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TV-Kritik

Reise ins finstere Herz der Wettmafia

Der ARD-Thriller "Auf kurze Distanz" taucht tief in die Machenschaften der Sportwetten-Mafia ein. Tom Schilling und Edin Hasanovic allein machen diesen Film zu einem Ereignis.

Von Hannes Roß

Edin Hasanovic in "Auf kurze Distanz"

Klaus (Tom Schilling, l.) gewinnt in kürzester Zeit die Freundschaft von Luka (Edin Hasanovic, r) und bekommt durch ihn den nötigen Zugang zum familiär gehaltenen Kreis der Wettmafia.

Irgendwo geht immer einer im Ring k.o., wird ein Elfmeter verschossen oder ein Tie-Break verloren. Und nicht immer, das wissen wir längst, geht es dabei mit rechten Dingen zu. Nach den Skandalen um verschobene Spiele im Profi-Fußball und dem massiven Doping im Radsport gab es zuletzt vor einigen Wochen Aufregung um eine Liste von Tennisspielern, die angeblich gegen Geld ihre Spiele verloren haben sollen. Inzwischen wird der weltweite Umsatz des Marktes für Sportwetten auf 500 Milliarden Euro geschätzt. 

Der Regisseur Philipp Kadelbach, dem mit dem fesselnden Kriegs-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" bereits ein filmisches Wunder gelungen ist, hat sich nun des Themas Sportwetten-Mafia in dem ambitioniertem Thriller "Auf kurze Distanz" angenommen. Es ist eine dunkle Welt mit vollen Aschenbechern und flimmernden Fernsehbildschirmen, eine raue Männerwelt in hässlichen, verqualmten Wett-Hinterhof-Cafés, in der er seine beiden Hauptfiguren schickt.

Edin Hasanovic als Wettbetrüger

Da ist auf der einen Seite der verdeckte Ermittler Klaus Roth (Tom Schilling), ein einzelgängerischer Gerechtigkeitsfanantiker, der sich nach Anerkennung und Nähe sehnt. Auf der anderen: der serbische Wettbetrüger Luka Moravac (Edin Hasanovic), der sich in seinem kriminellen Familienclan hocharbeiten will und dessen Onkel Aro Goric ist, der serbische Mafia-Pate eines Wettclans, der sich auf illegale Sportwetten spezialisiert hat. Roth soll Goric zu Fall bringen und erwirbt sich das Vertrauen von Moravac, wird sogar der Patenonkel seines Kindes. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben empfindet er so etwas wie eine Zugehörigkeit, eine Anbindung ans Leben. Doch er ahnt noch nicht, dass die Warnung seines Chefs bald zur Wahrheit werden könnte. "Wer sich irgendwann nicht mehr an seine Lügen erinnern kann, ist ein toter Mann."

Doch "Auf kurze Distanz" ist nur auf den ersten Blick ein rasanter Thriller über die Geschäftswelt der Wettmafia, eine Reise ins Herz des organisierten Verbrechens, die von der ersten Minute den Zuschauer in einen finsteren Sog hinabzieht. Vor allem ist dieser Film eine sensible, eindringliche Erzählung über den Wert der Freundschaft zwischen zwei Männern, die sich irgendwann entscheiden müssen, was ihnen mehr bedeutet - Freundschaft oder Geschäft, Habgier oder Idealismus. Getragen wird diese Geschichte von zwei herausragenden Hauptdarstellern, Tom Schilling und Edin Hasanovic, die diesen Film zu einem Ereignis machen.

"Auf kurze Distanz", ARD, 2. März, 20.15 Uhr 

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