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Für eine Handvoll Hoden

Im Dschungel besinnt man sich auf innere Werte: Blut, Leber, Testikel. Claudelle und Fiona würgen sich durch die längste Prüfung in der Geschichte des Camps - und Olivia redet sich um Kopf und Kragen.

Von Ingo Scheel

"Ich habe immer noch Penis zwischen den Zähnen": Fiona bei der Dschungelprüfung.

"Ich habe immer noch Penis zwischen den Zähnen": Fiona bei der Dschungelprüfung.

Was tun, wenn Wortlosigkeit unter den Menschen Einzug hält? Die Dinge des Alltags zur schweren Last werden, der tägliche Trott die Seele verdunkelt? Man sich über die kleinsten Dinge - angebrannte Bohnen, benutzte Schlüpfer, Bauchfalten und Darmwinde - in die Köppe bekommt? Genau - einfach mal groß ausgehen. Die Lasten hinter sicher lassen und lecker auswärts essen. Delikat speisen in Wohlfühl-Ambiente. Auch hinter den Kulissen des Dschungelcamps ist die Message, so hat man an Tag 12 das Gefühl, angekommen: Das Lager wird zur Einöde, es knallt zu wenig, in Klein-Guantánamo werden die Tage nur noch abgesessen. Was also tun?

Die Lösung lag auf der Hand: Kielholen, das Pack. Oder anders gesagt - bei der mal wieder kotzen, äh, klotzen statt kleckern. Und so besann man sich endlich auf althergebrachte Traditionen. Nicht nur mal eben einen lächerlichen Hoden oder eine Handvoll Schweineborsten runterwürgen - nein: All you can eat alla Italiana war angesagt. Fiona und Claudelle durften am Tisch der "Dschungelpizzeria" Platz nehmen und satte sieben Gänge einfahren. Wer speit, verliert. Drinbleiben musste das Zeug. Wer Fionas Weg bisher verfolgt hat, weiß, dass hier quasi die doppelte Prüfung dräute. Doch schnell krähte das Erdmännchen sein Mantra in die Welt: "Ok, dann kotze ich eben nicht!"

Augen zu und durch

Gesagt, getan. Und was da beim Dschungel-Italiener nicht alles aufgefahren wurde: Ziegenzunge und Kotzfrucht, Fischaugen roh, Kamelpenis al dente, lebende Sandwürmer, Schafstestikel und andere Eingeweide. E-kel-erregend, ein Gang schlimmer als der andere. Und während Claudelle den Tag verfluchte, selbst der Ranger im Hintergrund kurz würgen musste, zeigte das Knochenmädchen, dass es mittlerweile nicht nur über die Figur, sondern längst auch über die Zähigkeit eines Marathonläufers verfügt.

Schafszunge? Runter damit. Kamelpenis? Rein damit. "Ich will es probieren, der Schwanz ist zäh, Augen zu und durch." Hier war das Camp plötzlich wieder ganz bei sich selbst, schrieb endlich seine Geschichte fort: Küblböck und die Kakerlaken. Babs Herzsprung und der Känguru-Hoden (na, Kopfkino?), nun also Claudelle und das Fischauge. Fiona und ihr Sudel-Smoothie. Kamelblut an gestampfter Leber. Lieb gemeinte vier Sterne gab es insgesamt für das perfekte Penis-Dinner. Mit einer Dauer von satten 28 Minuten verbuchte das Dschungelcamp die längste Prüfung in seiner Geschichte. Ein Triumph für Fiona, ein Fiasko für Claudelle. Die erlitt auf dem Heimweg gar eine Heulattacke ob ihres Versagens im Angesicht des Auges: "Es war einfach so hart, ich habe es nicht herunterbekommen."

Die Schwester von Sarah Connor

Und der Rest des Trashmobs? Bevor Georgina und Patrick die "schlimmste Nacht ihres Lebens" in einer Holzhütte voll Ratten und ähnlichem Geschmeiß verbringen mussten, redete sich Olivia im abendlichen Flüstertratsch mit dem Sams um Kopf und Kragen. Der Teufel in Miss Jones gewann erneut die Oberhand, Ikarus auf dem Weg zur Sonne ist eine success story dagegen: Die Lederjacke von dem Silva sollte man verbrennen. Die Schwester von der Connor ist ja so peinlich, das sagt sogar die Sarah selbst. Fernanda Brandao ist sexsüchtig, Boris Becker die männliche Verona Pooth und seine Kinder werden später allesamt so crazy wie Allegra Curtis. Harter Tobak. Nimmt man noch den Mann im Roten Rathaus dazu, könnte hier vielleicht langsam eine Sammelklage Sinn machen.

Georginas Anekdötchen vom schwulen Fußballer, für den sie von ihrem Agenten als Alibi-Freundin gebucht werden sollte, geriet da fast in den Hintergrund. Schade eigentlich, hier hätte man gern mehr gehört. Gut, dass La Fleur auch weiterhin campieren darf, der Katzenmama erging es da nicht ganz so gut. Iris Klein fiel dem Zuschauervotum zum Opfer und musste das Camp verlassen. Schön, wenn die kleinen Missverständnisse mit Allegra so zügig im wirklichen Leben aus dem Weg geräumt werden können. Vielleicht ja auch beim Italiener.

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