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"Wir Alten lassen uns nicht unterkriegen"

Ingrid van Bergen ist Dschungelkönigin. Die älteste in der Geschichte von "Ich bin ein Star...". Im Interview mit stern.de appelliert die 77-Jährige an ihre Generation, sich nicht vom Jugendwahn beeindrucken zu lassen, rechnet mit Giulia Siegel ab und verrät ihren großen Traum, den sie sich jetzt erfüllen will.

Von Katharina Miklis

  • Katharina Miklis

Am Ende siegte das Alter. Ingrid van Bergen, mit ihren 77 Jahren weitaus älter als die beiden Finalisten Lorielle London, 25, und Nico Schwanz, 31, zusammen, wurde im Finale von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" zur Dschungelkönigin gewählt. Ihre Natürlichkeit hat gesiegt, ihre Altersweisheit und vor allem ihre direkte Art. Es war ein Sieg für ihre Generation, verrät sie im Interview, das sie stern.de direkt nach einer "furchtbaren Nacht" in Freiheit gab.

Herzlichen Glückwunsch Frau van Bergen. Wie war Ihre erste Nacht in Freiheit und Luxus?

Schlecht war es. Ganz schrecklich. Ich habe mich zu sehr an das Dschungelcamp gewöhnt. Ich bin zwar froh, dass die Tiere ihr Biotop wieder für sich haben. Aber ich habe einfach viel zu große Sehnsucht danach.

Millionen Menschen haben das Dschungelcamp vor dem Fernseher verfolgt. Ein Großteil hat tagtäglich für Sie angerufen. Was sagt es über Deutschland aus, dass die Zuschauer Sie als Siegerin gewählt haben?

Nun, es hat mich schon sehr erstaunt, dass ich trotz dieses Jugendwahns gewonnen habe. Wie ich gehört habe, hat vor allem die Jugend für mich votiert. Darüber habe ich mich unheimlich gefreut. Dass auch die Älteren ernst genommen werden, ist ein gutes Zeichen für unsere Gesellschaft.

Womit haben Sie die Jugend überzeugt?

Ich denke, dass auch die Jugend dadurch zu beeindrucken ist, dass jemand in meinem Alter alle Hindernisse auf sich nimmt und vorwärts marschiert - wie die Jugend selbst. Für die jungen Menschen nehme ich in diesem Sinne einen Vorbildcharakter ein. Die finden das toll und denken sich: 'Wenn ich so alt bin, möchte ich auch so sein!'.

Vielleicht bewundern sie auch Ihre zum Teil knallharte Direktheit...

Ich bin, wie ich bin. Ich habe da keine Strategie. Ich will niemanden verletzen. Ich würde eine Wahrheit nicht aussprechen, wenn sie einen Menschen kränken würde. Aber ich bin nun mal auch bekannt für meine Aufrichtigkeit, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben. Was ich sage, das sage ich mit Überzeugung. Ohne Punkt und Komma. Ohne Windungen. Das macht mich aus.

Was wollten Sie den Menschen hinsichtlich Ihrer Generation beweisen?

Ich wollte zeigen, dass mit uns zu rechnen ist. Sowohl physisch als auch psychisch. Und dass wir uns solchen Herausforderungen von Zeit zu Zeit einfach stellen müsssen, um zu beweisen: 'Wir sind da! Wir gehören nicht zum alten Eisen. Wir Alten lassen uns nicht unterkriegen, wir lassen uns nicht ausrangieren!'.

Und was sollen Menschen Ihres Alters von Ihrem beherzten Auftritt lernen?

Dass sie auf keinen Fall resignieren dürfen. Dass sie niemals aufgeben sollen. Und dass sie immer den Blick nach vorne richten. Ich bin Anhängerin des positiven Denkens. Alter hat damit überhaupt nichts zu tun. Ob ich fit im Gehirn oder körperlich fit bin, das liegt an mir. Das muss man trainieren. Es ist falsch, wenn Menschen mit 65 in Rente gehen und sich dann plötzlich fallen lassen. Man muss immer dranbleiben. So wie ich. Oder wie Jopi Heesters.

Das Dschungelcamp ist, wenn man so will, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Verschiedene Gruppen waren im Camp vertreten. Was konnten Sie als Vertreterin der Senioren Ihrer Gemeinschaft geben?

Wenn jemand, der so alt ist wie ich, so weit kommt, dann stärkt das die Gruppe. Durch mich haben die anderen gelernt, nicht aufzugeben. Weil die sich gedacht haben: 'Wenn die das schafft, dann schaffe ich das auch'.

Die meisten Promis gehen ins Camp mit der Hoffnung, der brachliegenden Karriere einen Kick zu geben. Was meinen Sie, was kommt jetzt auf Sie zu?

Keine Ahnung. Ich lasse immer alles auf mich zukommen. Deswegen habe ich auch keine Prognosen für das Finale aufgestellt.

Wenn RTL Ihnen jetzt anbieten würde eine Show zu moderieren, würden Sie annehmen?

Ja, das würde ich.

Was wäre da Ihr Traum. Gibt es etwas, was Sie schon immer mal vor der Kamera machen wollten?

Ja. Ich bin Komikerin. Schon immer gewesen. Ich habe schon in den 50er Jahren politisches Kabarett gemacht. Ich bin seit 56 Jahren im Beruf. Leider wurde ich sehr oft für ernste Rollen besetzt. Es gibt sehr wenig komische Rollen und wenn, dann werden die von Männern gespielt. Ich habe mir immer schon gewünscht, dass jemand eine Serie schreibt für eine Frau, die komisch ist. Ich will die Leute amüsieren.

