26. April 2009, 08:58 Uhr

Annemaries Gespür fürs Austeilen

Weil Annemarie Eilfeld in diesen Tagen kollabiert war, brachte Dieter Bohlen zur neuen Ausgabe von "Deutschland sucht den Superstar" sicherheitshalber medizinische Assistenz mit. Das war aber unnötig: Die umstrittene Blondine hatte mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Von Johannes Gernert

DSDS, Deutschland sucht den Superstar, Dieter Bohlen,

Nennt sich auch schon selber mal "Schlampe" - und Bohlen wird sie nicht los: Annemarie Eilfeld©

Marco Schreyl, der DSDS-Moderator, hat es natürlich schon gewusst: "Jetzt werden wieder viele schreiben: Ausgerechnet bei ihr ist es schief gegangen." Und hier steht es also: Ausgerechnet bei Annemarie Eilfeld ist es schief gegangen. Bei ihrem zweiten Song fiel das Mikrofon aus. Sie klopfte etwas verunsichert darauf herum, ein Techniker musste kommen. Dann erst konnte es losgehen. Ein unguter Performance-Auftakt für die blonde Kandidatin aus dem sachsen-anhaltinischen Dessau-Roßlau, die Dieter Bohlen in der vergangenen Show noch eine "Bitch" genannt hatte, was im günstigsten Fall mit "Hündin" übersetzt werden kann, im schlimmsten mit "Nutte".

Es war keine ganz einfache Woche für Annemarie. Kreislaufkollaps vor dem Auftritt in ihrer Heimat, Notarzt, Infusionen. "Bild" berichtete ausführlich, was Annemaries Mutter wiederum sehr gefreut haben dürfte. Denn: "Das ist eine Werbung, die ist für einen Menschen in der Öffentlichkeit unbezahlbar." So hat sie die effektive Pressearbeit ihrer Tochter in dem kleinen DSDS-Einspielfilmchen gepriesen, das den Zusammenbruch im Stile einer Vorabendsoap noch einmal kurz zusammenfasste. Annemarie schrie und krampfte, bemerkte aber dennoch aus den Augenwinkeln ihre weinende Mutter und war gerührt. Von diesen präzisen Beobachtungen und Emotionen im Moment des Kollapses erzählte sie dann hinterher.

"Pass mal 'n bisschen auf"

Sie stand wenig später auch schon wieder auf der Bühne, vor 1000, 2000 oder 5500 Zuschauern. Da würden die Angaben variieren, je nachdem ob man Polizei, Bürgermeister, oder Annemarie selbst frage, schrieb der "Tagesspiegel". Sie trägt gern etwas dicker auf, deshalb bekommt sie auch so viel von dieser unbezahlbaren Werbung, die ihrer Mutter so gut gefällt.

Nebenjurorin Nina Eichinger musste sich genau darüber ein bisschen aufregen: "Dass man immer von dir die Negativ- und die Drama- und die Zicken-Schlagzeilen kriegt, das ist irgendwie wirklich richtig anstrengend." Weil: Es sei dann schwieriger, sie zu loben. Auch ein interessantes Argument. Wer zu viel "Bild"-Berichte bekommt, hat einen geringeren Jury-Lob-Anspruch. Deshalb: "Pass mal'n bisschen mehr auf, was du sagst, und wie du austeilst."

Feuersbrunst mit Flugzeugen

Annemarie hatte vorher gewohnt selbstbewusst angekündigt: "Ich kämpfe bis zum Schluss." Das Thema der Top-Vier-Show war zunächst "Großes Kino", später dann "Große Balladen". Für den ersten Teil wählte die Roßlauerin den Filmtitel "Pearl Harbor" aus, Schreyl kündigte sie immer wieder als Kämpferin an und sie stand dann singend vor einer Feuersbrunst mit Flugzeugen. Jury-Mitglied Volker Neumüller riet anschließend allerdings: "Nicht jede Schlacht, die man schlagen kann, muss man auch schlagen, um einen Krieg zu gewinnen." Und irgendwie schienen diesmal alle um verbale Abrüstung und Mäßigung bemüht.

