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Larissa M. - Sie kann es! Vielleicht ...

Schwarze Schwänze, Hypochonder und ein Rekord: Der Alltagstrott hält das Camp fest im Griff. Derweil tritt Larissa den langen Weg zur Läuterung an. Aber reicht es für das große Ziel?

Von Jens Wiesner

  Undank ist der Zuschauer Hohn: Larissa und Mola mussten zur siebten Dschungelprüfung, holten acht Sterne - und dürfen morgen wieder gemeinsam antreten. Für Larissa eine zweifelhafte Ehre: Noch nie in der Geschichte des Dschungelcamps wurde ein Kandidat achtmal hintereinander zu einer Prüfung verdonnert.

Undank ist der Zuschauer Hohn: Larissa und Mola mussten zur siebten Dschungelprüfung, holten acht Sterne - und dürfen morgen wieder gemeinsam antreten. Für Larissa eine zweifelhafte Ehre: Noch nie in der Geschichte des Dschungelcamps wurde ein Kandidat achtmal hintereinander zu einer Prüfung verdonnert.

Erst wurde nur geflüstert. Ein leiser Verdacht, geraunt auf den Bürofluren unserer Republik. Eine Vorahnung, so vage, dass man sie nur den allerbesten Freunden anvertraute. Doch dann nahm der Gedanke Fahrt auf. Man schämte sich nicht mehr dafür, sprach ihn laut aus, verbreitete ihn gar über das World Wide Web: Larissa Marolt wird Dschungelkönigin!

Noch vor wenigen Tagen klang das in etwa so realistisch, als würde Frau Merkel Lord Voldemort zum Gleichstellungsbeauftragten der Bundesregierung bestellen. Doch nun nähert sich das Dschungelcamp mit rasenden Schritten dem Bergfest - und selbst im Herzen der glühendsten Larissa-Hasser erwärmt sich langsam ein Plätzchen für die kapriziöse Dame aus dem Land von Wurstsemmerl und Wiener Schmäh.

Mit Sympathie hat das erst einmal nichts zu tun, eher mit Bildschirmpräsenz und Mitleid. Larissa ist im Grunde ihres Herzens noch ein Kind. Ein verzogener Fratz, dem viel zu früh viel zu viele "Zuckerwürfel in den Arsch geblasen" wurden, wie es Gabby gewohnt diplomatisch ausdrücken würde. Und im Moment wird diesem Kind so kollektiv der Allerwerteste versohlt (drinnen wie draußen), dass selbst der kritischste Zuschauerpöter mitphantomschmerzt.

Wenn Mola den Zeigefinger schwingt

Immerhin: Australiens jüngste Ureinwanderin nölt zwar weiterhin, dass sich die Schamhaare des Glatzenpeters wieder in Form kräuseln, liefert seit neustem allerdings auch ab: gestern der Sterne zehn, heute acht. Eine enorme Leistung, betrachtet man die erschwerten Bedingungen, unter denen sie erspielt wurden. Nein, wir sprechen hier nicht von Augenbinde, Kanonenschlägen oder schwankenden Planken in schwindelerregender Höhe. Larissas wahre Nervenprobe des Tages bestand darin, Lehrer Lempel auszuhalten, der ihr als Vertrauensperson und dauerplappernder Pseudomotivator zur Seite gestellt wurde. ("Konzentrier dich! Ja, du hast ihn! Mach'n ab, mach'n ab, mach'n ab, mach'n ab!")

Wer hätte vor dieser Staffel gedacht, dass sich ausgerechnet Mola, jener Springinsfeld, der uns einst mit breitem Grinsen die Türen zu Whigfields Schminkraum und Rednex' Discoscheune öffnete, als notorischer Camp-Besserwisser entpuppen sollte. "Zeig mir dein Gesicht, zeig mir, wer du wirklich bist" trällerte Berger im Titelsong zur zweiten Big Brother Staffel. Und Klugscheißer Mola zog blank, charakterlich, und nicht etwa so wie es Gabby an diesem sonst so ereignisarmen Tag befürchtete.

Hab' isch Höhenangst, oda was?

