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WG im Mehrfamilienhaus

Und auch diesmal bleibt Michaela Schaffrath ohne Dschungelprüfung. Mittlerweile ist allerdings der Alltag in der Dschungel-WG eingezogen. Die Gespräche kreisen um lebensnahe Maßnahmen: Wer holt Wasser, wer schminkt sich wie? Existenzialismus mit Privilegien.

Von Kathrin Buchner

Es ist ein bisschen so, als ob man eine Studenten-WG mit einem Mehrfamilienhaus zusammenbringen würde. Isabell besetzt das Dschungel-Bad, weil sie sich zwei Stunden am Tag schminkt. Dann spielt sie auch noch die beleidigte Zicke, weil DJ Tomekk sie an ihre Arbeitspflichten erinnert, "wo ist das Wasser?". Dann entflammt auch noch der Streit zwischen Raucher und Nichtraucher, bundesdeutsche Realität tausende Meilen Down Under.

Küken Lisa lässt noch ein paar Schimpftiraden auf Tomekk los - das war's dann auch mit dem Konflikt-Potential der Sendung. Während Pimmel-Immel den Macker, wenn auch mit einer Portion Selbstkritik, herauskehrt. "Bei mir sind die Mädels auch in Ohnmacht gefallen, aber ich musste sie vorher mit Alkohol abfüllen." Wir erfahren noch die weltbewegenden Neuigkeiten, dass für Eike Franz Beckenbauer der beste Spieler aller Zeiten ist, Sepp Maier der beste Torwart und Bananenflanken-Manni-Kaltz der beste Außenverteidiger. Ein Ranking, für das man schon Jahre in der Bundesliga verbracht haben muss, um darauf zu kommen. Danke, Eike! Barbara schläft derweil den Schlaf der Gerechten. Und Björn-Hergen Schimpf liest die Bibel.

Wohlstandsspeck macht träge

Jeglicher Konflikt versackt angesichts des durch und durch ausgeglichenen Naturells dieser zehn Dschungelbewohner. Genug des Wohlstandsspecks zum Überleben ist auch vorhanden. Das Jammern über den leeren Magen währt nur kurz. Bald wenden sich unsere Protagonisten einem wirklich existenziellen Thema zu: Styling. Mama-Barbara glänzt mit Fachwissen: "Michaela ist sportlich-elegant, Julia eher klassisch und Lisa hat ihren Stil noch nicht gefunden". Danke Baba, darauf wären wir nie gekommen.

Im australischen Busch sehen wir Julia Biedermann in Khaki-Shorts, T-Shirt, zerknautscht und mit angespanntem Gesichtsausdruck. Zeitgleich lächelt sie uns vom "Playboy"-Titelbild an jedem Kiosk dieser Republik in turbo-lasziver Pose an. Selten wurde eine vermeintliche Sex-Bombe so schnell entlarvt. Mediale Inszenierung ad absurdum - die beiden Auszieh-Expertinnen Julia und Isabell tauschen aus, mit welchen Tricks man sich beim Fast-Nackt-Shooting am besten in Szene setzt.

Tragischer Held dieser Folge ist Eike Immel. Konkurrenzlos schön ist sein T-Shirt mit den Maden und Kakerlaken. Er genießt das Privileg eines echten Alpha-Männchens, dem selbst eine gestandene Frau wie Barbara Herzsprung freiwillig das T-Shirt wäscht. Den Tunnel des Schreckens hat er überstanden, obwohl er an seinem eigenen Ehrgeiz scheitert. "Eigentlich wollte ich zehn Sterne holen", sagt der geschlagene Märtyrer. Es wurden vier Sterne- vier heldenhaft erarbeitete Sterne. Vor Schreck und Ekel sind Eikes Augen tellergroß geweitet. Er schreit "scheiße scheiße" angesichts ein paar Spinnen und Ratten, die in den Nebenkanälen hausen, aus denen er die Sterne fischt.

Nackt und schutzlos ihren Ängsten ausgeliefert

Und das ist das Tolle am Dschungelcamp: Alle sind gleich nackt und schutzlos ihren Ängsten ausgeliefert - völlig egal, ob ehemaliger Leistungssportler oder glucksender Nachwuchs-Singstar. Unter dem Laubdach der grünen Hölle sind alle gleich. So ist es eben in Wohngemeinschaften.

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