Bohlen brachte zwar zu Beginn noch seine "Krankenschwester Stefanie" mit, die im Publikum Platz nahm, auf dem Kopf ein weißes Häubchen mit rotem Kreuz. Man habe ja von den gesundheitlichen Problemen mancher Kandidaten gehört, Annemarie beispielsweise. Eine kleine Spitze zum Start. Später widmete aber auch er sich vor allem einer Auswertung der bisherigen Pressearbeit und forderte von Annemaries aufmerksamkeitsinteressierten Eltern ein paar Flaschen Schampus. Schließlich habe er ihre Tochter mit seinen Steilvorlagen ja jedes Mal noch größer rausgebracht.

Bohlen verweigert PR-Hilfe

Diesmal stellte der DSDS-Chef seine Strategie um und verzichtete auf weitere PR-Maßnahmen für die Familie Eilfeld. Zu den Auftritten der Tochter sagte er so wenig wie möglich: "Fand ich absolut okay. Hast gut gesungen." Und beim zweiten Mal, als sie nach dem Mikrofonausfall Kelly Clarkson mit "Because of you" imitierte: "Die Nummer ist wirklich superschwer zu singen, dafür hast du's gut hingekriegt." Am Ende empfahl er auch nicht ihre Abwahl, sondern die von Sarah Kreuz.

Das war ein wenig seltsam: Vorher hatte er Kreuz noch attestiert, sie singe das Stück aus "Bodyguard" live besser als Whitney Houston selbst. Und auch beim zweiten Vorsingen lobt er sie so nachhaltig, dass ihr sekundenlang der Mund offen stehen blieb. Dominik Büchele hatte Bohlen dagegen mit seinem "König der Löwen" von Elton John noch als "Prinz der Hamster" abgekanzelt. Büchele schlugen die beiden anderen Jury-Mitglieder für die Abwahl vor. Er musste dann auch gehen.

Annemarie darf weiterhin bleiben. Sie wird ja seit ihren erotischen Aufnahmen in "Bild" von dem Boulevardblatt unterstützt, das zum Anrufen aufruft und permanent programmbegleitend berichtet. Vor der Sendung hatte "Bild" informiert, dass nicht nur Bohlen, sondern Annemarie selbst sich schon einmal eine "Bitch" genannt habe, im gleichnamigen Song ihrer ehemaligen Band LaMie, für die sie folgende Zeile sang: "Ich bin eine Schlampe, aber ich bin nicht verzweifelt." Verzweifeln dürfte langsam Dieter Bohlen. Er wird diese Frau einfach nicht los. Auch weitgehende Nichtbeachtung hat als Anti-Annemarie-Strategie nicht funktioniert.

Immerhin, Bohlen konnte sich in der Show ein wenig an die guten alten Zeiten erinnern. Zu Gast war Mark Medlock, der Gewinner von 2007, mit seinem neuen Song "Mamacita". Frauen in kurzen Röckchen und heißen Pants tanzten um ihn herum. Bohlen sah seinem Lieblingsgewinner zu und grinste zufrieden. Das war vor zwei Jahren alles noch ein bisschen einfacher. Da wollte Bohlen Medlock. Und Medlock gewann dann auch. In der Bohlen-Bewertung stand Daniel Schuhmacher in dieser Show mit Joe Cockers "You are so beautiful" ganz weit oben: "ein supersupersupersuper Auftritt", gerade "als von wegen emotionalste Blablabla". Er meinte das positiv. Trotzdem scheint derzeit recht offen, wer sich bei DSDS 2009 am Ende durchsetzen wird. Es könnte wieder Bohlen sein - oder "Bild".

