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15. Juni 2007, 14:28 Uhr

...der werfe den ersten Stein!

Außereheliche Beischlafkünstler in der Christlich-Sozialen Union, Betriebsräte bei Nutten, selbstlose Weltretter in gesponserten Cocktailzelten. Sodom um Gomorrha, wo man hinblickt. Drum prüfe genau, wer frei von Sünde ist und werfe den ersten Stein. Von Till Hoheneder

Die letzten Steine im Sack sind für den Autor selbst© Arno Burgi/DPA

Leute, mal ganz ehrlich! Was hat Jesus noch mal gesagt? Wer als erster ohne Sünde...ne, warte... wenn der letzte Stein... wer sündigt, steinigt als erstes... ah - jetzt hab' ich es ungefähr: Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Na also, geht doch! Dabei hatte ich doch diese Woche einen ganzen Sack voll Steine gesammelt und so viele gute Ideen, wen man alles bewerfen könnte. Zum Beispiel unsere familienbewussten, erzkonservativen und außerehelichen Beischlafkünstler von der CSU! Uneheliche Kinder, Menage à trois, Affären, Sexdossiers, Lügen und Intrigen - alles kein Problem, die CSU (Christlich! Soziale! Union!) kann liefern! Solange man sonntags in die Kirche geht, Kruzifixe ins Klassenzimmer hängt und gegen Schwule ist, gilt man in der CSU als anständiger Christ.

Wer ein ähnliches Sündenregister vorweisen will, war mindestens Betriebsrat oder im Vorstand bei VW. Die Herren Hartz, Volkert und Uhl hatten ja jahrelang Spaß mit Brasil-Samba, Caipi und 'ner ordentlichen Tüte Nutten. Auch wenn der Herr Uhl das jahrelang auf infame Art abgestritten hat. Da hätte er eigentlich einen schönen Pflastersteinwurf für verdient gehabt.

Oder wie wäre es mit einem schönen Kieselsteinregen für die G8-Popstars? Was für ein elendes Schmierentheater! Die selbstlosen Weltretter Campino, Geldof, Gröni & Bono jallern zur akustischen Schiefschrammel-Gitarre bedeutungsschwangere Beatles-Lieder gegen Armut und Hunger... umgeben von Würstchenbuden brasilianischen Cocktailzelten (sponsored by VW?) und bejubelt von all those iPod-Protestkids. Da ist es dann auch egal, dass für all das gezeigte Elend nun wirklich nicht immer die G8-Staaten verantwortlich sind. Was solls: Es ist okay, es tut gleichmäßig weh.

Vielleicht brauchen wir aber auch noch ein paar Brocken für unsere Ex-Captagon Fußballer. Die gab es aber bestimmt nur auf Schalke. Da habe er was gesehen, sagte Herr Neururer dem (Achtung, Witz!) "Fachblatt SportBild" Herrschaften, ich bin immer wieder erstaunt, wie erschreckend naiv der deutsche Fußballfan ist. Wieso sollte ausgerechnet im Fußball nicht geschoben, betrogen und gelogen werden? Weil es um nichts geht? Natürlich, Hoyzer war ein Einzelfall! Und, liebe Fußballfans - das ist klar und bleibt auch so: Es gibt keine schwulen Fußballer!

Die letzten Steine im Sack sind natürlich für mich. Weil ich für billige Wortspiele und Witzchen sehr ernste Themen verallgemeinert, oder bewusst einseitig oder nicht richtig dargestellt habe. Weil ich als neidzerfressener, erfolgloser Umlaut-Promi tolle Künstler wie Bono und Grönemeyer besudelt habe. Apropos Grönemeyer - da fällt mir gerade noch was ein! Direkt nach dem G8-Gejaule von Herbert und Bono habe ich Hartmut Engler von PUR im Fernsehen gesehen und noch gedacht: Wenn der die Texte der neuen Gröni-CD geschrieben hätte.....für so 'nen Mist hätten 'se den doch gesteinigt! Bis die Tage...!

E-Mail von Till

E-Mail von Till Till Hoheneder (früher Mitglied des Duos "Till & Obel") ist rotzfrech, charmant, gnadenlos geradeaus, immer cremig. Seine Karriere begann Hoheneder (41) als Musiker. Mit der Rockgruppe "Till & Die Altobellis" absolviert er regelmäßig Auftritte mit Comedy-Einlagen. Im Sommer 2007 begleitet die Band Atze Schröder auf seiner "Atze im Wunderland"-Open-Air-Tour. Derzeit ist der Comedian und Autor mit seinem neuen Solo-Programm "Herrencreme" auf Tournee. Termine gibt es unter www.tillhoheneder.de

Von Till Hoheneder
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
ceekay (16.06.2007, 02:53 Uhr)
meine fresse
wer sich heute alles als dichter bezeichnet. ich empfehle dringend, die verwendung von klammern und vor allem apostrophen zu überdenken...
Lyrikportal.de (15.06.2007, 16:55 Uhr)
Deutsches Wesen
Hey, Herr Hoheneder,
ich sage seit 2004 lyrisch, was ich u.a. von Gutmenschen halte. So u.a. in jammerdeutschland.de . Entgegen der Auffassung meiner Partnerin zu Gröhlemeyer, sehe ich diese Konsorten - bereits halb verschwindend - sich auf diesen Zug der Zeit aufschwingen. Selbstbesoffen wie Sarkozy wollen wir allerdings auch so wieder allein das Klima, heißt die Welt, retten, Globalisierung zum Event machen. Hier (m)ein Gedicht von 2005:
"Ein ganz normales Land?

Sind wir schon ein normales Land?
Nach...Erstem Weltkrieg...Zweitem Weltkrieg?
Nach der Zerstörung ganz Europa´ s?
Entzündet haben wir den Brand.

Nach Holocaust und Weltverwerfung?
Denkt noch daran... wir sei´n die Hunnen.
Auch, wenn schon sechzig Jahr´ verstrichen,
Vergessen hat dies´ nicht, die Welt:

Die Welt-Brandstifter sind gefährlich,
Auch wenn sie sich normal gerieren.
Demokratie erst sechs Jahrzehnte.
Für alle Zeiten Garantie?

Jetzt wollen sie noch in die UNO...
Taktieren sie denn diplomatisch?
Sie treten auf wie Elefanten
im Glaspalast. Sogar mit Geld.

Statt Demut lassen sie den Großkotz
heraushängen: „WER sind wir wieder.“
Und: ‘Weltbeachtung jetzt... gefälligst.’
Die wirklich Großen grinsen nur.

Diplomatie ist Selbstbeschränkung.
Erkennen günstigerer Ströme.
‘Hauruck’ ist typisch deutsches Wesen.
Wir müssen
erst mal
selbst
...genesen.



Kreativzeit: (My) Die. 23.08.05, ca. 08:45 – 09:30
©Heinz-Albert Ellner"
FG
Deutschlands eindeutiger Poet der Gegenwart
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