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Vincent Raven versetzt die Schweiz in Aufruhr

Während sich viele Deutsche vor allem für Micaela Schäfer interessieren, beschäftigt viele Schweizer ein ganz anderer Dschungelcamp-Kandidat: Die Ausraster ihres Landsmannes Vincent Raven drohen das sympathische Image der Eidgenossen zu beschädigen.

Von Carsten Heidböhmer

Die Schweizer gelten im Ausland gemeinhin als korrekte, etwas behäbige, aber immer gutmütige Menschen. Ein Image, mit dem die Eidgenossen gut leben können. Doch im RTL-Dschungelcamp tritt dieser Tage ein Mann auf, der einen ganz anderen Typus verkörpert: Der Magier Vincent Raven ist weder gutmütig noch behäbig. Vielmehr ist er hochgradig aggressiv, vulgär und unausgeglichen. "Ich werde bösartig. Ich werde abartig", tobte er am Donnerstag nach seiner verlorenen Schatzsuche. "Alles stinkt abgöttisch" brüllte er, und nannte Körperteile, die man sonst im Fernsehen besser nicht nennen sollte. "Der Gestank ist in meine Seele rein. Ich bin Scheiße, verstehst du?"

Die unaufhörlich lästernden Moderatoren und Sonja Zietlow haben bereits jede Menge Spitznamen für den Rabenmann parat: "Alpen-Ayatollah", "Toblerone-Taliban", "Bin Raben" oder "Alm-Adinedschad" nennen sie ihn - und täglich kommen neue lustige Namen hinzu.

Zwei Mal drohte Raven bereits, das Camp zu verlassen, ließ sich dann jedoch immer im letzten Augenblick umstimmen. Es scheint jedoch nur eine Frage der Zeit, bis Raven explodiert. Denn ihm macht vor allem der Nikotinentzug zu schaffen. Vier Schachteln Zigaretten qualmt der Kettenraucher am Tag - hat seine Ration auf fünf Kippen pro Tag reduziert. Das macht dem Mentalisten schwer zu schaffen.

Ein ganzes Land leidet mit

Doch sein Aufenthalt im Dschungelcamp bereitet nicht nur ihm Probleme. Ein ganzes Land leidet offenbar mit. Anders ist kaum zu erklären, dass sich zahlreiche Schweizer Zeitungen seit Tagen mit Vincent Ravens Verhalten beschäftigen. "Vincent Raven hat den Lagerkoller", schreibt etwa die "Berner Zeitung" am Freitag. Die Boulevardzeitung "Blick" hat gleich eine Psychologin befragt, die "den rasenden Raven" erklären soll. Die bezeichnete den Rabenmann als "labil" und kam zu dem Schluss, dass er bei seinen Ausrastern Genuss empfinde.

Sichtlich Probleme bereiten vielen Schweizern auch Ravens schwulen- und frauenfeindliche Ausfälle. "Frauen darf man nie zur Chefin wählen, die fangen an zu spinnen", stänkerte er gegen Teamchefin Jazzy. "Frauen in Führungspositionen muss man auf die Finger schauen." Schon am ersten Tag hatte er sich über die roten Hosen echauffiert, die er von RTL gestellt bekam: "Rot - das ist doch eine Tuntenfarbe. So ein Schwuchtel-Fummel." Hierzu durfte in "Blick" der Präsident der Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich besorgt Stellung nehmen, zudem wurde eine Angestellte der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich interviewt.

Der Tenor der Zeitungsberichte: Vincent Raven ist alles andere als ein typischer Schweizer. Und: Den Eidgenossen ist ihr gutes Image wichtig. Das wollen sie sich nicht von einem durchgeknallten Magier auf Nikotinentzug kaputt machen lassen.

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Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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