 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Claquer (27.04.2009, 10:52 Uhr)
Superstar Daniel?
Erst einmal ist verwunderlich, dass man bei Amazon bereits auf die erste CD des Superstars D. Schumacher hinweist, wenn man die anderen beiden Kandidaten angibt dagegen kein Eintrag erfolgt(einfach mal ausprobieren). Desweiteren muss ich (leider) sagen, dass der verdiente Superstar Annemarie sein müsste- Warum? Sie hat zwar nicht die beste Stimme der verbliebenen Kandidaten, ist aber flexibler, kann Balladen UND schnelle Nummern singen, die beiden anderen Kandidaten sind eher auf langsame Nummern fixiert. Außerdem würde ich gerne Bohlens entsetztes Gesicht sehen, wenn er eine CD mit seiner "Freundin" produzieren müsste
chelestex (27.04.2009, 10:40 Uhr)
Wer hier wirklich glaubt...
..., dass dieser Müll etwas mit einem "realistischen Sangeswettstreit" zu tun hat, dem empfehle ich diesen Artikel:
http://www.wunschliste.de/news/4777
Jeder der bei dieser Sendung anruft, sich das ansieht oder auch noch irgendetwas davon kauft, wird einfach nur komplett verarscht. Das dies mittlerweile nicht mal mehr von den Programmverantwortlichen verheimlicht wird, macht die Sache auch nicht gerade besser.
arniston (27.04.2009, 06:09 Uhr)
gurkenlaster...
wo ist eigentlich kübelböck ?
lasst euch mal schön verarschen..
Druss (26.04.2009, 22:30 Uhr)
...
mein herzliches beileid an alle die sich das ernsthaft anschauen, mitfiebern und sich über bohlen aufregen. ich kann nur empfehlen sich ein sinnvolles hobby zu suchen das nicht einzig und alleine aus gefilmter geldmacherei besteht.
utasieg (26.04.2009, 16:58 Uhr)
Die Entscheidung...
...ist schon längst gefallen.
Zu Sarah kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber Sie ist in dieser Staffel gesanglich die Beste. Nur gewinnen kann Sie nicht, denn Sie passt nicht in die Bohlen Vermarktungs-Schablone. Der Auftritt von Mark Medlock war eine gute Gelegenheit eine Pinkelpause einzulegen. Das war sie, die immer gleiche Bohlen-Endlosschleife.
mlautenburg (26.04.2009, 15:22 Uhr)
Langeweiler
Das mit den Langeweilern mag zwar stimmen, aber man darf nicht vergessen, daß, bevor sich die BILD mit Annemarie befasst hat, sie auch nicht gerade wie eine potentielle Finalkandidatin rüberkam. Sie wurde zu dem GEMACHT, was sie heute ist und ohne diese Effekthascherei müßte man sich eingestehen, daß sie eigentlich nur mittelmäßig singen kann.
Mastergirl (26.04.2009, 13:53 Uhr)
@Heinrich_Koch
das ist wohl wahr: ich finde diesen Daniel auch zum Gähnen langweilig. Keine Persönlichkeit, keine Ausstrahlung - einfach ein super Langweiler mit einer zugegeben schönen Stimme. Interessant auch, dass Mark Medlock (aus 2007) immer noch gut im Geschäft ist, während man von dem anderen Langweiler aus 2008 (Thomas Godoj) gar nichts mehr hört.
mighty_bender (26.04.2009, 13:43 Uhr)
Dokusoap.
Schöner Artikel darüber, wie RTL DSDS mittlerweile sieht: dwdl.de.
Schlammschwimmer (26.04.2009, 11:18 Uhr)
Also
ich musste bei "Take my breath away" eher über die musikalische Grundlage, als über den Sänger lachen. Hier wurde besonders deutlich, wie sich ein schnell und lieblos am Computer zusammengezimmerter Song anhört. Als wenn ein Kind mit zu grossen Scbuhen daherkommt, und erwachsen sein glaubhaft machen wollte, so versuchte sich ein "Produzent" an diesem Song. Die Youngster haben sichtlich noch Spass daran, die haben aber auch noch genügend Zeit zu verschenken. Sollen sie ihren Spass haben, wenn sie nur irgendwann "aufwachen". Interessant und beispielhaft mal wieder, wie sich die Medien in Bewegung setzen, wenn es darum geht, zahlende Klientel zu bedienen. Und dass Leute, wie Bohlen irgendwann wieder dort sind, wohin sie wirklich gehören, das wird geschehen. Andere, deren Klappe gross, aber Talent klein ist, werden den Weg nach unten schneller gehen, aber der wird auch irgendwann Dschungelkönig.
Heinrich_Koch (26.04.2009, 10:46 Uhr)
Daniel
kann zwar gut singen, aber eben nur langweilige Songs, seine Performance ist benfalls langweilig und einfallslos.
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