Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Stern Logo Dschungelcamp

Die drei Fragezeichen

Menderes, Jürgen und ein Legat kurven orientierungslos im Dschungel-Parcours herum. Bohlens Liebling muss auf die Hinterbank - noch. Menderes' Chancen auf die Dschungelkrone stehen bestens.

Von Simone Deckner

Thorsten Legat musste dem "blinden" Fahrer Jürgen Milski den Weg weisen

Dschungelprüfung an Tag 14: Thorsten Legat musste dem "blinden" Fahrer Jürgen Milski den Weg weisen

Warum wir das Dschungelcamp trotz dramaturgischer Schwächen auch an Tag 14 noch gucken? Weil die Fronten so schön knüppelhart sind: Brain gegen Body, Höhlenmensch gegen Hilfsanwältin, Silikonhupen gegen Winkefleisch. Im Dschungelcamp ist die Welt noch schwarz-weiß, das beruhigt - insbesondere, wenn andernorts gerade alle völlig abzudrehen scheinen.


Kaum etwa ist Nathalie Volk nach 13 Tagen Waschen, Bürsten, Legen wieder draußen, plaudert sie aus, dass sie den millionenschweren Katalog-Erben Frank Otto datet. Nur 39 Jahre und gefühlt fünfzig Kilometer Bücherregale trennen die beiden Turteltauben. Dennoch fragt man sich kopfkratzend, wieso das schnarchnasige Schneewittchen diese Mörder-Meldung nicht quotenwirksam am Lagerfeuer zwischen den blutroten Lippen herauspresste? Versteh einer diese jungen Leute!


Thorsten Legat hat ein Rechts-Links-Problem

Auch sonst hätten wir noch Fragen: Ist das, was der Typ in der Trivago-Werbung da immer nuschelt, holländisch? Warum muss man 18 Jahre alt sein, um twittern zu dürfen, für Instagram aber langen 12 Jahre? Wann nimmt Jens Lekman endlich mal wieder ein gutes Album auf? Müssen wir jetzt eigentlich alle unser Olivenöl weg kippen? Könnte es rein technisch nicht doch möglich sein, dass Hunde irgendwann von selbst satt sind? Und warum kann man auf einem Tag, an dem alles schief läuft, nicht einfach Zimt streuen wie auf einen Pfannkuchen?

Was hingegen klar ist: Thorsten Legat hat ein Rechts-Links-Problem. Das ist selbst von Dumm-Geschoss Höllena nicht wegzudiskutieren. Die Misere zeigte sich bei der Dschungelprüfung - einer Art Mini-Formel-1-Parcours. Wie Legat dem bemitleidenswerten Bruchpiloten Jürgen (kurvte mit Augenbinde umher) ein ums andere Mal die falsche Richtung ins Ohr brüllte ("Jetzt links einschagen!", "Links, nu' mach doch mal!", "Halblinks!", "das andere links!"), das hatte fast schon Loriot'sche Ausmaße. 

Auf der Hinterbank wedelte ein vermummter Menderes mit den Armen herum, aber der jecke Jürgen und sein kopfloser Copilot verhinderten erfolgreich einen Sieg.

Dschungelcamp gewann meist ein Underdog

Legat kann noch etwas nicht, obwohl Ex-Profi: Die Reaktion der Zuschauer antizipieren. Es geht im Dschungelcamp eben nicht um "die reine Unterhaltung", wie er kürzlich mutmaßte.Wenn dem so wäre, hätten die Zuschauer Schlagersänger und "Wenn die Frau zickt, hat 'se woll ihre Tage"-Jürgen  ja nicht erst gestern, sondern schon viel früher dorthin geschickt, wo der Pfeffer wächst. Das ist entgegen anderslautender Hinweise übrigens nicht die Schinkengasse auf Mallorca.

