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Zachmatt

Es ging einfach nicht mehr. Das Gequatsche, die Sehnsucht, der Rücken, alles zu viel für Rolf Zacher. RTL schickte erst ihn, das Publikum dann David Ortega nach Hause. Die richtige Explosion könnte dem Camp aber noch bevorstehen.

Von Ingo Scheel

Rolf Zacher Dschungelcamp 2016

So endet das Dschungelcamp 2016 für Rolf Zacher. Es ging einfach nicht mehr. RTL schickt ihn nach Hause.

Nominierungen sind das Thema der Stunde. Los Angeles! Academy Awards! 20 Anwärter auf ein goldenes Männeken - alle sind weiß. Oscarsalla! Mit Chris Rock ist ein Afro-Amerikaner dabei, der vorn ein paar Zoten reißen darf. Gut, dass Thorsten Legat dem nicht auch noch die Trinkflasche beschriftet. Auf Zinne ist man in Sachen Nominierungen nämlich auch ein paar Meilen weiter südlich von Los Angeles: Zum achten Mal wurde Helena Fürst für die Dschungelprüfung nominiert. Dass es dem Zuschauer um eine ausgewogene Ernährung für die Camp-Bewohner geht, kann nicht behauptet werden.


Diesmal ging es mit Ricky in luftige Höhen, erspielt wurden dabei…aber der Reihe nach:

Zunächst hallte ja die Prüfung des Vortages noch gehörig nach. Da hatten Helena und Thorsten sich immerhin acht Sterne erkämpft. Dafür gab es jedoch lediglich ein paar übersichtliche Broteinheiten, gegen die ein Nouvelle-Cuisine-Teller aussieht wie eine Platte vom All-You-Can-Eat-Buffet: Karotten, Gürkchen, Sesamblätter, Sonnenblumensprossen. Und das hintere Ende vom Känguruh, das dann aber doppelt. Zwei Schwänze für kein Hallelujah - in den Hauptrollen Thorsten Legat, der das  - Ich brauch jetzt Fett - einfach so runterschlang. Und Jürgen Milski, dem gehörig der Deckel hochging: „Für das Essen musst du jede Dschungelprüfung verweigern, damit die nix mehr zum Zeigen haben, weil das ist asozial.“ Wenn Jürgen da gewusst hätte, wie überzeugend die Anwältin der Herzen diesem Vorschlag nachkommen sollte - er hätte vielleicht doch mal am Stert von Skippy genagt.

Dschungelcamp, Tag 8: Ein Satz mit x - Heulena und Ricky kommen mit null Sternen zurück
Dschungelcamp

Angetreten zur achten Dschungelprüfung: Helena stellt den Rekord von Larissa Marolt ein - zumindest was die Anzahl an Prüfungen im Dschungelcamp betrifft. Sie darf sich einen Helfer wählen und entscheidet sich für Ricky Harris. Ein fataler Fehler.

Als Fürst Aid Kit kam diesmal Ricky mit auf die Reise. Für die Aufgabe ging es dann - bilden Sie einen Satz mit Harris und Höhenangst - etliche Meter hoch in den australischen Himmel. Auf einem schmalen Parcours sollte Heulena auf der einen Seite mit verbundenen Augen die Sterne erlaufen, Ricky auf einem Parallelbalken ihr die Kommandos dazu geben.

Wie heißt es so schön bei Christian Fürchtegott Gellert: "Von ungefähr muß einen Blinden ein Lahmer auf der Straße finden. Und jener hofft schon freudenvoll, dass ihn der andre leiten soll." Soweit die Lyrik, in der Realität gab das jedoch wenig bis keinen Anlass zur Freude. Die blinde Fürstin machte Mäuseschrittchen, während der lahme Ricky versuchte, sie "zu leiten". Dabei geriet dem Dreikäsehoch die Hutschnur binnen so kurzer Zeit zu entzündlichem Material, dass er seine Kommandos in diffusen Urschrei-Attacken herausbellte.

