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30. Januar 2012, 06:20 Uhr

Ich war ein Star und bin jetzt raus

Frisch frisiert und froh, dass es vorbei ist – die Dschungelkandidaten schauten gemeinsam auf 16 Tage Camp zurück. Fazit: Rocco und Kim sind nur Freunde, Ramona fand sich super und mit Vincent gingen die Raben durch. Von Mark Stöhr

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Vincent Raven leidet unter "Lagerungsschwindel"© RTL

Im Nachhinein sind alle schlauer. Ramona hat im Dschungelcamp gelernt, "dass es gut tut, böse zu sein". Daniel hat gelernt, "dass ich es in kleinen Räumen mit vielen Menschen nicht lange aushalte". Rocco hat "coole Freunde" kennengelernt und ist nicht in Kim verliebt. Kim weiß jetzt, "dass Kuscheln so wichtig ist wie Wassertrinken", und ist nicht in Rocco verliebt. Micaela weiß jetzt, dass sie sich verzählt hat: Es waren nicht drei, sondern vier Sexpartner in ihrem Leben. Radost hat nein zu Buschschwein-Vagina und Lammhirn gesagt und sagt jetzt immer wieder nein. Brigitte sagt: "Ich hab besser Person bekommen." Jazzy, Martin und Vincent sind sich gut genug. Und Ailton? Gähnt. Er ist froh, dass der ganze Zinnober vorbei ist. Wie wir alle.

Das Wiedersehen im Baumhaus ist traditionell das Entspannungsbad nach dem großen Match. Hier wird bilanziert und harmoniert, alle Fetzer- und Furzereien sind vergessen, die Nikotinspeicher aufgefüllt, die Wangen rot vom Rouge. Elf Primaten haben sich wieder in elf Prominente zurückverwandelt. Jetzt sollen sie erzählen, wie's gewesen ist. Und siehe da: Der Blick zurück war kurzweiliger als so manche Tageszusammenfassung in den letzten beiden Wochen. Was so eine Dusche alles bewirken kann.

Vincent leidet unter Schwindel

Selbst Ramona Leiß, die in manchen Phasen wie eine entlaufene Alzheimer-Patientin rüberkam, schien wieder halbwegs eingestellt. Von Groll über das gesendete Material keine Spur. Sie wirkte sogar sehr zufrieden mit ihrer Performance. "Wenn man mich von der Seite anrappt", sagte sie, "werde ich halt zum Rambo." Die wahnhaften Anteile in ihrer Selbstwahrnehmung gehören bei ihr offenbar zum Ego. Ein Comeback im Moderatorengeschäft kann sie sich so abschminken. Ganz anders ihre neue Freundin Brigitte Nielsen. Die Kumpel-Königin ("Hey Guys! Hey Babies! Hallo liebe Leudde!") war am Tag nach ihrer Krönung immer noch in akuter Abknutschlaune. "Ich bin so warm in meinem Herz", jubilierte sie und war nur schwer auf ihrem Thron zu halten. Ihr nächstes Projekt: eine britische Talkshow, zu der nur Frauen eingeladen werden.

Ein solches Konzept wird bei RTL wahrscheinlich gerade fürs nächste Dschungelcamp geprüft. Auch gestern machte wieder der Begriff vom "Pussycamp" die Runde: kraftlose Kerle, die verdauen statt sich zu verhauen, während die Frauen fürs Essen und Entertainment sorgen. Vincent Raven wollte diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. Er erklärte sein Schwächeln mit einem Krankheitssymptom, unter dem er leidet. Sein Name: "Lagerungsschwindel". Das ist, wenn sich alles um einen dreht. Und um den Schweizer drehte sich der Dschungel wohl wie wild, als er mit Rocco bei einer Schatzsuche an einem Seil hing. Wir erinnern uns: Vincent verlor das Duell und stürzte in eine stinkende Kloake. Schuld an seiner Niederlage, so der Raben-Macho, war eben jenes Gleichgewichtsleiden, seine "innerliche Essenz" danach komplett im Eimer.

Nackige Seele oder nackter Hintern

Dieser Andreas Plörer, wie der 45-Jährige eigentlich heißt, war die mit Abstand abgründigste Figur im Camp. Eine Mischung aus Schamane und Schwindler. In der Wiedersehensshow war er wieder auf Sendung, man wusste nicht genau, in welchem Kanal. Er erzählte von den Raben, den "schwarzen, fliegenden Begleitern der Menschheit", die über uns mehr wüssten als wir über sie. Von einem Unfall als Kind, bei dem er rote Hosen trug, weshalb ihm diese Farbe auf ewig verhasst sei. Und vom sechsten Sinn, über den jeder Mensch geheime Nachrichten versenden und empfangen könne. Man wollte schon zum Besteckkasten laufen und was zum Verbiegen holen.

Bei der Sache mit dem sechsten Sinn wurde Micaela Schäfer hellhörig. Sie würde es nur anders schreiben. Ihr Campverhalten war ähnlich undurchschaubar wie das Ravens. Der Auftritt im Baumhaus brachte da auch kein Licht ins Dunkel. "Andere haben ihre Seele nackig gemacht", sagte sie, "ich meinen Hintern." Das war der Spruch des Abends. Aber wie passt das zusammen: Eine Person, die erzählt, dass sie schon in der Schule eher gerne für sich war, und jetzt jedem ungefragt ihre Brüste vor die Nase hält? Ailton ist das egal. Er gähnte und schwieg. Immerhin hat er sie als Einziger angefasst.

Von Mark Stöhr
 
 
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