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Die Eier der Nation

Nach Angelinas Abgang musste Patricia Blanco zwangsweise das Lager verlassen. Damit bleibt den beiden das Schlimmste womöglich erspart: Der Showdown zwischen Maren und Walter steht unmittelbar bevor.

Von Ingo Scheel

Angelina Heger und Walter Freiwald mussten zur Dschungelprüfung "Schlimms Märchen" antreten

Angelina Heger und Walter Freiwald mussten zur Dschungelprüfung "Schlimms Märchen" antreten

Die gute Nachricht vorneweg: Das Comeback von Caught in the Act verzögert sich um mindestens einen Tag. Nicht wenige Zuschauer hatten Benjamin Boyce als ersten Kandidaten für eine entspannende Dusche im Hotel auf dem Zettel, aber nichts da. Kurt in de’ Eck darf für den General-Angriff auf die Bühnen der Möbelhäuser und Einkaufszentren des Landes noch ein wenig Kraft sammeln und verbleibt auch am Tag des ersten Camp-Rauswurfes im Lager. Die Ferien auf Waltkrokan gehen für ihn also weiter. Die Konstitution dafür hat er selbstredend, verbringt er den Tag am Dschungel-Lagerfeuer doch in einer Art Schonstarre, gegen die Martin Kesici im Rückblick wirkt wie ein ADHS-Patient.

Mentale Stärke ist eine Zier - und schwierig wird es ohne ihr: Das musste Angelina an Tag 8 erfahren, sie war unübersehbar mit ihrem Heger-Latein am Ende. Altes Dschungelaner-Sprichwort: Wenn die letzte Träne vergossen, der letzte Klumpen Reis gegessen und der letzte Bohnen-Furz verhallt ist, werdet ihr feststellen, dass man Fotodruck-Kissen nicht liebhaben kann. Die logische Konsequenz für das Playboy-Küken: der freiwillige Abgang. Scheiß mit Reis ade. Stattdessen Nachos mit Käseschlamm im Hotel. Und immer schön dran denken: Seine Mama soll man nicht so anpampen. Spätestens als sie sich mit den Worten "Ihr seid die beste Gruppe, die man sich wünschen konnte" verabschiedete, war klar: Das arme Mädchen braucht umgehend medizinische Betreuung.

Bruderkampf der Gameshow-Schlachtrösser

Vorher hatte sie jedoch tatsächlich noch - in einem unwirklichen Anflug von Durchhaltevermögen - an der Seite von Walter Freiwald die Dschungelprüfung "Schlimms Märchen" absolviert und so den Zurückgebliebenen mit vier Sternen zumindest Teile einer warmen Mahlzeit erspielt. Der Bundespräsident der Herzen hatte sich zudem von seiner väterlichsten Seite gezeigt und Angelina wirklich und ernsthaft und ehrlich getröstet. 90 Sekunden echte Gefühle. Daran wird man sich erinnern. Leider auch - wer zum Teufel hat die Nachtsichtkamera erfunden? - an die Aufnahmen von Walters Kehrseite beim Schlüpferwechsel in der Nasszelle. Wie verlorene Eier im Dunkelrestaurant.

Dass des Freiwalds Hinterbacken in dieser Form das letzte Mal über den Bildschirm gewackelt sein könnten, ließ sich beim Blick auf die Fieberkurve von Maren Gilzer erahnen. Die hat sich nämlich mir nichts, dir nichts einen 1A Wutstau unterm Tropenhut herangezüchtet. Ich möchte auflösen: Lagerkoller. Oder bricht da lediglich der verschüttete Bruderkampf der einstigen Gameshow-Schlachtrösser auf? Fakt ist, dass Walter sich nichtsahnend ausgerechnet Frau Gilzer als Klogang-Begleitung ausgesucht hatte. Und die ihm dann, nach abschlägigem Rücksichtnahme-Bescheid seitens des Beklagten, Schläge, oder besser gesagt Tritte androhte. Genau dorthin, wo es auch einem Dschungelkönig immer noch am meisten wehtut.

Denn als das, so sein erhellendes Selbstbekenntnis, sieht Walter sich bereits: "Ich habe keine Konkurrenz. Ich werde Dschungelkönig. Ich passe hierher. Frei! Wald!". Starker Tobak. Und zu viel für Maren, die sich vom wahnhaften Walter chronisch gemobbt fühlt: "Wenn du mich weiter so behandelst, dann trete ich dir in deine Eier, die die Nation gesehen hat". Der letzte Teil dieses Satzes mag ein verschlüsselter Code für irgendjemanden da draußen sein, der Teil mit den Eiern war dafür allzu leicht zu verstehen.

Bewegungsradius eines Briefbeschwerers

Ihre Fanbase, die stündlich wächst, machte umgehend Freudensprünge und veranstaltete mentales La-Ola. Oder wie es ein Fan auf ihrer Facebook-Seite ausdrückte: "Maren wird gewinnen denn ich glaub sie hat die meisten Fans von denen wo da sind." Ähm. Genau. Derweil musste Lagernachbarin Patricia Blanco als erste Bewohnerin unfreiwillig gehen. Von denen wo da sind. Ein bisschen Spaß muss sein - das sang schon der Blancos Roberto ganz treffend. Aber eben auch "Bye bye Fräulein" und "Da ist die Tür". Programmatisches vom Herrn Papa. Trost buchstabiert sich wahrlich anders.

Trostlos ebenfalls - sieht man von Walter Freiwalds erheiternden Bewusstseinsstromschnellen ab - die sonstige Lage im Lager. Neben Boyce und seinem Bewegungsradius eines Briefbeschwerers verdingte sich auch der Rest der Bande beim Busch-Mikado. Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Nichts zu sehen von Schlönvoigt, Savina oder Scheider. Auch der Zirkus Barum scheint schon die Zelte abgebaut zu haben. Iffi könnte ebenso gut bei einer Portion Souvlaki im "Akropolis" sitzen - es würde gar nicht weiter auffallen. Und wer weiß, vielleicht kann Vasily Sarikakis schon bald den Ouzo aus der Kühlung holen. Am Abend fliegt der nächste Kandidat aus dem Camp.

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