Nervenzehrendsten Minuten in der Geschichte des Dschungelcamps

Geh! Mach! Los! Bitteeee! Als hätte der Drill Instructor aus "Full Metal Jacket“ in einem nordkoreanischen Bootcamp ein Demo für eine norwegische Screamo-Band aufgenommen. Runter mit der Lautstärke am Fernseher und zügig nachgeschenkt - diese Minuten dürften als die wohl nervenzehrendsten in der Geschichte des Dschungelcamps hängenbleiben. Und Mola Adebisi seinen Titel als kumpelschweinigster Mitbewohner ever endgültig los sein. Obwohl - ein paar Pluspunkte machte Tricky-Ricky doch noch. Der Griff in die Tratschkiste mit den Zickenkriegsberichten aus seiner Talkzeit war schon hörenswert. Haben Vera (erinnert sich jemand?) und Sonja dem Kleinen doch das Schild mit seinem Namen in Blinke-blinke-Schrift wieder abbauen lassen. Muss man sich mal vorstellen.

Kaum vorstellbar dagegen, wie Ricky Harris, nachdem die Fürstin also aufgegeben hatte, den schmalen Balken dort oben auf und ab ging und so - vor unser aller Augen - seine Höhenangst einfach weglatschte und sich danach kaum beruhigen konnte: "Das geht hier so tief rein. Ich bin so stolz auf mich“ stammelte der sichtlich Unzurechnungsfähige vor sich hin. Oder ist Mobby Rick einfach nur irre geworden? Warum wird so einer nicht aus dem Camp genommen? Stichwort Selbstschutz.

Stattdessen erwischte es den verbliebenen Senior. "The Rolfenant" ist schon wieder Geschichte, Zacher wurde zurückgepfiffen. Aus Gesundheitsgründen. Was wiederum auch deswegen schade ist, weil genau jene Momente zwischen Menderes und ihm zum Rührendsten seit "Miss Daisy und ihr Chauffeur" gerieten. Gerade hatte Florida-Rolf noch fröhlich geflötet, da setzte ihm zunehmend erst das ewige Labern, Labern, Labern zu, anschließend packte ihn die Sehnsucht nach seiner Liebsten, nach Babe.

Zacher in Tränen aufgelöst, Menderes tröstet

Was für emotionale Bilder das waren: Zacher als tränenüberströmter Treehugger, Menderes als Trostspender. Ein Weinkrampf namens Babe. Und ein Ausstieg der Vernunft. Servus, Rolf, und nimm’ den David gleich mit. Womit dann wohl auch die letzten Hoffnungen auf Sex im Camp erloschen sind. Bei der Schatzsuche hatten Ortega und Natalie eine Nacht im Dunkeln verbracht, zuvor einander zaghafte Sympathiebekundungen zugestammelt, und wer weiß - vielleicht hätte es im Tümpel tatsächlich nochmal geschnackselt. Das Publikum hatte unverständlicherweise etwas dagegen und so musste Senor Ortega nun seinen Hut nehmen.

Und was gab es Neues aus Silikon Wolley? Ein wunderbarer Exkurs in die Welt der Promi-DJs: "Das ist mehr als ‚Ich drück mal ‚nen Knopf‘ und dann Halligalli machen!“ Na, wenn das Giulia Siegel hört. Und was macht "The Danish Girl“? Sitzt das Ganze aus wie ein US-Präsident Mitte der zweiten Amtsperiode. Als lame duck zum Titel? Det virker ikke, Fru Nielsen.

Was bleibt als Fazit? Allen leisen Nörglern, die da begannen zu behaupten, dieses Camp könnte sein Pulver schon verschossen haben, zu viel Harmonie die Sollbruchstellen verkleben, denen dürften die gestrigen Ereignisse das Brillenglas gebrochen haben. Nicht genug Feuer unterm Dach? Im Gegenteil: Nach acht Tagen ist endültig der Firnis der Zivilisation gerissen.

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