27. Januar 2012, 04:05 Uhr

Der Rabe und der Reis

Im Lager kommt es zu einem bizarren Reis-Scharmützel zwischen Rocco Stark und Vincent Raven, der anschließend das Dschungelcamp verlassen muss. Insgesamt eine dröge Veranstaltung - es sei denn, man sieht die Welt durch die Ailton-Brille. Von Björn Erichsen

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Es gibt Reis, Baby - aber wehe im Topf ist zu viel Wasser! Beim Kochen an der Feuerstelle gab es ein bizarres Scharmützel©

Eine Tasse Reis, drei Tassen Wasser – "Dann kommt es gut." An diesem alten Familienrezept lässt Vincent Raven nicht rütteln. Immerhin hat ihm Muttern den Küchentipp höchstselbst ins Kochbuch diktiert. Und nun kommt einfach Rocco Stark daher und kippt "viel zu viel Wasser" in den Reistopf. So nicht! "Hör auf, mich anzustürmen", schimpft Vincent und kocht nun selbst – innerlich sowieso, aber jetzt auch hauptverantwortlich an der Feuerstelle. "Du hast mich doch angestürmt", versucht der kecke Rocco einen klugen Konter und wagt sogar, den Deckel des Topfes anzuheben. Ein schwerer Fehler, denn nun explodiert der Magier: "Rocco, hör auf mit mir zu stürmen", droht er. "Jetzt geh aufs Bett, sonst gibt es Krach!"

So bitter es ist: Der stürmische Streit um den Wasserstand im Reistopf ist bereits der Höhepunkt der Sendung am Donnerstagabend. So langweilig war das Dschungelcamp schon lange nicht mehr. Zwar schauen allabendlich rund sechs bis sieben Millionen Zuschauer zu, der aktuellen Staffel mangelt es aber schlichtweg an sozialer Wildnis. Es fehlen die polarisierenden Figuren: Da gibt es weder hassenswerte Giftspritzen wie Caroline Beil oder Désirée Nick, noch echte Ego-Expander à la Sarah Knappik oder Peter Bond. Neben Brigitte "Oh my God!" Nielsen existieren da ja nur noch Kim Debkowski, Rocco und die blanke Brust von Micaela Schäfer, für die der Dschungel nicht Resterampe, sondern ein ernstzunehmender Karrierebaustein ist.

Rauchschwaden im Dschungel

Bei RTL ist man da vermutlich dankbar, dass zumindest Vincent die charakterlichen Eigenschaften mitbringt, um einen schlichten Haushaltstipp in eine ausgedehnte Vendetta zu verwandeln. Mit seiner großen Kochshow klappt es dann allerdings nicht so. Der Reis des Raben ist weich und angebrannt, und zwischendrin entzündet sich auch mal das Fett in einer Pfanne, sodass dichte Rauchschwaden durch den Dschungel ziehen. An der Feuerstelle entsteht ein derartiges Durcheinander, als habe Brigitte heimlich den dänischen Chaos-Koch aus der Muppet-Show ins Dschungelcamp geschleust.

Am Ende der Sendung muss Vincent gehen - und das kommt für ihn persönlich keinen Tag zu spät. So innig wie der bekennende Kettenraucher hat bisher noch keiner im Camp um seinen Rauswurf gebettelt. "Ich freue mich sehr", strahlt er nach der Verkündung des Publikumsvotings - nun geht es bald zurück in die Heimat: Raus aus der "roten Tuntenhose", zurück zu seinen Raben und seinen 80 Zigaretten täglich. Und endlich wieder drei Tassen Wasser auf den Reis! Bei dem Muffel-Magier ist schwer einzuschätzen, wie sich das Camp auf seine Karriere auswirken wird. Ist es wirklich ein Vorteil, dass das Publikum ihn nun besser kennt?

Wasserspiele im Waschzuber

Zur jetzigen Staffel passt auch der Erotik-Faktor des aktuellen "Dschungeltraumpaares". Bussi auf die Stirn, Öhrchenknabbern, angezogen Löffelchenliegen - viel mehr ist bei der Popcorn-Liebelei von Rocco und Kim nicht drin. Nun wünscht sich sicher niemand das Schummel-Gefummel von Indira und Jay Khan aus dem letzten Jahr zurück. Doch die gemeinsamen Wasserspiele im Waschzuber, zu denen Kim und Rocco während einer Schatzsuche verdonnert werden, langweilen sogar das Moderatorenduo. Einen Sex-Appeal wie bei Loriots Badewannen-Cartoons ("Herr Müller-Lüdenscheidt!"), befinden sie, und Sonja Zietlow bringt es schließlich auf den Punkt: "Da fehlt eigentlich nur noch das Playmobil-Piratenschiff."

Um sich die ganze Veranstaltung bis zum Finale am Samstag noch ein bisschen schöner zu reden, hilft ein Blick durch die Ailton-Brille. Der kleine Ex-Kicker ist entgegen seiner Natur ziemlich nachdenklich nach seinem Rauswurf. Beim besten Willen kann er nicht verstehen, warum nicht mehr Leute für ihn angerufen haben. Doch nach dem ersten doppelstöckigen Cheeseburger in Freiheit ("Wie Orgasmus - besser als Sex mit Topmodel!") kommt seine Laune schnell wieder. "Akku wieder voll - Ailton ist Ailton und das immer gewinne" - bringt er seine Welt zurück in ihre Fugen. Bis zu seiner Abwahl habe er es schließlich im Dschungel ausgehalten - so seine bestechend einfache Argumentation. Und das zeigt mal wieder was? Von Ailton lernen heißt siegen lernen.

Von Björn Erichsen
 
 
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