Schaut man sich die Dschungelkönige der vergangenen Jahre an, wird eins klar: Es ist zumeist nicht derjenige Kandidat, der die größte Show abgezogen hat, der am Ende den Dschungelthron besteigen darf. Die Zuschauer neigen - von ein paar Ausreißern wie Désirée Nick und Brigitte Nielsen abgesehen - dazu, sich für den vermeintlichen Underdog zu entschieden.

Der heulende Dschungelkönig 

Im vergangenen Jahr gewann mit Maren Gilzer eine einstige "Buchstabenfee", die in einer Prüfung gestand, sie könne eigentlich nichts so schlecht wie buchstabieren. 2013 ergatterte ein syntaktisch angeschlagener Springinsfeld, dessen Namen vorher nun wirklich niemand kannte, den Sieg, weil er zeigte, dass Herzblut oftmals wichtiger ist als eine korrekte Satzkonstruktion.

2011 durfte mit Peer Kusmagk ein Dschungelkönig das Zepter recken, der lange Zeit nur Gespräche mit einem ramponierten Kuscheltier namens "Schotti" führte. Auch die mit allen Eau de Colognes dieser Welt gewaschene Ex-Knastschwester Ingrid van Bergen und ein Rotz Antony gewann trotz (oder wegen?) sturzflutartiger Heulerei.

Menderes macht alles richtig im Dschungelcamp

Es müsste deshalb schon noch etwas sehr Außergewöhnliches passieren, um Menderes ("C'mon! C'mon!") die Blätterkrone noch vom Kopf zu reißen. Er ist als "Witzfigur" (eigene Worte) ins Camp gegangen.

Als ewiger DSDS-Kandidat, als einer, der es nicht wahrhaben will, dass er es nicht kann. Weil Menderes im Dschungel aber nicht singen muss, um weiterzukommen, macht er bislang alles richtig. 

Er hilft, kümmert, hängt sich rein und hält ansonsten auch mal die Klappe - im Gegensatz zu Höllena, bei der irgendjemand augenscheinlich vergessen hat, den Notausschalter einzubauen. Sie diskutierte und diskutierte, obwohl sie zuvor wissen ließ, niemand verstehe sie im Camp und sie könne sich auch gleich "mit einem Stück Holz unterhalten" statt mit den anderen. Man wünschte sich kurzzeitig auch Rastas, um seine Ohren damit zu verstopfen.

Menderes ist kein Held. Na und?

Menderes hingegen ruft beim Zuschauer ähnliche Beschützerinstinkte wach wie das niedliche Faultier aus Ecuador, dass sich jüngst ängstlich an einen Pfosten an einer vielbefahrenen Straße klammerte. Schön aber, dass der zarte Jüngling glaubt, er könne eine ausgewachsene Amazone wie Brigidde beschützen. Vor Schlangen, die im Camp umkerkrauchen etwa.

Wir wissen es besser: Menderes ist kein Held. Er ist kein Schönling. Und auch keine Intelligenzbestie. Menderes ist ziemlich schüchtern. Aber ausdauernd. Dass er noch dazu der höflichste Mensch der westlichen Fernseh- Hemisphäre ist, schadet ihm dabei keineswegs.

Menderes ist authentisch, Thorsten Legat nicht

In einer Zeit, in der es als normal gilt, andere gnadenlos wegzuboxen - in der U-Bahn, bei Facebook oder auf der Arbeit - ein unerwarteter Lichtblick. Seine leise Höflichkeit hat nichts Strategisches. Sie ist das Gegenteil eines "Ich bin einfach authentisch"-Gebolzes eines Thorsten Legat, der wie so viele Menschen, authentisch mit ungehobelt verwechselt.

Außerdem kann jemand, der einen Song veröffentlicht, in dem die Textzeile "und wenn sich alle am Bewegen sind, wir sind nicht nur dabei, sondern wir sind mittendrin" kein ganz schlechter Mensch sein. Selbst die ehemalige Dschungelkönigin Brigidde will ihn jetzt auf dem Thron sehen. Nur noch 48 Stunden.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools