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24. Juli 2007, 08:35 Uhr

"Tiefer geht's nimmer"

Drei Prominente, die den Sender mit groß gemacht haben, erinnern sich an bessere Zeiten bei Sat.1 - und richten deutliche Worte an die neuen Besitzer. Von Alexander Kühn

Margarethe Schreinemakers moderierte "Schreinemakers live" bei Sat.1© Johannes Eisele/DPA

Margarethe Schreinemakers, 48, moderierte von 1992 bis 1996 "Schreinemakers live":

Wir haben bei "Schreinemakers live" das ganze Leben abgebildet: Schicksale, ausgeflippte Zeitgenossen, Prominente. Und wir haben gezeigt, dass man auch mit politischen Themen Quote machen kann. "Die Rente ist sicher", hat Norbert Blüm damals gesagt. Er kam dann zu uns ins Studio, das war 1994, und ein Wirtschaftswissenschaftler hat ihm vorgerechnet, dass 2010 in der Rentenkasse ziemlich Ebbe sein wird. Und wir hatten das erste Interview mit Nelson Mandela, als er Präsident geworden war. Anfangs dauerte meine Sendung eine Stunde. Als die Marktanteile stiegen und mit ihnen die Werbepreise, wurde auf zwei Stunden verlängert und dann auf drei. Der Umsatz war auch damals schon wichtig; wir haben dem Sender zu Bestzeiten 150 Millionen Mark beschert. Aber wir profitierten davon: je mehr wir verdienten, desto besser wurden wir ausgestattet. Man kann einen Sender auch durch Investitionen voranbringen - indem man langsam seine Zugpferde heranzieht. Das geht aber nicht, wenn einem wie jetzt bei Sat.1 Gesellschafter im Nacken sitzen, für die nur die schnelle Rendite zählt.

Erich Böhme moderierte "Talk im Turm" bei Sat.1. Anfang 2007 machte er die Schwangerschaftsvertretung bei Maischberger in der ARD© Thomas Ernst/WDR

Erich Böhme, 77, war Chefredakteur des "Spiegels" und der "Berliner Zeitung" und moderierte von 1990 bis 1998 "Talk im Turm"

Früher waren die Privatsender die Hechte im Karpfenteich der Öffentlich-Rechtlichen. Ohne meinen "Talk im Turm" auf Sat.1 hätte es "Sabine Christiansen" nie gegeben; erst durch uns ist ARD-Programmdirektor Struve aus seinem Mittagsschläfchen erwacht mit der Idee, sonntagabends eine politische Talkshow zu veranstalten. Umso trauriger ist es, dass Sat.1 jetzt in die Hände von Heuschrecken gefallen ist. Die haben alle Blätter gefressen und nicht gedüngt.

Sie wollen den schnellen Euro machen, das geht in die Hose. Das Programm wird entpolitisiert - und verflacht womöglich noch mehr. Fernsehen funktioniert wie Zeitung machen: Ein guter Verleger gibt ein ordentliches Blatt heraus und verdient damit Geld; aber er macht die Zeitung nicht vorrangig, um damit Geld zu verdienen. Nachdem sich ARD und ZDF in der vergangenen Woche zu Recht von der Epo-verseuchten Tour de France abgewandt hatten, langte Sat.1 zu. Tiefer geht's nimmer.

Nico Hofmann startet mit seinen Produktionen bei Sat.1 durch© Jens Kalaene/DPA

Nico Hofmann, 47, Produzent und Regisseur, Chef der Produktionsfirma teamWorx:

Sat.1 war für mich der Durchbruch. Wir haben 2001 den "Tunnel" gemacht mit Heino Ferch, das war mein erster Event-Zweiteiler, und im Jahr darauf "Der Tanz mit dem Teufel", den Film über die Oetker-Entführung. Damals war eine Aufbruchsstimmung bei Sat.1, die hatten Mut - es wusste ja keiner, ob die Leute sich zeitgeschichtliche Stoffe anschauen wollen. Ich glaube, ein Grund für den Zuschauerschwund ist, dass der Sender sich zu lange auf Bestehendem ausgeruht hat. Noch eine Romantic Comedy und noch eine und noch eine. Und dann ist man plötzlich in eine komplett andere Ecke geschossen, mit der kühlen Friseur-Serie "Bis in die Spitzen" und dem Vierteiler "Blackout", der im Drogen-Milieu spielt. Beides war sensationell gemacht, wurden von der Kritik in den Himmel gelobt, aber die Zuschauer waren irritiert - und die Quoten verheerend. Jetzt hat Sat.1 seine Stunde null. Ich hoffe, dass der Sender genügend Zeit bekommt, sich neu auszurichten. Sat.1-Chef Matthias Alberti hat die Energie dafür.

