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12. April 2009, 09:00 Uhr

Vanessas Aus in der Valium-Show

Eine zähe Geduldsprobe: Bei ihrer Mottoshow sollten die Kandidaten bei "Deutschland sucht den Superstar" in den schwammigen Teildisziplinen "I Love You" und "aktuelle Hits" punkten. Dabei scheiterte eine Schlagerhoffnung - und Oberjuror Dieter Bohlen hatte Angst um seine Ostereier. Von Malte Krebs

DSDS, Deutschland sucht den Superstar, Dieter Bohlen,

Müdes Lächeln zum Abschied: Vanessa ist raus bei DSDS© Jörg Carstensen/DPA

"Aber warum?" Vanessa Neigert wollte ihr Ausscheiden aus der Endrunde von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) nicht wahrhaben. Das von Moderator Marco Schreyl schleunigst vorgehaltene Mikrofon konnte nur noch verwirrtes Schluchzen aufzeichnen: Die rosarote Petticoat-Welt der jungen Nürnbergerin brach zusammen.

Wer nach den zwischenzeitlich gezeigten unterirdischen RTL-"Comedy"-Sendungen überhaupt noch die Kraft aufbrachte, sich das Ende dieses DSDS-Abends anzusehen und den zähen Abzählreim des Moderators überstand, konnte tatsächlich noch was erleben: Tränen, Schluchzen, Verwirrung - das tumultartige Finale einer allzu glatten Show.

Bei Shows ist es ja meistens so: Am Ende kommt der große Knaller. Bis dahin bleibt genügend Zeit, den Zuschauern einen bunten Abend zu bieten und - im Fall des Privatfernsehens - Werbekunden viel Sendezeit zum Bebildern der Pinkelpausen einzuräumen. Allerdings gehört zu einer klassischen Dramaturgie auch, dass vor dem furiosen Finale etwas passiert, Spannung aufgebaut wird. Gelegentliche Höhepunkte einzustreuen, wäre da gar nicht schlecht.

Maximale Beliebigkeit

Nicht so bei DSDS: Für die fünfte Mottoshow entschieden sich die Verantwortlichen für maximale Beliebigkeit und wählten die Themen "I love you" und "Aktuelle Hits": Die Kandidaten tummelten sich dabei im Mittelmaß und selbst der konfliktfreudige Oberjuror Bohlen konnte in seinem Schlusswort weder Tief- noch Höhepunkte feststellen.

Und das, obwohl man bei RTL zuvor einige Mühe darauf verwandt hatte, die Nachwuchs-Sänger in entsprechende Schubladen zu stecken: Dominik ist der "Herzensbrecher", Benny ein "Paradiesvogel" und Daniel ein "pretty Boy", die Mädchen sind unterteilt in "Schlagerkönigin" (Vanessa), "Das blonde Gift" (Annemarie) und "Diva" (Sarah). Aber es blieb bei diesen Schauspiel-Schablonen, die DSDS-Kandidaten wollten sich einfach nicht an das Drehbuch halten.

Rollenwechsel bei Annemarie

Annemarie Eilfeld hatte in den letzten Wochen einiges um die Ohren. Wochentags entblätterte sie sich auf den Seiten einer "großen Boulevardzeitung", intrigierte angeblich hinter den Kulissen unter ihren Kollegen und am Wochenende zog sie deswegen den Groll der Fernsehgemeinde auf sich. Diesmal wagte sie einen Wechsel vom Rollenfach "Oberzicke" in die Rubrik "einsame Sensible" und offenbarte tränenerstickt: "Ich bin nicht so stark".

Ihren Eltern widmete die 18-Jährige ihre Version von Pinks "Nobody Knows" und begründete das mit der evolutionären Erkenntnis, dass sie ohne ihre Eltern nicht da wäre. Entsprechend präsentierte sie sich auch nicht als biologisches Wunder: schlichter Auftritt in einem schlichten Kleid, einhelliges Lob der Jury. Für ihren zweiten Auftritt verwarf sie den kurzzeitigen Image-Ausflug und kostümierte sich als ein in Frischhaltefolie eingewickeltes Knallbonbon. Mit ihrem "Just Dance" von Lady GaGa inspirierte sie den ansonsten auf Harmonie gestimmten Dieter Bohlen zu einem kurzen Exkurs über Abwrackprämien und billige Kopien.

