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25. Januar 2012, 06:14 Uhr

Wasser marsch an der Resterampe

Kaum hat Radost bei der Dschungelprüfung den letzten Mäuseschwanz vertilgt, ist das Abenteuer schon vorbei. Momo muss nach Hause. Währenddessen droht das Lager in den australischen Fluten zu versinken. Von Ingo Scheel

Ich bin ein Star, holt mich hier raus, Dschungelcamp, Ailton, Zietlow, Bach, RTL, Micaela Schäfer

1000 Tränen tief: Brigitte Nielsen bekam herzergreifende Post© RTL

Irgendwann, kurz vor dem Ende der Sendung, bricht sich leise Hoffnung Bahn. Das E-Wort macht die Runde. E wie Evakuierung. Muss das Dschungelcamp geräumt werden? Sind die Wassermassen zu viel für das Lager, eine zu große Gefahr für die Bewohner? Dabei waren nicht die Tränen gemeint, die an diesem Tag eimerweise vergossen wurden, sondern schlicht der australische Regen, der die kleinen Wasserläufe rund um die Pritschen-WG in stattlich rauschende Flüsschen verwandelt und alles unter Wasser setzt. Selbst Klogänge waren kaum noch möglich für die siebenköpfige Reste-Rampe im Camp. "Ich piss jetzt hier hin", drohte Rocco gar, am Ende ging es dann mit Brigidde und Vincent doch zur Nasszelle.

Die Option Evakuierung flackerte also auf, ein kurzer Flirt mit dem Abbruch. Das wäre dann doch noch eine zündende Pointe für das Dschungelcamp, das mittlerweile, wir schreiben Tag 12 im Lager-Logbuch, zäher ist als Schweine-Anus. Als gäbe es in der Redaktion einen Fan von zweimal gezeigten Neujahrsansprachen, wärmte man zunächst die Un-Ereignisse des Vortages stoisch in Bild und Ton auf. Das Zänkchen beim Essen zwischen Rocco und den Girls etwa. Dabei sind schon einen Tag danach nicht nur Jazzy und Radost dicke wie eh und je, sondern mit ihnen auch Brigitte. Die drei haben eine so "strong Connection", man sollte sich im allgemeinen Reunion-Fieber nicht wundern, wenn hier demnächst eine Deutschpop-Leiche exhumiert wird: Tic Tac Toe für Best Ager.

Die schnöde Wahrheit über die Schatzsuche

Die Schatzsuche von Micaela Schäfer und Ailton feierte ebenso ein zweites Mal fröhliche Urständ. Wir erinnern uns: Die Wahrheit über die Nacht unter Tage war dem Zuschauer versprochen worden. Die entpuppte sich dann, im wörtlichen Sinne, als feuchter Furz. Während Micaela - man hätte gleich stutzig werden sollen, als die sich eine Hose anzog - die ganze Nacht wach blieb, um die Kerze am Brennen zu halten, lag das Ailton in seinem Schlafsack und kofferte, dass es von der Grubendecke rieselte. Martin Kesici, einstiger Flatulenz-Fürst des Camps, wird es auf der heimischen Couch mit Wonne verfolgt haben.

Die Gründe für das Recycling lagen auf der Hand, im Camp gab es wirklich nichts mehr zu erzählen. Jazzy, die Ich-AG mit der Zahnlücke, feierte ihren Ausstand, Rocco und Kim gaben sich der Fortsetzung ihrer Sandkasten-Liebe hin, lediglich bei der Dschungelprüfung von Radost und Kim flackerte dann etwas vom oldschooligen Flair auf, aber so richtig mitfiebern wollte man auch hier nicht. Noch vor ein, zwei Staffeln linste die TV-Nation schaudernd durch die Hand vor Augen, wenn etwa Lammhirn mit fermentiertem Entenei oder Frikadelle aus kleingehackten Kakerlaken und Mehlwürmern zum Verzehr angeboten wurde. Anno 2012 kommt auch das einstige Ekel-Highlight so zersendet daher, man würde am liebsten Restauranttester Rach in den Dschungel schicken, um der Glibber-Gastronomie mal wieder Dampf unter den Töpfen zu machen.

"Ein bisschen Muschi"

Auch bei einer weiteren Tradition von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" wäre mehr drin gewesen. Es war wieder einmal Zeit für die Feldpost. Als Brigitte Nielsen ins Sprechzimmer gerufen wurde, warteten dort sieben Umschläge auf die Dänin, jeder Bewohner bekam einen Brief von daheim. Nicht auszumalen, hätte man die gesammelten Werke des daheim versauernden Camp-Clans etwa von Ailton vorlesen lassen. Ein dadaistischer Director's Cut in XXL-Format wäre das geworden. Stattdessen las man einander reihum vor, und als hätte der australische Regen nicht genug Flüssigkeit ins Lager geschwemmt, öffneten die Damen obendrein ihre Schleusen. Selbst die bis dato so toughe Nielsen heulte Rotz und Wasser über die Zeilen ihres Gatten Mattia. Für kruden Zeitvertreib sorgte schließlich der Rabenvater, längst nicht mehr Herr seiner Sinne, der eine Handvoll Unkraut anzündete, um mit dem Rauch für Entspannung zu sorgen.

Rausgewählt wurde natürlich auch, es traf dabei Radost Bokel. Die hatte sich am Vortag noch tränenreich von Jazzy verabschiedet, ihrer Schwester im Geiste. Nur 24 Stunden später können die beiden nun in Freiheit gemeinsam weiterquarzen. Spätestens bei der dritten Zigarette dürfte bei Radost dann auch dieser eklige Nachgeschmack von Käsefrucht, Mäuseschwanz und Buschschwein-Vagina verschwunden sein. Wie sagte Rocco doch gleich: "Ein bisschen Muschi oder Penis hat noch niemanden geschadet."

Von Ingo Scheel
 
 
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