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24. Januar 2012, 01:14 Uhr

Ailton und das Schäfchen in der Grube

Eben noch als Zicke verschrien, jetzt schon schmerzlich vermisst: Am zweiten Tag nach Ramonas Rauswurf fehlt dem Dschungelcamp nichts mehr als der Entertainment-Faktor der "Ramonatora". Die gestrige Abwahl der nächsten Insassin dürfte da leichter zu verschmerzen sein. Von Ingo Scheel

Ich bin ein Star, holt mich hier raus, Dschungelcamp, Ailton, Zietlow, Bach, RTL, Micaela Schäfer

In luftiger Höhe bodenständig cool geblieben: Rocco bei der Dschungelprüfung© RTL

Er sei über den Punkt. Zu alt, zu verrückt, seine Zeit abgelaufen. Der Dino müsse Platz machen für die Jüngeren, das würde das Beste für alle sein, vor allem für ihn selbst. Am Ende der aktiven Laufbahn von Oliver Kahn zog man Bilanz, zählte seine Kung-Fu-Sprünge und Beiß-Attacken, die Bananenwürfe in den Strafraum und die Myriaden von vollmündigen Sprüchen am und auf dem Spielfeld. Kaum war der Titan jedoch abgetreten, da wurden die Rufe nach ihm schon wieder laut. Es fehlten die Typen, hieß es schon im Jahr eins nach Kahn, die positiv Verrückten, die Tänzer auf dem Grat zwischen Genie und Wahnsinn, die fürs Entertainment im Business sorgen.

Am Tag zwei nach Ramona geht es dem Camp wie einst der Bundesliga: keine Typen, kein genialer Wahnsinn, keine Beiß-Attacken, stattdessen Entertainment in Spuckweite zur Null-Linie. Ramona ging und nahm in den letzten Rest Hallo-Wach aus dem Camp der Kakerlaken mit nach Haus. Was bleibt, ist das schnöde Wiederkäuen alter Seilschaften und noch älterer Geschichtchen. Und täglich grüßt das Murmeltier: Der Rabenflüsterer etwa sprach mit Rocco über den Rabenvater. Bei aller Blamierung für den Ochsenknecht-Clan wird uns Uwe allein schon wegen der gebetsmühlenartigen Breittretung des Themas den verstoßenen Rocco wieder in die Arme nehmen. In die Arme nehmen müssen. Dieses Mantra zwingt am Ende auch den Unbarmherzigsten in die Knie.

Wenig Lust auf Smalltalk

Irgendwann zwischen Klogang und Reste-Rauchen gab es dann beim Abendessen den üblichen Zank. Diesmal beklagte Rocco Brigittes kleine Ess-Portionen und sorgte sich beinah rührend um Wohl und Wehe der zunehmend abnehmenden Schauspielerin. Jazzy stänkerte daraufhin ein wenig, sogar Radost ballte das Fäustchen in der Hosentasche, dann verpuffte auch dieses kurze Aufflackern. Nicht auszudenken, was La Leiß aus dieser Hundertprozentigen gemacht hätte, um dem Dinner den nötigen Dampf zu verpassen. Überhaupt - auch der Smalltalk mit der einstigen Hollywood-Heroine ging Ramona deutlich besser aus dem Händchen als etwa Micaela.

Wir erinnern uns: Schon zum Auftakt hatte die Leiß die Nielsen so weit, dass sie die Worte "Stallone", "Rammler" und "Schrumpfhoden" in nur einen Satz packte. Micaela dagegen warf den Namen Schwarzenegger so halbherzig in die Runde, dass selbst die dänische Dampfplauderin schnell die Lust am Aufwärmen oller Kamellen verlor. "Kannst du cremen auf meinen Körper?" hatte sie den Terminator am Set von "Red Sonja" gefragt - und Arnie cremte, was die Tube hergab. Oder war es andersrum? Gouverneur wolle er jedenfalls werden, verriet er ihr damals. Alle lachten, Brigidde natürlich auch. Sie hatten eben "ein supä Zeit". Super auch ihr einziger One-Night-Stand, dessen Namen sie noch stolz verriet: "Schon pennen!" Wie jetzt? Schon schlafen gehen? Es ist doch noch hell. Die Rückspul-Taste sorgt für Aufklärung: Sean Penn war gemeint. Ach sooo. Hätten wir das also auch.

"Das is ein Scheise Spiel"

Im letzten verzweifelten Akt von RTL, irgendwie noch einmal an Busengrapscher oder gynäkologische Einblicke zu kommen, schickte man schließlich Micaela Schäfer mit Ailton auf Schatzsuche. Eine ganze Nacht sollten die beiden in einer unterirdischen Höhle verbringen und dabei eine Kerze am Brennen halten. Der "Sympath-Mann" mit dem Schäfchen in der Grube? So frei vor der Kiste stand Ailton das letzte Mal vor sechs Jahren. Am finalen Spieltag der 42. Bundesliga-Saison konnte der Kugelblitz in der zweiten Halbzeit gegen seinen Ex-Club Werder alles klar machen und den HSV in die Champions League schießen. Damals wie heute dasselbe Bild: frei vorm Tor, die Hundertprozentige auf dem Latschen, Chance vergeben, alles vorbei. Auch der Kommentar des Brasilianers ist der gleiche, damals wie heute: "Das is Scheise. Das is kein Spiel, das ist ein Scheise Spiel. Scheise is das!"

Die Erotik blieb auf Sparflamme, zumindest das kleine Lichtlein in der Grube blieb an. Schatzsuche also gewonnen. Aber war das schon alles? In der heutigen Sendung soll angeblich mehr davon gezeigt werden, was in der Lustgrotte wirklich geschah. Dieser konstruierte Cliffhanger passt ebenso ins Bild, wie die abfallende Formkurve des Moderatoren-Gespanns. Auch dem dicken Gag-Äffchen und seinem Stichwort-Sidekick gehen langsam die Puste aus. Atmete das garstige Kommentieren von Bach und Zietlow sonst bösen Charme und Esprit, hetzt das Duo heuer ohne Punkt und Komma, täglich schlechter getimed, durch inflationäre Wortspiele.

"Mea Vulva", "Vulvarine" - was dem Gagschreiber im Koffeinwahn gefällt, muss nicht immer kameratauglich sein. Dass man schließlich bei Harald Schmidt den Gag vom Integrations-Bambi für Vincent Raven klaut, macht der Misère den Deckel drauf. Es ist nicht zu übersehen: Das Team zählt die Tage bis zur Krönung, die verbliebenen Zuschauer ebenso. War sonst noch was? Ach ja: Rocco holte acht Sterne. Jazzy wurde rausgewählt. Radost hat geweint.

Von Ingo Scheel
 
 
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