Rührselige Reden, weiche Widmungen

Das für die Show gewählte Motto "I love you" gab reichlich Gelegenheit für rührselige Widmungen und sentimentale Dankesreden. Benny Kieckhäben adressierte seinen Beitrag an seinen Ex-Freund ("ein wischtischer Mensch für misch") und nahm sich mit seinem eigenwilligen Akzent des deutschen Texts von "Und Wenn Ein Lied" von den Söhnen Mannheims an. Daniel Schumacher sang James Morrisons "You Give Me Something" für seine Familie und wurde dafür von der Jury zumindest verbal schon ins Finale durchgewunken. Tränenreich fiel die Zueignung von Vanessa Neigert aus, die für ihre Mama den 50er-Jahre-Schlager "Liebeskummer lohnt sich nicht" von Siw Malmquist ausgesucht hatte und diesen stilecht im Pettycoat vortrug. Sarah Kreuz gab in ihrem wehenden weißen Kleid sogar die Marilyn Monroe, als sie Nat King Coles Klassiker "Unforgettable" allein für ihren Freund sang. Dagegen widmete Dominik Büchele seine Version des Ich+Ich-Songs "Stark" gleich seinem ganzen Heimatdorf Kappel-Grafenhausen. "Mein Auftritt war jetzt nicht so sehr interessant", kommentierte der 18-Jährige seine Darbietung selbstkritisch. Dieter Bohlen wurde deutlicher: "Bei deiner Valium-Show implodieren mir die Ostereier".

Der zweite Durchgang mit den "aktuellen Hits" geriet zu einer langweiligen Nummernrevue durch die Radio-Charts: Dominik sang sich brav durch "Wire To Wire" von Razorlight, Daniel hatte sich mit "Allein allein" von Polarkreis 18 erstmals ein deutsches Lied ausgesucht. Im Gegensatz zu Annemaries Lady GaGa-Outfit punktete Benny bei der Jury als Disco-Queen mit Ne-Yos "Closer". Vanessa erschien für ihre Rosenstolz-Covernummer "Gib mir Sonne" aus schleierhaften Motiven im Matrosenkostüm und Sarah lenkte in ihrem engen rosa Kleid ab von ihrer Textschwäche bei Beyoncés "If I Were A Boy".

Am Ende war für "Schlagerkönigin" Vanessa Neigert am Ostersamstag Endstation. Da half selbst Dieter Bohlens Aufruf an die Freunde des deutschen Schlagers nichts mehr, für die junge Nürnbergerin anzurufen. Sie taten es offenbar nicht. Vielleicht war es kurz vor Mitternacht auch einfach schon zu spät für sie.