RTL stellt jetzt sicherlich die Ohren auf. Da werden Angebote kommen...

Ja, das wär schön.

Lesen Sie auf Seite 2: Ingrid van Bergens Abrechnung mit Giulia Siegel und warum es für van Bergen von Vorteil war, als einzige keine operierten Brüste zu haben

Frau van Bergen, Sie haben mit Ihren 77 Jahren so viel erlebt. Sie waren ein großer Star. Dann der Absturz. Wegen Totschlags mussten Sie ins Gefängnis... Trotzdem sagten Sie gestern, das Dschungelcamp wäre Ihre größte Erfahrung gewesen. Warum?

Die Verbindung der Natur - diese Regenfälle hier waren überwältigend - und der Tierwelt mit dem Urwald, das war unbeschreiblich. Außerdem konnte man das Gruppenverhalten der Menschen studieren. Wenn zehn Menschen auf engstem Raum zusammengefercht werden, das ist eine sehr interessante Erfahrung. Da merkt man, an welche Grenzen man selber stößt. Das zu erkennen war für mich persönlich sehr wichtig.

Alle anderen Frauen im Camp hatten operierte Brüste und andere Schönheitskorrekturen über sich ergehen lassen. Hat Ihre Natürlichkeit letztlich gesiegt?

Ja, das denke ich schon. Sehen Sie, ich musste mir keine künstlichen Brüste einsetzen lassen. Ich muss nicht ewig an mir rumstylen. Ich war einfach mehr oder weniger ungeschminkt. So wie ich bin. Und das Publikum wusste das zu estimieren. Diese Oberflächlichkeiten waren gar nicht nötig.

Waren die jungen Frauen im Camp vielleicht viel zu sehr mit Konkurrenzdenken und ihrer Außenwirkung beschäftigt?

Auf jeden Fall. Und das finde ich sehr äußerlich. Wir befinden uns ja nicht auf einem Laufsteg sondern im Dschungel. Der Urwald hat besondere Anforderungen. Statt nackte Haut zu zeigen, muss man sich doch eher mit Kleidung schützen, vor Insekten und anderen Tieren. So leicht bekleidet im Busch rumzuhüpfen ist unnatürlich.

Giulia Siegel hatte sich vor dem Dschungelcamp extra noch unters Messer gelegt. Im Camp zeigte Sie sich dann aber von ihrer "hässlichen" Seite und ging verbal mehrfach auf Sie los...

Giulia Siegel bedarf dringend irgendeiner Hilfe. Sie hat ein Verhalten gezeigt, das nicht so einfach zu erklären ist. Das müsste mal jemand therapieren und analysieren. Das hat vermutlich Ursprünge in der Kindheit. Wir Menschen sind Herdentiere. Gruppenverhalten ist wichtig und muss erlernt werden. Das ist ein schwieriger Prozess für Menschen, die in behüteten und reichen Verhältnissen alleine aufwachsen. Aber der Mensch ist ja lernfähig. Ich hoffe für sie.

Wird es nach all den Anfeindungen jetzt noch ein klärendes Gespräch mit Frau Siegel geben?

Nein, ich lasse es auf sich beruhen. Es hat ja im Camp schon ein Gespräch von anderer Seite aus gegeben, das bewiesen hat, dass Giulia darüber gar nicht reden will. Als wir ihr nahegelegt haben, dass ihr Verhalten und ihre Art Menschen schockiert, hat sie gesagt, das wäre Blödsinn und das läge daran, dass die anderen so ungerecht zu ihr wären. Und daran sehe ich, dass ein Gespräch gar keinen Sinn hat.

Während Ihrer letzten Minuten im Camp sahen Sie gestern Abend aus, als würden Sie ein Stoßgebet gen Himmel senden. Sind Sie religiös oder was haben Sie da gedacht?

Ich bin Buddhistin. In dem Moment war ich einfach überrascht und überfordert. All denjenigen, die mir das ermöglicht haben, mich dieser Prüfung zu unterziehen, denen habe ich in diesem Moment gedankt.

Was wird sich jetzt für Sie ändern, Frau van Bergen?

Ich werde mich nicht ändern. Ich werde immer so bleiben, wie ich bin. Ich bin Schauspielerin und natürlich darauf angewiesen, dass die Medien sich mit mir beschäftigen. Möglicherweise entsteht etwas Positives daraus. Aber das wird man abwarten müssen. Morgen verlasse ich Australien erstmal in aller Herrgottsfrühe. Und heute Abend trifft sich das ganze Team, also nicht nur wir zehn, sondern alle die beteiligt waren, zu einem Umtrunk.

Frau van Bergen, Ihre letzten Worte als neue Dschungelkönigin an das Volk...

Die Leute sollen die Herausforderungen, die das Leben stellt, annehmen. Man darf sich nie drücken. Wenn man hinfällt, wenn man mal eine Prüfung nicht besteht, dann soll man immer wieder aufstehen. Hinfallen kann man so oft man will. Aber man muss immer wieder aufstehen. Nicht nur um anderen etwas zu beweisen, sondern vor allem um sich selbst etwas zu beweisen. Der Mensch ist abhängig von seinen Selbstwertgefühlen. Das darf nie verletzt werden. Weder von sich selbst noch durch andere. Man muss auch mal seine eigenen Grenzen überscheiten können, wenn es einen im Leben weiterbringt. Das habe ich stellvertretend für meine Generation bewiesen. Und ich würde es immer wieder machen.

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