Die Augsburger Puppenkiste wird bald 60 Jahre alt

22. Oktober 2012, 09:15 Uhr

Urmel, Jim Knopf und die Katze mit Hut: Die Augsburger Puppenkiste ist ein Stück Fernsehgeschichte. Bald steht das 60. Jubiläum an. Doch der Klassiker führt nur noch ein Nischendasein.

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Kasperle macht es sich auf der Augsburger Puppenkiste bequem©

Der Scheinriese Herr Tur Tur, Jim Knopf, Urmel aus dem Eis und die Katze mit Hut: Die Augsburger Puppenkiste hat schon viele wundervolle Figuren geschaffen und Millionen Kinderherzen erobert. Bald feiert Deutschlands berühmtestes Marionettentheater das 60. TV-Jubiläum.

Am 21. Januar 1953 ging es los mit einer Livesendung des Stückes "Peter und der Wolf". Gesendet wurde noch aus dem Studio des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) in Hamburg, aus dem später NDR und WDR hervorgingen. Die Kamera sei direkt vor die Bühne gestellt worden, es habe "keine Schnitte und keine Tricks gegeben" sagt Klaus Marschall, 51, seit 1992 Chef der Augsburger Puppenkiste. In den 60 Jahren hat die Bühne eine bewegte Geschichte durchlebt. Eine Jubiläums-Ausstellung zeigt Stationen und erklärt Tricks.

Das Theater ist gut besucht. Marschall zufolge gibt es im Jahr rund 440 Vorstellungen, ein Drittel für Erwachsene, zwei Drittel für Kinder. Die Auslastung habe im vorigen Jahr bei 96 Prozent gelegen.

Kika stuft Puppenkiste als "nicht mehr zeitgemäß" ein

Doch so bekannt die Augsburger Puppenkiste bei Erwachsenen ist - für Kinder ist es heute nicht mehr selbstverständlich, dass sie die Figuren kennen. "Wir müssen mit unserer PR erreichen, dass Eltern ihren Kindern den Zugang zu Marionettentheater ermöglichen", sagt Marschall. Von allein kämen sie nicht unbedingt mit der Puppenkiste in Berührung. Die Konkurrenz im Fernsehen sei einfach zu groß. "Wenn wir die Kinder aber einmal erreicht haben, dann haben wir sie."

Die Fernsehpräsenz der Puppenkiste ist inzwischen verschwindend gering. Sie laufe nur noch auf BR-alpha, sagt der Theaterleiter. "Das ist halt leider ein Programm, dass auf den Fernbedienungen sehr weit hinten angesiedelt ist." Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks (BR) werden derzeit Wiederholungen von "Ralphi" gezeigt, einer kleinen Bären-Marionette, die Marschall entwickelt habe.

Der Kinderkanal von ARD und ZDF (Kika) hatte im Herbst 2011 die Marionetten-Sendungen nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums als nicht mehr zeitgemäß eingestuft und aus dem Programm genommen. Marschall wünscht sich, dass die Puppenkiste im Fernsehen wieder eine größere Rolle spielt. Es gebe Gespräche mit dem BR. Ein BR-Sprecher sagt: "Wir haben fest vor, mit der Puppenkiste zu kooperieren. In nächster Zeit werden wir konkretisieren, warum es geht."

Jim Knopf und Urmel aus dem Eis brennen sich ein

Die alten Sendungen wurden seit den 1950er Jahren zumeist vom Hessischen Rundfunk (HR) produziert. Der Durchbruch im Fernsehen kam nach Puppenkisten-Angaben 1958/59 mit der mehrteiligen Serie "Die Muminfamilie". Die Stücke wurden immer professioneller - sie sollten nicht mehr einfach nur im Studio abgefilmt, sondern von einem Regisseur inszeniert werden. Zu den Dreharbeiten reiste stets ein großes Aufnahmeteam nach Augsburg. Produktionen wie "Kater Mikesch", "Urmel aus dem Eis" und "Kleiner König Kalle Wirsch" entstanden. "Die Fernsehproduktionen haben uns den nationalen und internationalen Bekanntheitsgrad gebracht", sagt Marschall.

"Ich denke, dass wir 1960 bis Mitte der 1970er Jahre den intensivsten Eindruck gemacht haben." Kinder im Alter von sieben, acht und neun Jahren seien am stärksten geprägt worden. "Jim Knopf hat sich am meisten eingebrannt - dicht gefolgt von Urmel", sagt der 51-Jährige. Er setzt auf die Faszinationskraft der Marionetten, auch in der heutigen Zeit. "Die Faszination macht aus, dass wir mit der Fantasie der Zuschauer spielen. Wir bieten unvollständige Bilder, die sich im Kopf des Zuschauers vervollständigen."

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