Die wollte im Unterholz nämlich den "schwarzen Schwanz" einer Schlange ausgemacht haben. Und - schwupps - war sie wieder gedanklich beim Mola. (Schwanz. Kicherkicher. Hihi) Oder sollte es sich bei dem Ungetier doch nur um drogeninduzierte Hallus gehandelt haben, hervorgerufen durch Glatzenpeters Joint Marke Dschungelblatt? Wenn der Jieper kommt, raucht Bad Grampa ("Ich sehne mich nach Konsum!") eben auch Grünzeug - hatte man schließlich als Pennäler hinter der Grundschulturnhalle nicht anders gemacht.

Beide Schlangen blieben also in ihrem Versteck und ließen sich auch nicht blicken, als Käpt'n Mola prüfungsbedingt Höhenluft schnupperte. Apropos Abwesenheit: Damit glänzte auch Molas Höhen... pardon, Fallangst. Stattdessen turnte der Moderator geschickt wie eine Gazelle auf Steroiden über die luftigen Planken. Puddingknie sehen anders aus, Herr Adebisi.

Auch zurück im Camp sollten sich die Mola'schen Ausführungen nur rudimentär mit dem zuvor Erlebten decken. Doch wer den Magen der Anderen füllt, dem wird auch im Dschungel so manche kreative Wahrheit verziehen. Zurück blieb Larissa. Sauer, angenervt, an der Schwelle zur Selbstaufgabe - aber mit ein paar Sympathiepunkten mehr ausgestattet.

Daumendrücken für Larissa

Das Produktionsteam wird in diesen Minuten ganz genau hingeschaut haben: Ein vorzeitiger Abgang der streitlustigen Österreicherin, er wäre der Super-GAU für diese Staffel. Es ist kein Zufall, dass der Geist des Wendlers nun schon am zweiten Tag in Folge durch das Camp spukte (in Form einer Action-Figur und dieses unsäglichen Parfüms). Denn so exquisit die Zusammenstellung der Teilnehmer in diesem Jahr auch gelungen ist - bislang fehlt die eine Person, in die wir emotional investieren, für die wir von Herzen mitfiebern (und die wir nicht nur hassen) können.

Ja, unsere niederen Instinkte lechzen nach Kakerlaken, nackter Haut und dreckigen Enthüllungen über Körbchengröße-D-Prominenz. Aber letztlich handelt es sich dabei nur um schmückendes Beiwerk. Wer nackte Haut sehen will, kann dies viel einfacher im Netz tun - und muss nicht erst auf Mellis Badefreuden oder Winfrieds Schwengel warten. Nein, für eine Staffel Dschungelcamp, die nicht nur gut, sondern überragend sein soll, müssen Komik, Schleim und Drama Seit' an Seit' gehen.

Die Dingens-Falle

Joey Heindle wurde deswegen Dschungelkönig, weil er einen Entwicklungsprozess durchgemacht hat, im Camp "erwachsen" wurde. Aber gleichzeitig besaß er auch eine herzensgute Seele. Zugegeben - damit konnte Larissa zur Stunde noch nicht glänzen. Dennoch bleibt sie die einzige Kandidatin mit dem Potential, über sich hinaus zu wachsen - weil der Rest der Truppe einen solchen Schritt schlichtweg nicht benötigt: Winfried und Mola gefallen sich in ihrer Grantigkeit, Melli ist tough, Jochen ausgeglichen und Corinna und Tanja wollen offenbar möglichst unauffälig die Teilnehmerkohle abgreifen. Und das Jungvolk? Gabby, Marco und Julian könnten sicher noch einiges vom Leben lernen, treten aber ebenfalls als selbstbewusste und durchaus mit sich zufriedene Individuen auf.

Eine geläuterte Larissa wäre die ideale Dschungelkönigin - und der Garant für einen spannenden und emotional geladenen zweiten Teil. Doch es steht zu befürchten, dass die Kärntnerin einfach nicht aus ihrer Haut kann und - ganz Sarah Dingens - am Ende über ihre eigene Zickigkeit stolpert.

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