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Frühlingsrolle rückwärts

Frauentausch nach Plan bei "DSDS": Nina Richel musste gehen, Sarah Engels wurde in die Show zurückgeholt, um mit Anna-Carina Woitschack das neue Zicken-Duo bilden. Keine gute Idee, fanden die RTL-Zuschauer und stellten kurzerhand das alte Geschlechterverhältnis wieder her.

Von Mark Stöhr

Was fällt einem spontan zu "Frühlingsgefühlen" ein? Richtig: Liebe, Libido und Blütenknospen kurz vorm Aufplatzen. Was fiel Marco Schreyl und Dieter Bohlen zu dem Thema ein? Genau das. Nur hatten sie mindestens eine Woche Zeit, sich auf die Frühlings-Mottoshow von "Deutschland sucht den Superstar" vorzubereiten. Wie zwei tollwütige Hornissen stürzten sie sich auf die Kandidaten und malträtierten sie mit platten Bienen-, Blumen- und Balz-Metaphern, dass es nur so hagelte.

Am schlimmsten erwischte es Sebastian Wurth. Bohlen verglich die durchaus sympathische Justin Bieber-Kopie aus dem Bergischen Land mit einem "kleinen Bienchen, das zum ersten Mal eine Blüte bestäubt". Sein geschwätziger Diener Schreyl setzte noch einen drauf: Ob er eher ein Mann für eine Nacht oder nur für zwei Stunden sei, fragte er den Teenieschwarm. Was für eine Frage, der Junge ist sechzehn. Und was für eine Freude, als der naturgemäß ins Stammeln geriet. Schreyl krümmte sich vor Lachen. Außer ihm keiner, wie so oft.

Überraschung während der Entscheidung

Auch wenn "Frühling" drüber stand – die dritte "Superstar"-Mottoshow war so frisch wie Fertigsuppe. Der einzige Aufreger mit Nachrichtenwert ereignete sich kurz nach Mitternacht, als Anna-Carina Woitschack von den Zuschauern kurzerhand aus dem Wettbewerb komplimentiert wurde. Eine kleine Überraschung, immerhin.

Die 18-Jährige war bekanntlich in den vergangenen Wochen eine der Akteurinnen in einem von RTL und dem Boulevard befeuerten "Zicken-Krieg". Ihre Hauptkontrahentin Nina Richel bekam nach mehreren Zusammenbrüchen von Ärzten und Psychologen "DSDS"-Verbot und machte den Weg frei für Sarah Engels, die Dritte im Bunde der Stutenbissigen. Diese war schon vor zwei Sendungen rausgeflogen und durfte sich nun noch einmal beweisen. Weniger als Sängerin, versteht sich, sondern als Schauspielerin in einer lauwarmen Diven-Soap, die nun vom Publikum so abrupt abgesetzt wurde. Anna-Carinas dicke Tränen nach dem Voting wurden von den RTL-Programmverantwortlichen höchstwahrscheinlich geteilt.

Denn sie bauten ihr gestern goldene Brücken, um von ihrem Zicken-Image wegzukommen und die Sympathie der Anrufer zu gewinnen. In Einspielern durfte sie sich als Vulgärpsychologin versuchen und ihr mieses Sozialverhalten analysieren: Wegen des Wohnwagenlebens ihrer Puppenspielerfamilie habe sie nie kontinuierliche Freundschaften pflegen können. Das arme Mädchen. Die Briefe ihrer Fans spendeten ihr Trost, wenn sie von der Öffentlichkeit verspottet und von ihren Mitkandidaten geschnitten würde. Böse Welt.

Sogar einen Bohlen-Song, "Für Dich" von Yvonne Catterfeld, durfte das verzogene Prinzesschen singen. Der Songschreiber fand ihren Vortrag, in dem sie die Töne teilweise mit dem Streuungsgrad einer Schrotflinte traf, erwartungsgemäß "exzellent". Um Anna-Carinas Aktienwert noch weiter zu pushen, wagte er zudem einen Ausflug ins gesellschaftliche Tagesgeschehen und machte daraus ein gewohnt schiefes Bild. "Du bist", sagte er, "musikalisches E10-Benzin: Jeder weiß, da ist was Gutes drin, aber keiner liebt es." Es hat alles nichts genutzt. "DSDS" ist wieder eine Boygroup mit zwei Backgroundsängerinnen, der Schweizerin Zazou Mall und eben Sarah Engels.

Austauschbare Jukebox und unbeirrbarer Schlagerbarde

Doch die männlichen Frühlingsrollen bekleckerten sich in der gestrigen Show ebensowenig mit Ruhm. Ardian Bujupi, der "Mann, der die Frühlingsgefühle auf dem Bizeps trägt" (Schreyl), wimmerte und schluchzte sich durch "Grenade" von Bruno Mars, als habe er starke Schmerzen. Pietro Lombardi, der mit Gipsbein auftrat, wollte eine "Jackpot-Leistung" abliefern, kam allerdings nur bis zum "Kackpott" (Bohlen). Und der österreichische Mediziner Marco Angelini ist bei allem, was er tut, dermaßen austauschbar und maschinell, dass man an seiner Stelle genauso gut eine Jukebox auf die Bühne stellen könnte.

Allein Norman Langen ist offenbar so richtig mit dem Herzen dabei und hat vor allem einen klaren Erfolgsplan. Der heißt Schlager. Unbeirrt schmettert der 25-Jährige einen Schocker der deutschen Musikgeschichte nach dem anderen. Gestern war "Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeih'n" von Wolfgang Petry dran. Selbst wenn es Langen mit seiner strikten Linie nicht bis ins "DSDS"-Finale schaffen sollte, scheinen seine Chancen nicht schlecht zu stehen, im Schlagergeschäft Fuß zu fassen.

Ein Schlagerfuzzi als "Superstar"-Absolvent, der endlich mal wieder länger als eine Saison durchhält? Das wäre doch mal was. Jurypräsident Bohlen jubilierte jedenfalls schon mal vorsorglich und rief aus: "Petri Heil! Das war geil!" So hören sich wohl Frühlingsgefühle eines Endfünfzigers an.

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