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19. Mai 2009, 18:29 Uhr

Jetzt redet eine "Baby-Verleiherin"

Schon vor ihrem Start sorgt die RTL-Serie "Erwachsen auf Probe" für Wirbel. Politiker und Experten werfen dem Sender vor, das Kindeswohl zu gefährden und eine Bindungsstörung der Babys billigend in Kauf zu nehmen. Eine Mutter erzählt, warum sie ihren Sohn jederzeit wieder bei der umstrittenen Doku-Soap mitmachen lassen würde.

Erwachsen auf Probe, RTL, Baby-Experiment

Machte bei "Erwachsen auf Probe" mit: Katrin B.,31, mit ihrem Sohn Lasse© RTL / Frank Hempel

Noch hat's keiner gesehen, aber alle reden darüber - die RTL-Programm-Macher wird's freuen: In ihrem neuen Doku-Mehrteiler "Erwachsen auf Probe" (Start 3. Juni, 20.15 Uhr) testen Teenagerpärchen vier Tage lang das Elternsein - mit echten "ausgeliehenen" Babys und Kleinkindern. Vorlage für die Sendung ist das BBC-Format "The Baby Borrowers", das im Sommer 2008 für heftige Diskussionen in England sorgte. Nun sind die Deutschen an der Reihe, sich aufzuregen: Was sind das für Eltern, die ihre Kleinkinder für vier Tage fremden Teenagern überlassen haben? Katrin B., 31, ist eine dieser Mütter. Ihr Sohn Lasse war bei den Dreharbeiten knapp elf Monate alt, heute ist der Junge eineinhalb.

Frau B., Sie und Ihr Mann gelten zurzeit als Rabeneltern der Nation, weil Sie Ihren Sohn tagelang der Obhut Fremder überlassen haben. Wie gehen Sie damit um?

Ich lese gar nicht mehr, was dazu in den Zeitungen steht. Und ich gebe dieses Interview: Es ist mir wichtig, klarzustellen, wie es wirklich war. Lasse war natürlich nicht vier Tage und Nächte von uns getrennt, ohne dass wir ihn sehen konnten - das hätten wir doch niemals mitgemacht!

Und wie war es wirklich?

Klar, Lasse hat den überwiegenden Teil des Tages mit Bastian und Tamara verbracht. Aber ich war immer dabei. Meistens stand ich hinter der Kamera. Wenn ich sah, das klappt, Lasse geht es gut, habe ich mich auch mal entfernt und bin ins drei Meter entfernte "Überwachungszimmer" gegangen, wo ich auf einem Monitor verfolgen konnte, was gerade passierte. Ich wäre jederzeit binnen fünf Sekunden bei ihm gewesen, wenn das nötig gewesen wäre. Außerdem haben wir Lasse jeden Abend zum Schlafen wieder mit nach Hause genommen.

Andere Eltern haben ihre Kinder auch über Nacht bei den "Probeeltern" gelassen.

Das stimmt. Für mich und meinen Mann wäre das niemals in Frage gekommen.

Wenn Lasse Sie also fast immer sehen konnte: Wollte er dann nicht zu Ihnen?

Ja, es gab solche Situationen, in denen er lieber zu mir wollte. Und das durfte er dann auch. Kein Kind wurde zu etwas gezwungen. Es gab kein Drehbuch, keinen Zeitplan, dem sich die Kleinen unterordnen mussten, auf alle ihre Bedürfnisse wurde jederzeit Rücksicht genommen. Anders wäre das doch gar nicht gegangen. Oder meinen Sie etwa, irgendeine normale Mutter schaut einfach zu, wenn ihr Kind weint? Selbstverständlich gehe ich zu meinen Sohn, wenn er die Arme nach mir ausstreckt - völlig egal, ob gerade zehn Kameras laufen.

Hatten Sie und Lasse vor den Dreharbeiten Gelegenheit, die Probeeltern Bastian und Tamara kennenzulernen?

Nein, wir haben uns tatsächlich an der Haustür das erste Mal gesehen. Ich wusste vorher, dass Tamara 17 ist und Basti 18 und dass er Erzieher werden will.

Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert, dass Sie bei so etwas mitmachen?

Die meisten haben skeptisch reagiert - so wie ich auch, als man uns anfragte. Wäre ja auch seltsam, wenn bei so etwas keine kritischen Fragen aufkämen. Aber wenn ich mehr erzählt habe, haben sie ihre Meinung geändert. Auch wir haben sehr lange Gespräche mit der Produktionsfirma geführt und uns genau erklären lassen, was da passieren soll, bevor wir Ja gesagt haben.

Wie kam es dazu, dass Sie für diese Sendung angesprochen wurden?

Der Kontakt lief über eine Kinder-Casting-Agentur, bei der Lasse in der Kartei ist.

Erwachsen auf Probe, RTL, Baby-Experiment

Test für den Ernstfall Basti und Tamara mit einer Puppe© RTL / Frank Hempel

Warum haben Sie Ja gesagt?

Es geht uns nicht darum, Lasse berühmt zu machen. Aber er ist ein sehr aufgeweckter, kontaktfreudiger und fröhlicher kleiner Junge, sehr gerne unter Leuten. Deshalb konnte ich mir vorstellen, dass er Spaß an so etwas hat. Hätte sich gezeigt, dass das nicht stimmt, hätte ich den Dreh abgebrochen. Außerdem fand ich es selbst spannend, mal hinter die Kulissen einer solchen TV-Produktion schauen zu dürfen.

Spielte Geld eine Rolle?

Das war nicht ausschlaggebend.

Wie viel haben Sie bekommen?

Die branchenübliche Aufwandentschädigung. Das Geld haben wir auf Lasses Sparbuch gepackt.

Gab es einen Augenblick, in dem Sie kurz davor waren, den Dreh abzubrechen?

Nein, keinen einzigen. Basti und Tamara sind viel mit ihm raus gegangen, das liebt er, und ich war ja immer dabei. Und dass es ihm gut ging, haben wir auch abends gemerkt, wenn wir wieder allein mit ihm zu Hause waren: Er war ausgeglichen, ist friedlich ins Bett gegangen und hat gut geschlafen, genau wie sonst auch. Ganz sicher war er nicht traumatisiert, wie irgendwelche Experten, die die Sendung noch gar nicht gesehen haben, jetzt behaupten. Das hätte ich als Mutter doch gemerkt.

Den Zuschauer erwarten also keine herzzerreißenden Heulszenen, in denen überforderte Teenies hilflos um ein schreiendes Kleinkind herum stehen?

Nein, so ein Quatsch. Es gab einen Moment, in dem Lasse weinte und Basti und Tamara nicht weiter wussten: und zwar beim Wickeln, das mochte Lasse zu dieser Zeit gar nicht. Auch bei mir hat er damals oft Theater gemacht. Erst ist eine Kinderpflegerin dazu gekommen, dann bin ich hingegangen und habe geholfen.

Alles, was Sie jetzt erzählen, klingt, als habe RTL der Presse gegenüber die Umstände des Drehs etwas dramatischer dargestellt als sie tatsächlich waren.

Ich habe die Pressetexte gar nicht gelesen. Aber ich nehme an, RTL hat zu der Sendung keinen Roman verfasst.

Haben Sie Angst vor der Ausstrahlung?

Nein, mittlerweile bin ich froh, dass das bald endlich gezeigt wird. Dann wird vielen Leuten vieles klar werden.

Gefunden bei.... ... www.brigitte.de

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Interview: Julia Karnick
 
 
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