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23. Januar 2008, 09:30 Uhr

Die Subventionskultur geht weiter

Das öffentlich-rechtliche Mediensystem erweist sich als erstaunlich stabil, trotz anhaltender Kritik fließt das Geld weiter: Ab 2009 werden die Rundfunkgebühren um weitere 95 Cent steigen. Kleingeld, das sich summiert: Pro Jahr nehmen ARD und ZDF dann rund 7,5 Milliarden Euro an Gebühren ein. Von Bernd Gäbler

ARD und ZDF investieren ihre Einnahmen auch in teure Sportübertragungen© Uli Deck/DPA

Hugh, die KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) hat gesprochen! 17,98 Euro monatlich muss ab 2009 jedermann zahlen. Auch wenn die Landtage (die politische Verantwortung für die Medien liegt bei den Ländern) jetzt noch zustimmen müssen, ist damit de facto die Rundfunkgebühr bis zum Jahr 2012 festgelegt. Denn das Bundesverfassungsgericht hat die Hürden für eventuellen Widerspruch so hoch gelegt, dass kein Landtag mehr aufmucken wird. Was für ein schönes Verfahren! Wer wünschte sich nicht Ähnliches: Man notiert seinen Bedarf, eine "unabhängige" Kommission macht dann hier und da ein paar Abstriche und gewährt zum Schluss das Begehrte. So lässt es sich leben.

Auch die Sprachregelung ist bereits ausgegeben: Von einer "maßvollen Erhöhung" sprechen alle interessierten Kreise. Agenturen und Nachrichten-Sendungen gehören dazu. Für die Bürger heißt es: zahlen, denn Gebühren sind zwar keine Steuer, aber dennoch Pflicht. Ausnahmen gibt es nur aus sozialen Gründen. Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk summieren sich die einkassierten Kleinbeträge von uns allen nach dem Gesetz der großen Zahl am Ende zu rund 7,5 Milliarden Euro. Die öffentlich-rechtlichen Sender, das mit großem Abstand zu den nachfolgenden Konzernen - ob Axel-Springer-Verlag, Burda oder die WAZ-Gruppe - nach Bertelsmann zweitgrößte Medienunternehmen des Landes, werden so stabil subventioniert.

Rundfunkgebühr darf nicht GEZ-Gebühr heißen

Was da nun festgeschrieben ist, darf man nicht GEZ-Gebühr nennen. GEZ - das sind die rüden, auf Provisionsbasis arbeitenden Geldeintreiber. Sie sind zwar im Auftrag der Sender unterwegs, und die Sender haben es gern, wenn die GEZ schön vollständig abkassiert, aber identifiziert werden mit deren unangenehmen Personal möchten sie nicht. Darum heißt das Kind "Rundfunkgebühr", und die GEZ ist ein eigenständiger Dienstleister. Die aktuelle Entscheidung zu einer weiteren Erhöhung und keinerlei Modikfikation am Verfahren bis zum Jahr 2012 wird die GEZ keineswegs dazu anhalten, im Zweifel vorsichtiger oder gar höflicher zu agieren. Jeder Kunde wird weiterhin viel Spaß haben mit den im öffentlichen Auftrag privatwirtschaftlich agierenden Gebühren-Fahndern, die so tun als repräsentierten sie eine staatlich legitimierte Behörde.

Die "Gebühren" heißen "Gebühren", weil sie keine Steuer sein dürfen. Wären sie eine Steuer, wäre der so finanzierte Rundfunk ja staatlich. Hörfunk und Fernsehen müssen laut oberster Rechtssprechung und hinreichender historischer Erfahrung der Deutschen aber "staatsfern" sein. Auch wenn die Sender sich neuerdings gerne "Unternehmen" nennen, sollen die "Gebühren" aber auf keinen Fall öffentliche Subventionen für privatwirtschaftlich agierende Unternehmen sein. Das wäre Wettbewerbsverzerrung. Dagegen hätte die EU etwas. Weil sie nämlich für die Bewusstseinsbildung der Bürger so wichtig sind, haben die öffentlich-rechtlichen Sender einen besonderen öffentlichen Auftrag. Darüber, ob und wie sie ihn erfüllen, gibt es mit Recht viel Streit. Denn am Ende haftet für das gesamte öffentlich-rechtliche System doch der Staat. Ob die zahlreiche Ausstrahlung von Rummel-Boxen, mehrstündigen Boulevardstrecken am Nachmittag, die Verlagerung von Kinder- (KiKa) und Informationsprogrammen (Phoenix) in Spartenkanäle und das Aufkaufen teurer Stars und Sportrechte dem ursprünglichen Sinn dieser Spezialkonstruktion "öffentlich-rechtlich" noch entspricht, ist solange irrelevant, wie sich die Politik hier besser repräsentiert sieht als im ausschließlich quotengierigen Privatfernsehen. So lange dürfen die Sender eigene Subfirmen und Agenturen unterhalten. So lange stört es nicht sehr, wenn geschätzte 80 Prozent des Programms hier wie dort ausgestrahlt werden könnten. Dienen diese großen Zwitter zwischen Staat und Privatwirtschaft wirklich noch optimal den Fortschritten von Kultur und Bildung, einem besseren und bewussteren menschlichen Miteinander? Wer da auch ein Fragezeichen setzt, müsste eigentlich eine ernsthafte Umkehr zur guten Ursprungsidee "öffentlich-rechtlichen" Rundfunks fordern.

