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Jamie-Lee Kriewitz fährt nach Stockholm: "Ich bin so happy"

Ob Ralph Siegel, singende Mönche oder ein Weltverbesserer: Gegen Jamie-Lee Kriewitz kam beim ESC-Vorentscheid in Köln niemand an. Die 17-jährige Schülerin aus Hannover siegte mit einem alten Raab-Trick.

Von Jens Maier, Köln

Jamie-Lee Kriewitz wird Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm vertreten

Jamie-Lee Kriewitz wird Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm vertreten

"Geh auf die Bühne und habe Spaß." Der Satz stammt von Stefan Raab. Er hat ihn 2010 zu einer 18-jährigen Schülerin namens Lena Meyer-Landrut vor ihrem Auftritt bei "Unser Star für Oslo" gesagt. Genau sechs Jahre später steht im gleichen Fernsehstudio in Köln-Mülheim wieder eine junge Schülerin auf der Bühne und singt beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Stefan Raab ist inzwischen in TV-Rente. Sein Rat jedoch, der hat noch immer Gültigkeit. Keine beherzigt ihn an diesem Fernsehabend so gut wie Jamie-Lee Kriewitz. "Ich bin so happy", wird sie hinterher in die Kamera sagen. Und sie hat allen Grund dazu.

Jamie-Lee Kriewitz vertritt Deutschland am 14. Mai beim Eurovision Song Contest in Stockholm. In der Show "Unser Lied für Stockholm" setzte sich die 17-Jährige aus Bennigsen in Niedersachsen mit ihrer selbst komponierten Pop-Ballade "Ghost" am Ende gegen insgesamt neun Konkurrenten durch. 


Singende Mönche (Gregorian), deutscher Schlager (Ella Endlich), Metal-Rock (Avantasia) - ja nicht mal ESC-Urgestein Ralph Siegel mit seinem Schützling Laura Pinski können ihr am Ende gefährlich werden. Nur für einen Moment gerät ihr greifbarer Sieg ins Wanken.

Alex Diehl hat beim ESC eine Botschaft

Köln steht seit der vergangenen Silvesternacht für die Übergriffe am Hauptbahnhof. Für das ungute Gefühl, dass das "Wir schaffen das" der Kanzlerin vielleicht nur eine Phrase ist. Und dann singt einer sowas: "Vor lauter Angst sieht keiner klar, Ihr seid wütend, wir können's verstehen, doch diesen Weg voll Hass zu gehen, löst kein bisschen das Problem."

"Nur ein Lied" hat Alex Diehl seinen Song getauft. Doch er ist mehr als das. Er ist eine Botschaft der Anständigen. Das Kölner Publikum belohnt ihn dafür mit Standing Ovations, jubeln ihm zu, fast als habe die Domstadt etwas gut zu machen.

ESC-Zuschauer haben Wahl zwischen Spaß und Ernst

Diehl hatte sein Lied nach den Anschlägen von Paris geschrieben. Innerhalb von 15 Minuten schrieb der 28-Jährige aus Traunstein sich seinen Frust und seine Ängste von der Seele, komponierte eine Melodie auf seiner Gitarre und machte morgens um 5 Uhr ein Handyvideo in seinem Zimmer, das binnen weniger Tage drei Millionen Mal auf seiner Facebook-Seite angesehen wurde. .

Die Weltverbessererballade passt nicht nur auf Paris, sondern auch auf Clausnitz, Dresden oder Köln. Spaß oder bitterer Ernst? Das ist am Ende die Entscheidung, zwischen der die Fernsehzuschauer bei ihrer Abstimmung wanken.

Jamie-Lee Kriewitz und Alex Diehl stehen um 22.17 Uhr als letzte verbliebene Kandidaten auf der Bühne in Köln. Wer wird nach Stockholm fahren? Die Fröhliche im Manga-Outfit mit Kuscheltier im Arm oder der Nachdenkliche im schwarzen Anzug und in bester Liedermachermanier?

Jamie-Lee Kriewitz überzeugte mit Herzlichkeit

44,5 Prozent der 1,12 Millionen Anrufer entscheiden sich schließlich für Kriewitz, Diehl erhält 33,9 Prozent. Gute Laune statt erhobener Zeigefinger. Mit ihrem bunten, eigenwilligen Outfit, ihrem Zauberwald als Bühnenbild und ihrer Stimme kann die "The Voice"-Siegerin bei den Zuschauern punkten.

Doch sie siegte auch noch in einer anderen Kategorie. "Et kütt von Herze", würden die Kölner wohl dazu sagen. Kriewitz ist eine, die mit ihrer Herzlichkeit überzeugen kann und auf ihren Mentor Smudo angesprochen Sätze sagt wie: "Ich glaube nicht, dass er mich jemals verlassen würde." Süß ist das. Erfrischend und entwaffnend ehrlich.

Lena-Vergleiche? Kein Problem für Jamie-Lee

Das war auch eines der Erfolgsrezepte für ihren Sieg bei "The Voice of Germany". Bis zum vergangenen Herbst war Kriewitz noch völlig unbekannt. Eigentlich wollte sie sich auf das Abitur vorbereiten, doch dann kam ihre Bewerbung bei der Castingshow dazwischen. Runde für Runde arbeitet sie sich nach vorne. Gewinnt auch dank der Unterstützung ihrer Mentoren Smudo und Michi Beck. Jetzt steht sie erneut als Siegerin auf der Bühne.

Ob sie die Lena-Vergleiche noch hören könne, wird die 17-Jährige auf der Pressekonferenz in Köln gefragt. Sie kann."Ich bin ja auch aus Hannover", sprudelt es aus Kriewitz heraus, wo andere kompliziert erklärt hätten, warum sie eben nicht wie Lena sein wollen. Ein Sieg wie 2010, als Meyer-Landrut erst Deutschland und dann Europa im Handstreich eroberte, der wird in Stockholm wohl kaum zu realisieren sein. Zu stark ist die Konkurrenz.

"Ich werde ganz viel üben", verspricht Kriewitz. "Ich will zeigen, dass Deutschland nicht langweilig, sondern bunt, kreativ und frisch ist". Wenn sie dann erneut den Raab-Ratschlag beherzigt und auf der Bühne in Stockholm Spaß hat, kann nichts mehr schief gehen.

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