die Merchandise-Maschinerie in Gang kommt, bestimmt werden bereits die ersten T-Shirts mit ihren Sprüchen bedruckt. Wen interessiert da noch, von wem "Zack, die Bohne" stammt?

Die blonde Zicke vom Dienst

In jeder Staffel vom Dschungelcamp muss auch eine blonde Zicke mitwirken. In der ersten Staffel war es Susan Stahnke, ihre Nachfolgerinnen hießen Giulia Siegel oder Julia Biedermann. Alles Frauen, die sich im australischen Busch um das letzte bisschen Reputation gebracht haben. Jetzt ist also Sarah Knappik in die Rolle geschlüpft - mit Erfolg: Innerhalb kürzester Zeit bringt sie nicht nur die anderen zehn Kandidaten (sogar den sonst immer ausgeglichenen Rainer Langhans) gegen sich auf, auch die TV-Zuschauer scheinen einen Narren an der Bochumerin gefressen zu haben.

Apropos fressen: Sarah Knappik ist Vegetarierin. So weit, so normal - schließlich ernähren sich laut Schätzung acht Prozent der Deutschen fleischlos. Dumm nur, dass Sarah Knappik diese Ernährungsgewohnheit wohl erst fürs Dschungelcamp entdeckt hat. Bei ihrer Teilnahme im "Promi Dinner" aß Sarah 2009 noch Ochsenfleisch. Auch ihre ehemals beste Freundin Gina-Lisa Lohfink bezichtigt Knappik in einem RTL-Interview der Schummelei, um um Ekelnahrung herumzukommen: "Meine Mama hat mit Sarah Spaghetti Bolognese gekocht."

Für RTL ist Sarah Knappik ein Glücksgriff

Der TV-Sender, dessen Dschungelstar Sarah ist, versucht gar nicht erst, die Kandidatin positiv darzustellen. Auch auf der Senderseite wird darauf hingewiesen, dass die 24-Jährige Fleisch isst - Beweisvideo inklusive. Warum also sucht sich RTL ein Mädchen aus, das alle nervt und auch noch flunkert? Genau deswegen. Für RTL ist Sarah Knappik ein Glücksgriff. Die Bochumerin sorgt für gute Quoten, alle reden über das Dschungelcamp und die "ätzende Sarah". Wer sonst in der Runde könnte für so viel Werbung sorgen?

Von Gerd Blank
 
 
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