Von Alexander Kühn
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Mansfield (25.07.2007, 09:07 Uhr)
Linktipp
Speichert euch mal diese Seite:
http://www.tvblogger.de/index.php
Dort mal die Kommmentare beobachten.
Es befinden sich dort in den meisten Fällen "Fans" dieser Privatsender.
Einfach nur zum Lachen was manche sich da zusammenreimen!
blog-kade (24.07.2007, 12:03 Uhr)
Na und?
Ich habe Sat1 seit meinem Umzug vor über einem Jahr nicht in meinem Fernseher einprogrammiert. Von mir aus können die den ganzen Tag ein Testbild senden. Mir würde das nicht einmal auffallen, wenn ich gelangweilt durch die Programme zappe.
Das Privatfernsehen hatte wirklich die Chance, etwas Tolles zu reißen. Aber diese Chance wurde überhaupt nicht genutzt. Stattdessen beteiligen sie sich mit Klasse an der Verdummung des Volkes. Prima.
LG... B-K
Pijey (24.07.2007, 11:35 Uhr)
Tiefer gehts wirklich nimmer...
...mit den Sendern. Dies betrifft aber wahrlich nicht nur Sat.1 Pro7, sondern alle, die sich Privatfersehen nennen. Man ist heute nur noch genervt wenn man die Kiste laufen läßt und eigentlich nur noch mit Werbemüll zugesabbert wird. 25min. Sendung, 7min Werbung, 5min Eigenwerbung was die nächsten Wochen in dem Müllsender so läuft. Das ist wirklich nicht mehr zum aushalten. Aber sie haben es so gewollt. Sie haben die Zuschauer vergrault und merken es noch nicht mal. Das Niveau ist soweit gesunken, dass man es getrost auslassen kann sich irgendetwas dort anzusehen. Das man hier wie ein Geier agiert zeigt das Einspringen von Sat.1 bei der Tour. Es geht um Geld und nicht um Zuschauer. ARD und ZDF hatten das richtige Zeichen gesetzt und die Sponsoren ziehen sich zurück, dem Radsport fehlt das Geld für solche betrügerischen Taten und somit säubert er sich langsam aber sicher selbst, wenn da, ja wenn da nicht diese selbsternannten Moralisten der Sorte Sat.1,Pro7 wären.
Tiefer geht es wirklich nicht mehr.
Vielleict sollte man einmal das Privatfernsehen boykottieren um dieser Kast klar zu machen das es so nicht weitergehen kann.
barryallen (24.07.2007, 10:59 Uhr)
Zielgruppe
Die Dumpfb., die ein derartiges Programm konsumieren sind die (riesige) Zielgruppe und nicht die Leute, die hier Kommentare verfassen. Von daher werden solche Sendungen noch lange erfolgreich sein.... Leider.....
MRP66 (24.07.2007, 10:17 Uhr)
Na und?
SAT1 stirbt, na und? Keine schlechte Sache, wenn man den Müll, den dieser Sender liefert ganz nüchtern betrachtet. Wieviel Romanzen-Soaps, Promis around the clock und Handwerker Shows kann man denn ertragen? Die Verantwortlichen dachten der Zuschauer ist sowieso schon verblödet, ist doch egal was man dem abliefert. Falsch gelegen.
Es wird nicht auffallen wenn dieser Kanal irgendwann dunkel bleibt, ein Verlust ist es nicht, im Gegenteil.
Ein Blick zur Konkurrenz der Privaten, zeigt, dass es dort nicht viel besser aussieht. Trash und nochmals Trash, 24 Stunden, 7 Tage.
Da bleibt die Kiste gerne aus und der Zuschauer der sich gelangweilt abgewendet hat, unterhält sich im Internet.
atride (24.07.2007, 09:43 Uhr)
im grunde
ist die große zeit des tv eh vorbei. für aufgeklärte postmaterialisten (unter 40) ist tv immer mehr nebensache, neben diversen anderen multimedia-angeboten. das hat sich (privat)-tv mit einem programmangebot für hoffnungslose dumpfbacken selbst zuzuschreiben. trotzdem bleibt zu hoffen, dass sich bald mal eine heuschrecke mit ihrem unbebremmsten zivilisationszynismus gehörig die finger verbrennt...
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