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Das Dschungelcamp - zwölf Gründe, warum ich diesen Mist nicht schaue

Heute Abend startet "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" oder schlicht das Dschungelcamp. Unser Kolumnist Micky Beisenherz nennt zwölf Gründe, warum er sich diesen Dreck nicht im TV ansehen wird.

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Micky Beisenherz im Dschungelcamp

So gar nicht objektiv, aber wenigstens nah dran: Dschungelcamp-Autor Mickey Beisenherz

Das sind die zwölf Gründe, warum Micky Beisenherz nicht Dschungelcamp schaut:

12. Diese Show ist zutiefst undemokratisch. Durch jahrelange Ignoranz haben die Deutschen dieses Dutzend Unterhalter wie welkes Suppengrün an den Tellerrand des Promieintopfs gedrängt, ja, vielleicht sogar darüber schwappen lassen. Gerade aus dem nationalen Blickfeld verschwunden, erdreistet sich RTL, eben diese Menschen zu nehmen, um sie in den australischen Freiluftofen zu stecken. Zurück in Deutschland, werden diese Aufbackpromis dann wieder in die Auslage gelegt. In Form von TV-Abos in Greenboxen, Playboy-Fotostrecken oder Ballermann-Karrieren. Mindesthaltbarkeitsdatum, my ass.

11. Mit Menderes geht DSDS der letzte echte Musiker verloren.

10. Wir alle zahlen drauf. Im Januar wird eine ganze Kaste von kunstbeflissenen und kulturfreudigen Mitmenschen gezwungen, sich mit etwas auseinandersetzen, das in ihrem Leben keine Rolle spielt: Dieser ... nun ja ... "Fernseher". Egal, ob beim Metzger, dem Schuster oder Jaques' Wein-Depot - überall wird der Bildungsbürger auf dieses Volksopium angesprochen. Was ihn zuerst nur irritiert. Schnell aber treibt die Begeisterung des Pöbels dem Feingeist einen buschschweineichelroten Zorn ins Gesicht. Das zehntausendfache Aufkommen von Bluthochdruck und schlimmere kardiologische Ausfälle im Bildungsbürgertum belastet die Krankenkassen - und schlussendlich uns alle. Pfui, Spinne.

9. Die Zusammenstellung der Gäste, bestehend aus Musikern um die 70, bei denen man kaum noch sagen kann, ob sie Gitarre spielen oder schon Harfe, Herren, die sich mit Haselnusspaste das Grau aus den Haaren färben und jungen Dingern, die Männer mit koitalem Restinteresse vom Umschalten abhalten. Garniert mit lustigen Spielen, geleitet von einer fröhlichen Bondine unter Missbrauch der lokalen Flora und Fauna - all das ist ein dreistes Plagiat der öffentlich-rechtlichen Sonntagvormittagsunterhaltung. Hätte der Kölner Sender noch einen Funken Anstand - die Show hieße der "RTL Fernsehgarten".

8. Die Gruppendynamik rund ums Lagerfeuer offenbart immer wieder erschreckende Eruptionen von Beleidigung, Nötigung, Mobbing und dem Niederbrüllen Andersdenkender. Solche Entgleisungen gehören nicht ins deutsche Fernsehen. Dafür gibt es Facebook und Twitter.

7. Der Sack von Gunter Gabriel.

6. Der mündige Fernsehzuschauer wird abgehalten von echter Information. Die Nation sieht einer Handvoll Relevanzdarsteller zu, wie sie im Halbkreis zusammen sitzen, mit Drittelwissen um Themen herum posieren, Haltung suggerieren, um Sendezeit zu erheischen. Statt Erkenntnisgewinn bleibt einziges echtes Ergebnis, dass sie mit ihrer heißen Luft das Klima unnötig erhitzt haben. In der Zeit könnte man doch auch Illner, Maischberger oder Plasberg gucken. Wann geht eigentlich Bosbach ins Camp. Kann man ihn mit Lanz reinlocken?

5. Durch den hinterhältigen Trick mit Geld, hat es der Fußballsender No. 1 (RTL, die Red.)  geschafft, Thorsten Legat vom FC Remscheid loszueisen. Eine Frage des Charakters, die man kommentarlos eigentlich nicht beantworten kann. Somit ist es wieder einmal der schnöde Mammon, der dafür sorgt, dass der Weltverein Remscheid die schnelle Rückkehr in die Champions League verpasst und Legat sich nicht als Trainer für Real Madrid empfehlen kann. Aber warum auch Real, wenn man im Busch die Lebensmittel gratis kriegen kann.

4. Jahrelang haben Berlin-Mitte-Hipster, Prenzlauer-Berg-Muttis und der Dinkel-Salafist Attila Hildman einer ganzen Nation die vegane Ernährung mit der Lockerheit einer IS-Miliz beigebogen. Gerade, als das Land in eine Art glutenfreie Duldungsstarre verfällt, kommen die vom Kängruruhklötenkochkurs Murwillumbah und setzen den Freiluftzelebritäten - und letztlich auch dem wehrlosen Zuschauer- alles vor, was sich so aus einem handelsüblichen Buschbeutler kloppen lässt. Eine flächendeckende Zwangscarnivorisierung, vor der niemand die Augen verschließen kann - alle berichten ja drüber. Hier werden dem Volk tierische Produkte als Schlüssel zum Erfolg vorgegaukelt.
Besonders zu bedauern ist der Truthahn, der gerade erst entdeckt hat, dass die Evolution ihm ein stattliches Paar Hoden geschenkt hat - nur, um eben diese Testikel ein paar Stunden später bei Rolf Zacher in der Backentasche wieder zu finden.
Ich glaub, mein Koala jodelt!

3. Das Gebaren der zwölf Niveau-Refugees widerlegt noch einmal sehr eindrücklich die These der CSU, dass sich deutsche Wirtschaftsflüchtlinge im Ausland qua Rasse nur einen Jota besser benehmen würden, als der gemeine "Nordafrikaner oder Araber". Hätte das Camp neben der Toilette einen eigenen Bahnhof - die Grapschokalypse wäre nur eine Frage von Stunden. Armes (Export-) Deutschland. Am Ende lassen sich lagerkollerbedingte Exzesse nicht einmal auf kulturelle Unterschiede schieben. So haben wir nicht gewettet!

2. Die Regeln in dieser Freiluftverwahrung sind teilweise so hart und menschenunwürdig - einige Freibadbesucher in Oranienburg lassen sich das Camp schon auf den Steiß tätowieren.

1. Einer muss die Scheiße hier vor Ort ja schreiben.*


* Micky Beisenherz ist zusammen mit Jens Oliver Haas und Jörg Uebber Autor der Show für RTL


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