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Schlechte Zeiten für die Lottofee

Sie gehörte zum Samstag wie das Rasenmähen und die Bundesliga: Die live übertragene Ziehung der Lotto-Zahlen in der ARD. Nach 48 Jahren ist nun Schluss damit.

  Die beiden Lottofeen der ARD, Karin Tietze-Ludwig (l) und Franziska Reichenbacher

Die beiden Lottofeen der ARD, Karin Tietze-Ludwig (l) und Franziska Reichenbacher

Als im vergangenen Monat das Aus der Live-Ziehung bekannt wurde, vermuteten viele einen Zusammenhang mit einer der größten Pannen in der deutschen Lotto-Geschichte. Anfang April musste beim Mittwochslotto die Ziehung nachträglich für ungültig erklärt werden, weil zwei Kugeln nicht in die Trommel fielen. Im Lotto den Jackpot abräumen und dann den Gewinn wieder aus den Händen geben müssen - dieser Alptraum wurde wahr. Doch mit dieser Panne soll das Ende der Live-Ausstrahlung nichts zu tun haben, die Lottoziehung soll einfach modernisiert werden.

Im ZDF lief bereits vergangenen Mittwoch die letzte von einer Lottofee moderierte Sendung. Statt ein paar Minuten mit Heike Maurer gibt es jetzt nur noch die ohne Moderation präsentierten schnöden Zahlen. Im Vergleich deutlich besser hat es dagegen im Ersten die Lottofee Franziska Reichenbacher. Sie bleibt auch nach der letzten, gegen 23.15 Uhr ausgestrahlten Live-Sendung auf dem Bildschirm, nur dass sie künftig in einer Aufzeichnung zwischen "Sportschau" und "Tagesschau" stark verkürzt um 19.57 Uhr die Ziehung präsentieren wird. Dieser Sendeplatz soll fest bleiben.

Franziska Reichenbacher steht auch für die nachlassende Bedeutung der Lotto-Übertragungen. Viele kennen Reichenbacher - aber viele kennen sie auch eben nicht. Obwohl die 45-Jährige schon seit 1998 die Ziehung der Lottozahlen moderiert, konnte sie nie die Bekanntheit ihrer Vorgängerin Karin Tietze-Ludwig erreichen. Denn schon seit langem hat die Lotto-Ziehung nicht mehr den Stellenwert. Und auch der Stellenwert des Lottospielens nahm ab: Von 2003 bis 2012 sank beim bekanntesten Spiel 6 aus 49 der Umsatz langsam, aber stetig um 1,7 Milliarden Euro auf 3,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Lottoziehung geht ins Netz

Es ist nicht so, dass die Deutschen nicht mehr spielen mögen. Doch gibt es inzwischen wesentlich mehr Lottoangebote und mit den zwar illegalen, aber beliebten Angeboten im Internet eine große Konkurrenz. Bei der ARD dürfte da mancher wehmütig an die Zeit zurückdenken, als der Sender das Glücksspiel praktisch wie einen Behördenakt betrieb. Bis weit in die 1980er Jahre hieß es stets zum Auftakt der Ziehung der Lotto-Zahlen: "Der Aufsichtsbeamte hat sich vor der Ziehung von dem ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes und der neunundvierzig Kugeln überzeugt."

Zu Beginn wurden die Kugeln in einem nüchternen Studio gezogen und dann die Zahlen auf Teakholzklötzchen präsentiert. Seit den 1970er Jahren wurde die Lottoziehung immer bunter. Mal verbauten die Studiogestalter Plexiglas für eine modernere Gestaltung, später blinkten die gezogenen Zahlen. Zuletzt erfolgte die Ziehung dann beim Hessischen Rundfunk mit der Frankfurter Skyline im Hintergrund. In Zukunft soll für die aufgezeichnete Ziehung die Kulisse noch einmal verändert werden.

Wer den Live-Kick braucht, kann allerdings nach wie vor bei der Ziehung dabei sein. Der Deutsche Lottoblock zeigt diese im Internet. Für die letzte Live-Ziehung im Fernsehen scheint übrigens die "13" ein guter Tipp zu sein. Bei der ersten, damals noch nicht übertragenen Ziehung 1955 kam die 13. Bei der ersten übertragenen Ziehung 1965 kam ebenfalls die 13. Da müsste es doch mit dem Zufall zugehen, wenn nicht auch in diesem historischen Lotto-Moment die 13 kommen sollte.

Ralf Isermann, AFP/AFP

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