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Vom Hofnarren zum Herrscher - Joey holt die Krone

Überraschung in Australien: Joey Heindle ist der neue Dschungelkönig, Olivia Jones wird Zweite. Doch der Weg zum Thron war steinig und führte durch eine kulinarische Hölle und an zwei Möpsen vorbei.

Von Jens Wiesner

  Er wird bestimmt ein guter König - nicht unbedingt weise, aber gut: Joey Heindle gewinnt das Dschungelcamp 2013.

Er wird bestimmt ein guter König - nicht unbedingt weise, aber gut: Joey Heindle gewinnt das Dschungelcamp 2013.

  • Jens Wiesner

Eigentlich wussten wir ja von Anfang an, wer Dschungelkönig wird. Haben unsere Lobreden vorformuliert, standen bei Fuß, um KönigIn Olivia I. das Zepter zu küssen. Sicher: Es wäre ein verdienter Sieg gewesen. Aber auch ein verdammt langweiliger. Und dann geschah, womit niemand mehr gerechnert hatte: Diese Staffel, gedanklich längst abgehakt, kriegte doch noch die Kurve hin zur Überraschung und zum ganz großen Gefühl.

Dabei standen bis zum Schluss wirklich alle Zeichen auf Olivia Jones. Fiona Erdmann wurde fix verabschiedert und erfuhr, dass sie wohl bis an ihr Lebensende mit dem Spitznamen "Sams" leben muss. Zum Weggang gab's die üblichen Worten und Umarmungen: Eine besondere Erfahrung sei es gewesen, man habe viel gelernt, auch über sich selbst, blabla, und werde natürlich eine Menge aus der Dschungelzeit mitnehmen. Vielleicht ja auch Kakerlaken und Spinnen im Koffer.

Mit dem Weggang von Fiona sollte ein neuer Umgangston ins Lager ziehen. Die verbliebenen Anwärter auf den Dschungelthron kamen, so unterschiedlich sie auch waren, prima miteinander aus. Selbst in Momenten, die leicht in Zickenterror hätten ausarten können, blieb die Stimmung locker-flockig: Als Claudelle Deckert nach ihrem Bad im Wasserfall den schönsten Satz des Dschungelcamps brachte ("Mit sind gerade die Möpse herausgekullert!"), konnte Olivia nur noch lachend kommentieren: "Find ich ganz schön billig, dass du hier alle Register ziehst!" Die Dragqueen hält es offenbar mit Loriot: Ein Leben ohne Mops? Möglich, aber sinnlos!

Straußenpo und Schweinesperma

Am Lagerfeuer sorgten Joey Heindle und Olivia unterdessen für Brokeback-Mountain-Stimmung. Eineinhalb Männer, zwei Cowboyhüte, ein Thema: Homosexualität. Für Joey "in 150 Millionen Jahren" nicht vorstellbar. "Aber musst du ja auch nicht", schlug die Jones ihren verständnisvollen Doktor-Sommer-Ton an. "Es bleibt ja jedem selber überlassen, wen er liebt." Hach. Claudelle Deckert machte sich derweil ihre eigenen Gedanken um die campeigene Mrs. Doubtfire. Wieviel Oliver wohl in Olivia stecke, fragte sie sich und wähnte eine zerbrechliche Seele unter der zentimeterdicken Schminke. "Schade, dass man nicht wirklich drankommt, ist halt die Kunstfigur!" Genau: Zeig mir dein Gesicht, zeig mir, wer du wirklich ist! Ach nee, falsche Reality-Show.

Das Festmahl zum Abschied - eine alte Tradition am letzten Abend im Dschungel - mussten sich die Campbewohner teuer verdienen. Frei nach dem Motto 'Alles muss raus!' - Claudelle nahm es wieder einmal zu wörtlich - mixten Hartwich und Zietlow eine Best-Of-Dschungelprüfung-Mischung zusammen, die es in sich hatte. Die einfachste Aufgabe fiel dabei noch auf das hochmotivierte "Unter Uns"-Sternchen: Die Deckert musste in einen Wassertank, Marke ausrangierte Metropolis-Kulisse, steigen und dort nach Sternen tauchen. Die hinzugegebenen Krebse und Co. fielen kaum auf. Ein abgebrochener Fingernagel und ein Viertel Nipplegate später stand die Vorspeise.