Werbe-Verbot

Es gibt einen einfachen und sinnvollen Schritt auf diesem Weg. Er entspricht auch dem, was in den Programmen aller Parteien steht: Wer 7,5 Milliarden Euro jährlich an Gebühren einnimmt, dem muss zusätzliche Werbung verboten werden. 360 Millionen Euro Werbegelder kassiert die ARD. Etwa 200 Millionen Euro sind es beim ZDF. Dieses Geld verdirbt den Charakter. So sehr, dass Fritz Raff, der oberste ARD-Repräsentant, tatsächlich schon verkündete, durch Werbung erhalte das Programm Anziehungskraft für junge Leute, und Aktionen von Kaufhäusern gehörten zur regionalen Information. So argumentieren Menschen aus Gier unter ihrem Niveau. Werbefreiheit wäre ein erholsamer Schritt. Unterschiede würden deutlicher. Kritik wäre wieder leichter. Ein Beispiel: In ungefähr zwölf Auftritten macht Til Schweiger Werbung für seinen schlechten Film. Keine Kritik, nirgends. Schon im Antrag für die Filmförderung sind die Auftritte als PR-Termine aufgeführt. Das mag niemanden stören. Die Gebühr müsste auch nicht entsprechend erhöht werden wie Werbegelder ausfallen, sondern die Sender müssten schlicht ein paar Promille weniger ausgeben. Selbst wenn die Gebühr ausnahmsweise einmal nicht gestiegen wäre, hätten sie den Sendebetrieb ja nicht einstellen müssen.

Stabile Systeme

Mitten im Herzen der Marktwirtschaft lebt ein gut genährter Zwitter: nicht Staat, nicht Markt. Die Idee dahinter war einmal sehr gut. Aber warum musste es gleich so viel sein? In keinem anderen Land ist der "öffentlich-rechtliche Rundfunk" so stark wie in Deutschland. Er hat sich prächtig entwickelt. Vorerst bis 2012 ist ein stabiler, wieder einmal gehörig zunehmender Geldzufluss gesichert. So viel Sicherheit ist sonst nirgends. Stabil sind Systeme besonders im Zustand der Ruhe. Die sichere Stabilität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fördert nicht dessen Dynamik. Gefördert werden durch viel Geld oft eher die Kräfte der Beharrung und Anpassung anstelle von Pioniergeist, Wagnis, Risiko und Kunst. Das ist nicht gut, gerade weil es nicht um Schrauben oder Dosensuppen geht, sondern um Inhalte, die den Bürger von x-beliebigen Kunden unterscheiden sollen.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei VOX ("Sports-TV"), bei SAT.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

Von Bernd Gäbler
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
Punito (23.01.2008, 13:57 Uhr)
Das Maß ist voll ....