Von Malte Krebs
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
mighty_bender (14.04.2009, 15:51 Uhr)
Hallo stern...
...ich find DSDS ja auch putzig, aber warum findet man bei Euch keine Zeile darüber, dass Aggro Berlin zumacht? (Muss man nicht mögen, gehört aber in den Kulturteil eigentlich rein.)
Sinibaldi (13.04.2009, 12:28 Uhr)
Dichoso y alegre.
Esta rama es
hermosa como el
sueño del sol
cuando el canto
regresa regalando
a la vida una
dulce memoria
y una candida
rima.
Francesco Sinibaldi
pong (13.04.2009, 00:50 Uhr)
Witziger Bericht
Gut und witzig beschrieben . Danke Malte Krebs .
SethusCalvisius (12.04.2009, 21:01 Uhr)
Ich weiß nicht,
warum hier ständig über die mangelnden Gesangskünste der Teilnehmer gelästert wird. Um den Gesang geht es doch gar nicht. Wenn wirklich die 10 besten SängerInnen Deutschlands bei DSDS teilnehmen würde, würde diese Sendung keine Sau interessieren. Also wird im Vorfeld dafür gesorgt, dass merkwürdige Gestalten wie Küblböck ins Finale kommen. Dann wird regelmäßig über Skandälchen im Umfeld dieses Wettbewerbs berichtet, damit das Interesse nicht erlahmt. (Auch dieser Stern-Artikel ist nur zu diesem Zweck geschrieben)
Blacky007 (12.04.2009, 15:19 Uhr)
DSDS
Deutschland sucht den Schlechtesten...scheint wohl diesmal deren Motto zu sein. Nur charismalose und mittelmäßige Möchtegernsänger, die man hier präsentiert, das tut schon richtig weh!
utasieg (12.04.2009, 13:58 Uhr)
Noch nie habe ich in einer Sendung
so viele schlechte Sänger gesehen. Auch der jetzt schon feststehende Sieger Daniel kann mich in keinster Weise überzeugen. Aber am schlimmsten ist die Jury mit dem unsäglichen Bohlen und seinen zwei Abnickern und der Moderator
Nostradamus (12.04.2009, 12:14 Uhr)
Dieters Schlechtest Dumpfbacken Sendung
Frage mich warum man immer wieder über diesen Mist vom Bohlen berichtet.
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Das Ganze ist eine einzige Abzocke, um diesem drittklassigen Komponisten von drittklassigen Schlagern eine Plattform zu bieten über die er den Massen seinen Ramsch verhökern kann.
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DSDS wird nichtmal für Sekunden gesehen und ist im Prinzip eine andere Form von "Big Brother" oder aber Richterin Barbara Salesch. Seelenstriptease für geistig verarmte.
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Das Schlimme ist, dass die Massen dies mögen. Wohl in der Hoffnung, dass jeder noch so unfähige Göbelbock es so zum Star bringen kann und man selbst vielleicht auch dazu gehören kann.
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Träumt weiter.
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Früher hätte ich geraten, dass der der es zu etwas bringen soll sich anstrengen und was lernen soll.
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Im kommunistischen Deutschland geht das aber nur über Lotto Gewinn, Vetternwirtschaft mit Politikern oder indem man in einer drittklassigen Show "Seelenstriptease" macht oder als Freak bei einem der beliebten Quizsendungen des Staatsfernsehens ach nein äh Privatfernsehens bei einem politisch korrekten Showmaster ein paar Tausender absahnt.
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Mir wäre lieber, wenn sich diese immer weiter degenerierende Gesellschaft mal wieder auf Leistung besinnt und nicht auf drittklassige Blender.
Schlammschwimmer (12.04.2009, 11:55 Uhr)
Wenn
Bohlen schon Angst hat, dass seine Eier implodieren, dann möchte ich nicht wissen, wie es um das Vakuum in seinem Kopf bestellt ist. Ansonsten stimmt es, dass diese Dumpfbacken nur eines tun. Sie behindern mit ihrem Blödsinn diejenigen, die wirklich etwas zu bewegen in der Lage wären und für deren Machwerke man sich nach Jahren nicht "fremdschämen" muss.
Stern-Leser24 (12.04.2009, 11:08 Uhr)
@Malte...
ist schon toll, dass es diese Sendung gibt, sonst wüßtest Du gar nicht was du verreißen solltest. Keiner würde dich brauchen und es würde vielleicht was interessantes anstelle deines Verriß hier stehen... :-)
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Ich finde es gut, wie sich die jungen Talente Mühe geben. Nicht jeder muß ja dem blöden Holzbohlen gefallen.
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Hochachtungsvoll
nach Diktat verreist.
Loki-Asgard (12.04.2009, 10:59 Uhr)
@stern
Schon blöd wenn man nicht die Medienmacht und Kohle der Bild"Zeitung" hat, da bleibt einem halt nur noch der Neid.
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