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20. Januar 2012, 01:40 Uhr

Der Rabe bekommt das große Flattern

Martin Kesici gibt den Telefon-Mann, Micaela Schäfer die Exhibitionistin und Ramona Leiß regiert das Camp mit fester Hand. Einer jedoch tanzt aus der Reihe: Vincent Raven spricht von Abflug. Eine Drohung, die nach der Show jedoch ein anderer wahr machte. Von Ingo Scheel

Ich bin ein Star, holt mich hier raus, Dschungelcamp, Ailton, Zietlow, Bach, RTL, Micaela

Ein Mann am Seil: Weil Vincent Raven die Schatzsuche gegen Rocco Stark verlor, lief er im Camp beinahe Amok© RTL

Eine Woche Wahnsinn hat das Dschungelcamp jetzt hinter sich gebracht, und die Bilanz ist schlicht wie das Gemüt der Kandidaten: Micaela Schäfers Brüste sind längst Standard, die Verpflegung ist zumeist poor, Ramonas Stimmungsbild vornehmlich moody, ergo: Ums Triple-D-Rating müssen sich diese elf Camper keine Sorgen machen. Und nachdem am Vortag das Matratzen-Intermezzo von Rocco und Kim, die wohl herzergreifendste Romanze seit Elton John und Renate Blauel, das Thema des Tages war, schoben sich diesmal wieder die üblichen Verdächtigen in den Fokus.

Als hätten es ihr die grauen Herren des Nachts eingeflüstert, machte Radost ausgerechnet Ramona zur Teamchefin, und die Auserwählte übernahm die Kommandobrücke im Handstreich. Zunächst noch gab die "alte" Ramona ihre Visitenkarte ab und fragte das verdutzte Dschungelvolk, wie es mit den Klogängen so läuft und was die Verstopfung macht, danach verteilte sie die To-Dos erstaunlich aufgeräumt und mit professionellem Händchen. Kochen, Klo, Putzen - alles unter Dach und Fach. Und als ein wenig Unruhe aufkam, weil für die Chefin selbst bei all dem Outsourcing nur noch die gepflegte Morgen-Zigarette auf der Pritsche übrigblieb, reagierte sie ebenso pragmatisch auf das Beben der Anderen. "Lasst uns dazu übergehen, nicht so viel Widerworte zu geben."

Die wiederum würde manch einer gern Micaela geben, macht es dann aber dennoch nicht. Stattdessen lässt man sie salbadern und palavern, dass sogar Domian dabei den Hörer auflegen würde. Sex hier, Verkehr da - am liebsten würde sie einem Typen dabei zusehen, der es mit einer vollbusigen Blondine treibt. Ob die "FHM" sich die Werbekampagne fürs aktuelle Heft so vorgestellt hat?

"Der Gestank ist in meiner Seele"

Derweil gingen die Raben mit Vincent dermaßen durch, dass selbst Ailton das Dösen unterbrach und einen Moment das Kinn nach oben reckte. Auslöser war die verlorene Schatzsuche gegen Rocco Stark. Dabei war Raven in eine übelst riechende Güllegrube gefallen. Der Exkrementalist stand anschließend kurz vor dem Kollaps: "Mein Arsch, mein Schwanz - alles stinkt nach Scheiße" ergriff den Schweizer das Dschungelfieber. Fluchend, gestikulierend, mit wütenden Tränen im Gesicht, verstieg er sich in ein manisches Manifest, zusätzlich befeuert vom viel zu niedrigen Nikotinspiegel. "Der Gestank ist in meiner Seele, ich bin die Scheiße", das fäkale Fazit des Magiers. Würde David Lynch den "Räuber Hotzenplotz" verfilmen, das hier wäre sein Petrosilius Zwackelmann.

Der Satz, mit dem sich Vincent hätte erlösen können, wollte ihm dennoch nicht über die Lippen: "Ich bin ein Star - das werde ich nicht rufen, weil ich keiner bin. Michael Jackson ist einer. Und die Brigitte Nielsen ist ein Hollywood-Star, aber wir anderen alle sind keine Stars." Ein schmerzhaft realistisches Aufflackern im Hypotalamus des Vincent Raven. Am Ende ist es eine simple Waschung im Camp-Tümpel, die ihn wieder halbwegs auf Vordermann bringt. Die Truppe blieb also vollzählig - vorerst, wie sich zeigen sollte, die Routinen gingen ihren gewohnten Gang. Plaste und Elaste von Frau Schäfer, geflüsterter Zickenterror aus der guten, alten TicTacToe-Schule und schließlich das Ende allen Dämmerns, zumindest zwischenzeitlich, für das "vierfingrige Faultier".

Karrenbauer, Knappik und Langhans am Apparat

Martin Kesici unterbrach sein Sieben-Tage-Nickerchen, um zur Dschungelprüfung anzutreten. Drei Anrufe von Camp-Recken aus dem Vorjahr musste er entgegennehmen und unter erschwerten Bedingungen Quizfragen beantworten. Am Apparat dabei: Katy Karrenbauer, Rainer Langhans und Sarah Knappik. Manch einer wird beim Gedanken an die Psychosause des Vorjahres geseufzt haben. So schön wird's wohl nimmer mehr. Dem Kesici war's eins, der zeigte sich ungewohnt aufgeweckt und holte sieben Sterne.

Um so erstaunlicher die Nachricht, die am Morgen von RTL bestätigt wurde: "Martin Kesici verlässt das Camp."

Sei's drum. Bei der nächsten Prüfung, der letzten, für die das Fernsehpublikum den Kandidaten wählt, muss nun Brigitte Nielsen ran. Ihre Mitbewohner dürften ob der zu erwartenden Sterne optimistisch sein. Eine ausgedehnte Rollkur hat die dänische Diva hinter sich, nach sieben Tagen Lagerluft sieht sie mittlerweile aus wie Wolfgang Joop an einem guten Tag und dürfte für den "Schlussverkauf", so das Motto der Dschungelprüfung, auf den Punkt fit sein.

Von Ingo Scheel
 
 
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