Es ist eine zwingende Notwendigkeit per Radio oder FS den Bürgern im Staat Informationen zukommen zu lassen .
Sei es in Politik Sport oder Kultur .
Je nach Geschmack kann der Fernsehkonsument unter einer scheinbaren Vielfalt im öffentlich
rechtlichen Fernsehen eine für seinen Geschmack genehme Sendung auswählen .
Das kostet Gebühren , logisch!
Bei den steten Wiederholungen, sei
es von "Schinken" aus der Filmbranche,
das dauernde Humptatata der Volksmusikevents , oder den Megagottschalkgelabere am Wochende ,
gibt es auch manch Ansprechendes .
Leider nur zur verkehrten Tageszeit .
Die Macher machen Kasse - der Kunde
hat den ganzen Schrott zu zahlen .
Die Privatsender leben außschließlich von Werbegeldern .Der dort gezeigte Schrott braucht nicht aufzuregen ,
weil der Fernsehkonsument "Gratis"
bedient wird .
Vom Öffentlich -Rechtlichen würde ich gerne einmal eine Aufschlüsselung der Ausgaben von Kundengeldern erhalten.
Ich habe kein Verständnis für die nächste Erhöhung der Gebühren .
Phil_undso (22.01.2008, 20:58 Uhr)
@bauzeichner
Ihre Argumente legitimieren aber nicht Beitragssätze in der Größenordnung einer GEZ. Schließlich sind die wenigsten Beiträge wirklich rein unabhängig und nur zur Information.
Falls Sie sich mal von "Gute Zeiten - Schlecht Zeiten" losreissen können, geben Sie Ihrem Herzen einen Stoß und geben zu das die Gebühren für Fernsehen, das nur am Rande informativ ist und ansonsten wenig besser als Privat-Schrott, einfach nur zu hoch sind.
Ein JA für unabhängiges Fernsehen.
Ein NEIN für zu hohe Gebühren.
Und noch etwas: Auch auf den öffentlich-rechtlichen läuft so etwas wie "Werbung". Da lässt sich durchaus etwas damit verdienen ;)
Bauzeichner (22.01.2008, 17:47 Uhr)
@ElPrimo
Grundbedarf bezieht sich ja nicht auf Nachrichten alleine. Die öffentlich/rechtlichen Sender machen Programm für alle ohne politische und wirtschaftliche Vorgaben und nicht nur für Nischen, deren Lobbyisten gerade das meiste Geld herausrücken. Ich sehe das unabhängige öffentlich/rechtliche Radio- und TV-Programm auch ein Stückweit als Garant unserer Demokratie an. Was von irgendwelchen Mächten gelenkte Medien anrichten können wissen wir alle, hoffentlich. Und daran muss sich, nicht nur meiner Meinung nach jeder beteiligen, wie eben auch an den anderen durch die Gemeinschaft finanzierten, öffentlichen und für jeden nutzbaren (aber deshalb noch lange nicht von jedem genutzten) Dingen in diesem unserem Lande. Alle stöhnen sie über die Ellenbogengesellschaft, aber wenn es darauf ankommt lacht das eigene Ego wieder aus dem Spiegel...
ElPrimo (22.01.2008, 17:09 Uhr)
@ Bauzeichner
Es ging nicht darum, die Rundfunkgebühren gänzlich abzuschaffen, mein Satz mit den Decoderboxen war wohl ein kleiner Fehlgriff, da gebe ich Ihnen recht.
Bemängelt wird hier wohl mehr die weitere Erhöhung dieser Gebühr.
Aber wo wir gerade von Informationsquellen sprechen, frage ich mich was dann, als kleines Beispiel, die ganzen Vorabendserien sollen. Zählt das etwa zur Informationspflicht der ÖR ? Informationen gibts nur am Mittag und Abends in der Tagesschau. Der Rest wird mit mehr oder weniger sinnvollen Sendungen überbrückt.
Mir drängt sich der Eindruck auf dass solche Produktionen nur stattfinden, um das Geld irgendwie wieder auszugeben. Wir sprechen hier immerhin von 7 Milliarden Euro jedes Jahr.
Dann sollte man eben reine Nachrichtensender draus machen. Mit den finanziellen Möglichkeiten müssten dabei Sendungen rauskommen, die mich geradezu am Fernseher fesseln.
Bevor ichs vergesse...ich kann Sie beruhigen, BigBrother und ähnliche Volksverdummung boykottiere ich komplett. Zumindest auf der Ebene sind wir einer Meinung.
Bauzeichner (22.01.2008, 17:06 Uhr)
@bR4iNST0RM
Habe ich doch bereits. Mehrfach. Lesen Sie meinen Text doch bitte bis zu Ende durch und setzen erst dann die Hasskappe auf.
bR4iNST0RM (22.01.2008, 16:52 Uhr)
@ Bauzeichner
„Nennen Sie mir doch einen triftigen Grund, warum ich als Bürger der Bundesrepublik Sachen finanzieren muss, mit denen ich in meinem ganzen Leben nie in Kontakt komme geschweige denn sie benutzen kann.“
