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Schlager ist der neue Pop

Die Schweizer Schlagersängerin Beatrice Egli gewinnt die zehnte Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" gegen Lisa Wohlgemuth. Doch der wahre Gewinner der Show ist ein alter Bekannter.

Von Jan Zier

  Die Schweizer Schlagersängerin Beatrice Egli konnte sich im Finale gegen ihre Mitstreiterin Lisa Wohlgemuth durchsetzen

Die Schweizer Schlagersängerin Beatrice Egli konnte sich im Finale gegen ihre Mitstreiterin Lisa Wohlgemuth durchsetzen

  • Jan Zier

And the winner is: Dieter Bohlen. Er ist ja eh der einzige echte "Superstar", der in zehn Staffeln je aus seiner Show hervorging. Also, diesmal hat ja eigentlich Beatrice Egli bei "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen. Sie wissen schon, dass war die Schweizerin, die Andrea Berg verehrt und von sich sagt, sie tue alles für den Schlager. Für sie haben halt einfach viel mehr Leute angerufen. Aber für den Fall einer Niederlage - wessen auch immer - hatte der "Poptitan" ja bestens vorgesorgt. Auch Lisa Wohlgemuth, die Sächsin, von der Bohlen immer sagt, dass er sie "irgendwie lieb" habe, hat er mit einem von ihm komponierten Song versorgt. Geschäft ist Geschäft. Könnte ja auch noch ein Erfolg werden.

"Deutschland sucht den Superstar" ist ja ein bisschen in die Krise geraten. Zwar gibt es immer noch über 30.000 BewerberInnen. Aber die Quoten sind nicht mehr so wie früher, es gibt andere Casting-Shows, die innovativer sind. Die fiesen Sprüche von Bohlen, sie haben sich abgenutzt, so wie die anderer alter Herren. Und die Randfiguren neben ihm in der Jury werden auch immer schneller ausgetauscht. Das bringt nochmal Schlagzeilen. Aber soll man das Format deswegen einfach abschalten? Nur weil es etwas dahinsiecht? RTL macht weiter. Noch geht’s ja auch, irgendwie. Und sind nicht Schlager grade wieder hip, also auch bei Jüngeren? Eben. Das erkennt auch Bohlen.

Beatrice Egli galt lange als Favoritin

Und er musste es ihnen ja auch beweisen. All jenen, die gesagt haben, bei DSDS wird nur was, wer eine anrührende Schicksalsbiographie mitbringt. Und wer ein Kerl ist. Da haben doch immer nur Männer gewonnen! Okay, eine Ausnahme gab es, Elli Erl, 2004 war das, aber die ist heute Realschullehrerin in Düsseldorf. Und Schlager? Geht schon mal gar nicht. Geht doch, wissen wir jetzt. Das heißt natürlich nicht, dass sie bei DSDS jetzt schon emanzipiert sind. Gleich am Anfang des Finale empfängt uns, Achtung: Klischee, eine rosa Pappkameradin. Und ein Spruch über die Brüste und den Po der Sängerin gehen auch immer.

Natürlich kommen jetzt wieder all jene, die es ja schon vorher gewusst haben. "Hat Beatrice Egli schon gewonnen?" fragten Online-Medien schon vor Tagen und listeten Gerüchte und all die Indizien auf, die dafür sprachen. Gast-Juroren wie Berg und Heino zum Beispiel. Oder Experten wie Joey Heindle, der auch irgendwann mal Kandidat bei DSDS war, ehe er Dschungelkönig wurde. Er erklärte jüngst, die Show sei eine "Fake-Scheiße". Und ein abgekartetes Spiel. Jawohl. Andererseits: Bei Schlager haben sie in der Jury anfangs alle die Nase gerümpft. Doch Egli ist auch die Erfahrenere: Die gelernte Hairstylistin und studierte Schauspielerin, die mit 24 noch bei ihren Eltern wohnt, war schon vor Jahren beim Grand Prix der Volksmusik und dem Musikantenstadl, ehe sie jetzt zu DSDS in die Popwelt kam. 2011 erschien ihre CD "Feuer und Flamme". Das reichte zumindest für Platz 81 der Charts. In der Schweiz. Ihr Siegertitel heißt "Mein Herz". Ein Bohlen auf Deutsch, wann hat man das schon mal.

Bill Kaulitz' Lieblingskandidatin

Dabei hatte Mit-Juror Mateo Jaschik von Culcha Candela vor kurzem noch gesagt, Schlager hätte in einer modernen Pop-Unterhaltung nichts zu suchen. War alles nicht so gemeint, sagt er heute. Auch die zwei Juroren von Tokio Hotel fanden Schlager anfangs "eigentlich scheiße". Am Schluss nannte Bill Kaulitz die Egli nur noch "meine Lieblingskandidatin".

Und Lisa Wohlgemuth? Die rothaarige 21-jährige, die sonst Friseurin lernt und nebenbei modelt, die, Sängerin hin oder her, ihren verufenen Dialekt nicht zu verbergen sucht, hatte am Wochenende noch Sprechverbot. Wegen einer Kehlkopfentzündung wäre sie beinahe durch den drittplazierten Jury- und Publikumsliebling Ricardo Bielecki ersetzt worden. Ihre Stimme sei mittelmäßig, hat Bohlen mal befunden, immer wieder wurde sie als "Wackel-Kandidatin" gehandelt, doch ihre Performance ist gut. Bohlen nennt ihn den "Pumuckel-Dance" und Frau Wohlgemuth ein "lustiges, keckes und freches Mädel", einen "Engel, besessen vom Teufel". Er habe ja gar nicht gewusst, dass so was aus dem Erzgebirge kommt. Danke, liebes Klischee. Für sie gab's von Bohlen aber nichts auf Deutsch, auch keinen Elektro-Pop, wie von Tokio Hotel empfohlen. Sondern eine gefühligen Ballade namens "Heartbreaker". Am Ende reichte das aber nur für 29,75 Prozent der abgegebenen Stimmen.

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