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Thorsten Legat, Dschungel-Kandidat der Herzen

Ab ins Dschungelcamp: Thorsten Legat war früher als beinharter Verteidiger gefürchtet. Im richtigen Leben kämpft er vor allem gegen die Dämonen seiner Kindheit. Im RTL-Camp wird ihn nichts schocken.

Dschungelcamp-Kandidat Thorsten Legat jubelt beim Promiboxen

Dschungelcamp-Kandidat Thorsten Legat im September 2014 nach seinem Sieg über Trooper Da Don beim RTL-Promiboxen in Düsseldorf

Menschen, die sich nicht scheuen, auch mal einen Kraftausdruck zu verwenden, schieben gerne ein hastiges "auf Deutsch gesagt" hinterher. Es sind Menschen, die übertriebene politische Korrektheit eigentlich für Zeitverschwendung halten, aber das Herz am rechten Fleck haben. Besonders häufig sind solche Menschen im Ruhrgebiet anzutreffen. Eben Menschen wie Thorsten Legat.

Vor wenigen Wochen machte der ehemalige Fußballbundesliga-Profi Schlagzeilen mit seiner ersten Pressekonferenz als Trainer des Landesligisten FC Remscheid, auf der er sich mit knackigen Ansagen wie dieser vorstellte: "Man geht auch mal freitags schön weg, ballert sich den Arsch voll, auf Deutsch gesagt, Entschuldigung für diesen Ausdruck. Aber nicht mehr bei mir!"

Legat sagte schon als aktiver Profi gerne Sachen "auf Deutsch". Zum Beispiel antwortete der Kraftprotz damals auf die Frage, wie er denn zum Bodybuilding gekommen sei: "Immer die Castroper Straße rauf!" Als der knochenharte Verteidiger zum VfB Stuttgart wechselte, sagte er über Spätzle: "Die hab ich noch nicht probiert, aber im Allgemeinen mag ich Geflügel."

Legat im Dschungelcamp? Ein Glücksgriff der RTL-Macher

Klar, dass die cleveren Macher von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" nicht lange fackelten und den 47-Jährigen nach dem Hype um die Remscheid-PK für die zehnte Staffel der RTL-Show verpflichteten. Um in der Fußballersprache zu bleiben: Sie witterten das Potenzial des gebürtigen Bochumers und tätigten einen Glücksgriff auf dem hart umkämpften Transfermarkt der C- bis Z-Promis.

Fernseherfahrung hat Legat in den letzten Jahren bereits gesammelt: Beim "Promiboxen" vermöbelte er mit irrem Blick den chancenlosen Rapper Trooper Da Don; bei der Kochshow "Hell's Kitchen" brach er in Tränen aus, weil er seine Frau und die gemeinsamen Kinder so vermisste - obwohl er zu jenem Zeitpunkt gerade einmal vier Tage lang nicht bei ihnen sein konnte. "Ein Thorsten Legat", wie er sich selbst gerne bezeichnet, ist nämlich nicht nur ein harter Hund, sondern auch ein sensibler Kerl mit schwieriger Vergangenheit.

In seiner Autobiografie "Wenn das Leben foul spielt" schildert Legat in Kapiteln wie "Mein Vater war ein Schwein" jahrelange Gewalt und sexuellen Missbrauch durch seinen Vater Gerhard. Der junge Fußballer flüchtet sich in den Alkohol, wird von Selbstmordgedanken geplagt und kompensiert die traumatischen Erfahrungen auf dem Platz: "Wenn ich in ein Fußballspiel ging, sah ich in den direkten Gegenspielern meinen Vater und nahm mir vor: Den hau ich um!"

Immer wieder fällt Legat mit Eskapaden auf: In der Silvesternacht 1996/97 prügelt er einen Mann, von dem er sich bedroht fühlt, ins Krankenhaus; als er 1999 seinem Mannschaftskollegen Pablo Thiam das Wort "Negersaft" auf die Trinkflasche schreibt, erhält er die fristlose Kündigung vom Verein; 2007 bedroht er auf einem McDonald's-Parkplatz ein paar Jugendliche, die ihn nach einem Autogramm fragen, mit einem Samurai-Schwert.

Legendär dagegen Legats Streich auf dem Mannschaftsfoto des FC Schalke 04 für die Saison 2000/01, als er sich die Hose bis unter die Achseln zieht. Daraus resultierte zwar das lustigste Mannschaftsfoto der Bundesligageschichte, aber das Shooting musste wiederholt werden.

FC Schalke 04 Mannschaftsfoto Saison 2000/01

Hose bis unter die Achseln gezogen: Mit seinem Scherz machte Thorsten Legat das Mannschaftsfoto des FC Schalke 04 für die Saison 2000/01 legendär

Dieser spezielle Sinn für Humor und seine dramatische Biografie machen Legat schon jetzt zum heißen Kandidaten auf den Dschungel-Thron. Er ist ruhiger geworden, souveräner, verheiratet, hat zwei Söhne: "Ich will ein guter Vater für meine Familie sein. Ich habe sehr große Angst zu versagen. Denn ich weiß, woher ich komme - dahin möchte ich nie wieder zurück."

Dschungelcamp: "Merkwürdig, was da für Kreaturen dabei sind"

Stattdessen wagt er sich nun vor in den australischen Dschungel. Für die harten bis absurden Herausforderungen der Reality-Show scheint Legat prädestiniert, weil er schon sein ganzes Leben kämpft - meistens, weil er muss, manchmal, weil er Lust darauf hat. Dass ihn womöglich eine zweiwöchige Mangelernährung erwartet, macht ihm nichts aus: "Ich habe keine Angst, ich bin auf der Straße großgeworden und weiß, was Hunger bedeutet." Fürs Camp habe er 14 Kilo abgespeckt: "Als ich vor 28 Wochen die Zusage bekommen habe, dass ich dabei bin, musste ich mich natürlich vorbereiten." Mit Blick auf die Konkurrenz sagt er nur: "Merkwürdig, was da für Kreaturen dabei sind."

Jedenfalls keine Kreatur wie "ein Thorsten Legat". Der alte Kämpfer ist schon jetzt der Sieger der Herzen. Weil er einfach ein geiler Typ ist. Auf Deutsch gesagt.

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