Ganz genau! Nennen Sie mir einen, warum ich IHR Fernsehen mitfinanzieren soll!
bR4iNST0RM (22.01.2008, 16:48 Uhr)
Die Munition ist noch nicht aus!
Noch ein kleiner aber durchaus wichtiger Grund für die Abschaffung der GEZ: was ist mit all den Nachbarländern die ohne Probleme die OER empfangen und schauen?? Warum zahlen die keine GEZ?
Die OER will international Senden, aber kassiert nur national!
Und das Internet… ohoh! Hier wird die GEZ erhoben, weil die OER „Material“ zum Abruf bereitstellen! WOW! Und alle Welt kann das „Material“ ansehen! Nur die Deutschen bezahlen dafür?! Nee ist klar! Und auch hier gibt es zur Abmilderung der ganzen „Schwarzseher“ simpelste Mittel! Ahhhhhhhh, wie dumm und gierig kann man sein! Klick.. klick.. ok.. das Magazin ist alle!
Bauzeichner (22.01.2008, 16:43 Uhr)
@ElPrimo
Nennen Sie mir doch einen triftigen Grund, warum ich als Bürger der Bundesrepublik Sachen finanzieren muss, mit denen ich in meinem ganzen Leben nie in Kontakt komme geschweige denn sie benutzen kann. Warum muss ich als Autofahrer Radwege und Fußwege finanzieren oder als Nichtschwímmer Hallen- und Freibäder? Warum muss ich als West-Deutscher 5,5% Solidaritätszuschlag zahlen? Nur weil Sie gerne Rad fahren und schwimmen und wiedervereinigt werden wollen?
Es gibt einen Grundkonsens in Deutschland, was die Finanzierung der Infrastruktur der Allgemeinheit angeht. Da zahlt jeder in den Topf (durch Steuern oder andere Abgaben), ob er nun spezifische Sachen daraus benötigt oder nicht. Der öffentlich/rechtliche Rundfunk ist Teil der allgemeinen Infrastruktur, er dient der Bevölkerung als sowohl vom Staat als auch von anderen Interessengruppen unabhängige Informationsquelle. Und eben weil er vom Staat und der jeweiligen Regierung unabhängig ist muss die Finanzierung von uns, dem Volk aus erfolgen.
Ich frage nochmal, wollen Sie ausschließlich von der Wirtschaft und von der jeweiligen Regierung kontrolliertes Fernsehen und Radio? Schrecken Sie die Beispiele Russland und Italien nicht ab?
Und wenn Sie wirklich mal sich von BigBrother und Co. losreißen können werden Sie sehen, das die von mir genannten Sender mitnichten nur Volksmusik und Wiederholungen zeigen. Das ist nämlich das Totschlagsargument der Gegner der GEZ und entlarft diese sehr schön als oberflächliche Populisten.
ElPrimo (22.01.2008, 16:16 Uhr)
@ Bauzeichner
Nennen Sie mir bitte nur einen einzigen halbwegs triftigen Grund, wieso ich (und viele andere) die Gebühren für einen Sender tragen soll, den "Sie" gerne sehen ?
Achja, ich würde liebend gerne Premiere sehen, würden Sie bitte für mich die Kosten mittragen ?
Wenn die Sendungen Ihnen zusagen, bitteschön, aber ich zahle ungern soviel Geld um 10 Jahre alte Wiederholungen und schlechte Eigenproduktionen zu sehen. Mir soll mal einer verraten was die mit 7 Milliarden Euro jedes Jahr anstellen.
Von der Technik her wäre es überhaupt kein Problem, das gesamte Programm über Decoderboxen auszustrahlen. Da zahle ich dann nur wenn ich die Tagesschau, die Sportschau & ab und zu mal ein paar Sportereignisse sehe. Damit wäre jeder zufrieden.
Aber die Sender haben gar kein Interesse daran, weil die ganz genau wissen dass ihnen dann sehr viel Geld durch die Lappen gehen würde.
bR4iNST0RM (22.01.2008, 14:45 Uhr)
@ Bauzeichner (na und!)
Sie meinen die OER macht „Querschnittfernsehen“? Sorry, das mag für Sie persönlich vielleicht zutreffen, aber bitte keine „Verallgemeinerung“. Und plump behaupten, jeder soll für Ihre Meinung auch die kosten tragen, ist genauso dreist wie die GEZ an sich.
Abgesehen davon, spricht ja keiner über die Abschaffung der OER! Nur um deren Finanzierungsmodell geht es hier! Und da ist zwingend Überarbeitungsbedarf im Sinne der Codierung und Decodierung mittels dazugehöriger Technik.
Da zahlen sie wahrscheinlich 100 Euro/Monat für „Ihr“ Programm, na und! Das machen sie ja mit Freuden, wie ich in ihrem Kommentar herausgelesen habe.
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