Mehr Nippel gab es bei Joeys Prüfung zu sehen: Kuheuterzitzen, Kamelfüße und ein gefiederter Straußenanus ("Ja, weg mit dem Arschloch!") warteten darauf, die Speiseröhre des 19-Jährigen hinunterzurutschen. Besonders perfide: Taktisches Schlucken war angesagt, Übergeben während der Prüfung strengstens verboten. Und Joey kaute und kaute, würgte und schluckte. Beinahe hätte er gar den Heiligen Gral des Dschungelcamp-Ekels bezwungen: das fermentierte Entenei. Schwarz wie die Königin der Nacht ruhte es auf seinem Teller - die Meisterprüfung des Brechreizes. Doch das Ei war zu stark für den Mann. Beim Schweinesperma hingegen ließ sich der Restauranttester des Grauens nicht lange bitten: Joey schnupperte ("Riecht nach gar nichts!") und kippte sich den Kurzen dermaßen fix hinter die Binde, dass es Harald Juhnke hoch über den Wolken ganz warm ums Herz wurde.

Insekten-Sundae des Grauens

Die Dame, die bei den Buchmachern nicht nur in Hamburg als gesetzte Siegerin galt, sollte dagegen noch einmal richtig leiden: Rücklings auf eine Lore gefesselt musste sich Olivia Jones durch einen Stollen ziehen und Sterne aus Rohren an der Decke angeln. Ein Darkroom, in dem sich Slimer pudelwohl gefühlt hätte. Statt von Männerhänden begrapscht zu werden, prasselte erst klebriges Glibberzeug auf die Jones herab, dann folgten Kiloweise Kakerlaken, Mehlwürmer, Ameisen und Spinnen. Doch die selbsternannte "Dreckqueen" ertrug die Insektendusche wie eine echte Dame: Ohne einen Mucks zu tun sammelte sie stoisch die Sterne für's Dessert ein. Hätten ein Dutzend "Wacken"-Besucher gleichzeitig ihre Dosenschupfnudeln auf ihr erbrochen haben - es hätte ähnlich ausgesehen.

Zum perfekten Dinner war die Jones schon wieder aufgestylt und hungrig. Die Regie griff auf den guten, altem Weichzeichner zurück, Joey rülpste so laut, dass es Bart Simpson locker durch halb Springfield geblasen hätte. Aber das gilt in einigen Kulturen ja bekanntlich als Kompliment. Darüber hinaus bleibt eigentlich nur zu vermelden: Es schmeckte allen.

Dank Liveschalte ersparten ging es für die Zuschauer direkt am nächsten Morgen weiter Die Stunde der Wahrheit hatte geschlagen: Nachdem Claudelle flugs als Nummer drei abgefrühstückt wurde ("So einen normalen Menschen hatten wir noch nie."-Sonja), saßen sich im finalen Showdown 'Paradiesvogel' vs. 'Jungle Gump' gegenüber. "Jetzt gibt es nur noch zwei und eins", rechnete der Dschungelbenjamin vor und plapperte sich seiner Nervosität von der Seele. Olivia blieb still. Nun flatterten selbst ihr die Nerven. Und dann sprach Daniel Hartwich jene Worte, die wohl nur die wenigsten erwartet haben: Nicht Olivia Jones, Joey Heindle ist Dschungelkönig 2013. Der konnte seine Wahl genausowenig fassen und hüpfte wie ein wildgewordener Flummi durch die Campkulisse: "Dschungelkönig! Kack die Wand an!" Als dann auch noch Joeys Freundin um die Ecke kam und ihren frisch gebackenen Regenten mit Umarmungen und Küssen überzog, wehte - ganz sanft - ein Hauch von "Nur die Liebe zählt" durch den Dschungel. Und Sonja Zietlow und Daniel Hartwich? Die standen strahlend daneben. Zwei stolze Eltern, die an diesem Tag auch etwas gelernt haben: Manchmal bleibt das ganz große Gefühl am besten unkommentiert.

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