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Sprechstunde bei Dr. Dagobert

Klaus ist raus, Arno drin – doch wie lange noch? Der ehemalige Meister-Erpresser schmunzelt viel und spricht wenig. Gestern versuchte er sich gegenüber Allegra als Psychologe. Das war keine gute Idee.

Von Mark Stöhr

Tüftelt Arno Funke an einer besonders raffinierten Geldübergabe für RTL nach dem Ende der Show?

Tüftelt Arno Funke an einer besonders raffinierten Geldübergabe für RTL nach dem Ende der Show?

Wie hatte man sich Arno Funke vorgestellt, den berühmten Kaufhaus-Erpresser, bevor er im Dschungelcamp einzog? Als Superhirn, das den Fortschritt in den Buschalltag bringt. Hier eine Jukebox für den traurigen Joey, dort einen Klolift für den dicken Klaus. Man dachte, "Dagobert", der geniale Erfinder, macht aus Regenwasser Cola und aus Kakerlaken Nutella. Oder baut wenigstens mafiöse Strukturen im Camp auf, die ihm immer die größte Reisration sichern. Doch nichts von dem ist eingetreten. Funke ist ein Langweiler, schlimmer noch: ein Spießer. Danke, deutscher Strafvollzug.

Dem 52-Jährigen wurde bei seiner Verurteilung Mitte der 90er Jahre eine ausgeprägte kriminelle Energie attestiert. Wo ist die bloß hin? Alles wegresozialisiert? Der Ex-Knacki hängt mit seinem Bürstenschnitt auf seiner Camp-Pritsche wie ein Gymnasiallehrer in seinem Strandkorb auf . Er ist der stille Beobachter, der sich aus allem raushält und leise in sich hineinschmunzelt. Worüber amüsiert er sich so? Denkt er sich heimlich Sudokus aus und freut sich über die richtige Lösung? Oder tüftelt er an einer besonders raffinierten Geldübergabe für RTL nach dem Ende der Show?

Als Teammitglied ist Arno ein Totalausfall. Allegra Curtis, deren Gesichts- wie Nervenkostüm sich gleichermaßen auflöst, suchte in der gestrigen Folge therapeutischen Rat bei Dr. Dagobert. Das war ein Fehler. Natürlich ist es niemandem zu verdenken, bei den Ausführungen der Deutsch-Amerikanerin auf Durchzug zu schalten. Sie faselte wieder etwas von Geschichten, die sie erzählen könnte, die aber zu "over the top" seien. Denn: "Die Leute fragen mich, wen kennst du alles, und dann mache ich die Liste: Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. … Diese Erfahrungen hat keiner hier." Weswegen sie auch niemand verstehen könne. Funke spielte nebenbei Kopf-Sudoku, nickte immer mal und sagte: "Ja". Manchmal auch: "Ja, ja."

Klaus ist ein Fall für die Bypass-Industrie

Doch dann – vielleicht dachte er gerade an den Mietwagen, der ihn damals bei der Polizei verriet – platzte ihm der Kragen. Er sagte: "Du liegst nur da, während die anderen agieren." Nichts daran war falsch, aber sagte den Satz in einem Ton, dass jeder Koala den Subtext verstanden hätte. Und der lautete: Du bist eine hässliche, fette Kuh mit psychischen Problemen, die nichts auf die Kette kriegt – bitte ertränk dich im Tümpel oder nerv Klaus! Würde in Allegras Gesichtsmotorik nicht nur noch ein Gang funktionieren, ihr wäre die Kinnlade in den Schoß gefallen. War der Brillenheini, der sonst nie was sagte, jetzt auch noch gegen sie? Allegra ging nicht zu Klaus, sondern zu Claudelle und weinte sich über Arno aus ("Er hat mir meine Hoffnungen weggenommen").

Klaus wäre als Kummeronkel auch eine schlechte Idee gewesen, so wie er überhaupt als Dschungelbesetzung eine schlechte Idee war. Der Mann ist noch nicht mal 60 und pfeift aus dem letzten Loch. Gestern wäre er fast kollabiert. Sein Kreislauf schaffte es wie seine letzten Lieder nicht unter die Top 100. Klaus Baumgart legte in den sieben Tagen im Camp die Performance eines in die Jahre gekommenen Kegelbruders hin, von dem nur noch die schlechten Manieren übrig geblieben sind. Es war nicht verwunderlich, dass die Zuschauer seinem Siechtum nicht mehr länger zuschauen wollten. Sie schickten ihn zurück an die Nordsee – zu Grünkohl mit Mettwurst und ganz viel Küstennebel.

Hatte Olivia was mit Klaus Wowereit?

Ansonsten ist die Tabelle im Camp in Bewegung. Georgina mausert sich langsam zu einer Geheimfavoritin, die sehr nette und angenehm normale Claudelle Deckert machte dank einer guten Dschungelprüfung einen Sprung auf einen Championsleague-Platz. Joey mischt, wenn er durchhält, sowieso vorne mit. Olivia Jones, die Spitzenreiterin, darf sich des Titels also nicht zu sicher sein. Griff sie deshalb gestern zur Beichtnummer wie schon so viele ihrer Konkurrenten zuvor?

Die Geschichte, die sie erzählte, hatte mit ihrem mittlerweile verstorbenen Vater zu tun. "Der hat uns verlassen, da war ich sieben oder so. Der hat in einer Bank gearbeitet und hat dann 1,9 Millionen D-Mark unterschlagen und ist verschwunden.Toll für die Familie!" Er versuchte, in Rio de Janeiro unterzutauchen, wurde geschnappt und wanderte für zwei Jahre ins Gefängnis. Das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater sei aber nicht der Grund gewesen, "dass ich so ein Vogel geworden bin". Wie um diese private Enthüllung noch zu toppen, setzte im weiteren Verlauf der Show noch einen drauf: Sie habe "nur einmal" was mit Klaus Wowereit gehabt. War das ein Scherz? Oder ging da wirklich was? Fortsetzung folgt, das ist sicher.

Arno Funke interessiert so was nicht. Er wusste zu berichten, dass Wowereit auf Litauisch "Eichhörnchen" heißt, und schmunzelte wieder still in sich hinein. Im Gegensatz zu Olivia Jones wird er demnächst vorzeitig aus dem Camp entlassen, wie damals im Gefängnis. Vielleicht ja sogar schon heute.

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