Mit mehr als 30 Millionen Euro stellt Russland den teuersten Grand Prix aller Zeiten auf die Beine. Es soll die Show der Superlative werden. Per Live-Schaltung läuten die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS den Countdown für das Zuschauervoting ein. Doch die Moskauer lässt das alles völlig kalt. Von Jens Maier, Moskau

Dita von Teese soll es als Backgroundsängerin für Deutschland richten© Ulrich Perrey/DPA
"Doch wer dich wirklich kennt, der weiß ein Feuer brennt, in dir so heiß", haben die Grand-Prix-Veteranen Dschinghis Khan einst über die Stadt Moskau gesungen. Vom lodernden Feuer ist beim Eurovision Song Contest (ESC), dessen Finale am Samstagabend in der russischen Hauptstadt stattfindet, bisher allerdings wenig zu spüren. Der größte Musikwettbewerb der Welt scheint im Alltag der Zehn-Millionen-Metropole unterzugehen. Und das, obwohl die Gastgeber mit Millionenbeträgen eine bombastische Veranstaltung auf die Beine gestellt haben.
Ganze 30 Millionen Euro hat die russische Regierung angeblich für die Organisation des Wettbewerbs zusätzlich zu den Geldern der europäischen Rundfunkanstalten bereitgestellt. Der ESC in Moskau könnte damit zum teuersten Grand Prix aller Zeiten werden. Wladimir Putin persönlich überwacht die Organisation der Veranstaltung, hat sich mehrmals in der Olympia-Arena davon überzeugt, dass alles klappt. Immerhin ist der Grand Prix die wichtigste internationale Veranstaltung für Russland seit den Olympischen Spielen 1980.
An Superlativen wurde deshalb nicht gespart: Die Bühne ist mit 25 Metern Länge die breiteste ESC-Bühne aller Zeiten, angeblich wurden für die aufwändige Lichttechnik 30 Prozent der weltweit verfügbaren LED-Beleuchtung verbaut. Vorläufiger Höhepunkt des Gigantismus wird eine Live-Schaltung zur Internationalen Raumstation ISS sein. Die Astronauten werden während des Finales den Countdown zum Abstimmungsbeginn für die voraussichtlich über 100 Millionen Fernsehzuschauer geben.
Während die Regierung mit Millionen um sich wirft, geben sich die Moskauer bislang zurückhaltender. Bei den beiden Halbfinals war die Olympia-Halle nicht ausverkauft und während die angereisten Fans aus Deutschland, Holland, Skandinavien, Griechenland und Spanien für Partystimmung sorgten, wollte bei den russischen Zuschauern kein Jubel aufkommen. Schon vor Ende der Live-Übertragung standen viele Besucher auf und gingen.
Das war sicherlich zum einen der Uhrzeit geschuldet, da Moskau zwei Stunden vor der mitteleuropäischen Zeitzone liegt, war es bereits weit nach 1 Uhr, zum anderen der Aufteilung der Sitzplätze im Saal. Der vordere Bühnenbereich, der traditionell für eingefleischte Grand-Prix-Fans reserviert ist, wird umgeben von meterlangen VIP-Bereichen, auf denen weder mitgeklatscht noch mitgejubelt wurde.
Auch die Entscheidung der Veranstalter, das Event nicht in der Innenstadt per Großleinwand zu übertragen, bleibt unverständlich. Im vergangenen Jahr in Belgrad haben tausende Menschen auf der Straße mitgefiebert. Es bleibt zu hoffen, dass beim Finale an diesem Samstag, wenn dann auch der russische Beitrag, der in den Halbfinals fehlte, zu hören ist, der Funke endlich überspringt, um das besungene "Feuer" Moskaus endlich zu entfachen.