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"Langsam merke ich, was der Film angerichtet hat"

25. Januar 2013, 11:20 Uhr

Weil Fabian Hinrichs im Urlaub war, bekam er den Kult um den von ihm gespielten Gisbert Engelhardt im Münchner "Tatort" nicht mit. Im stern.de-Interview spricht er über die Rolle und den Ruhm. Von Carsten Heidböhmer

Fabian Hinrichs Der gebürtige Hamburger gehört seit Jahren zu den besten deutschen Theaterschauspielern. 2010 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt. Seinen Durchbruch auf der Leinwand hatte er 2005 als Hans Scholl in dem Oscar-nominierten Film "Sophie Scholl - Die letzten Tage". Der 36-Jährige hat in vielen TV-Produktionen mitgespielt. Mit seiner Rolle als übereifriger Ermittler Gisbert Engelhardt begeisterte er am 30. Dezember im Münchner "Tatort" ein Millionenpublikum - seither setzt sich eine Facebook-Gruppe vehement für die Rückkehr Engelhardts ein. Was schwierig werden dürfte: In der "Tatort"-Folge wurde Gisbert getötet.

Herr Hinrichs, während Sie in Asien weilten, ist um die von Ihnen verkörperte Figur des Gisbert Engelhardt im Münchener "Tatort" ein bizarrer Kult entstanden. Haben Sie davon irgendetwas mitbekommen?

Nein, nichts. Ich war nicht zu erreichen auf der Reise, eigentlich bin ich nie während einer Reise erreichbar. Ich habe wirklich nichts mitbekommen.

Wann ist Ihnen das volle Ausmaß des Kultes klargeworden?

Jetzt. So langsam merke ich, was der Film alles angerichtet hat.

Hatten Sie schon während der Dreharbeiten eine Ahnung, was aus diesem "Tatort"-Fall entstehen wird?

Ich wusste bereits nach dem Lesen des großartigen Drehbuchs von Alexander Adolph und nach dem ersten Treffen mit ihm, dass das ein besonderer Film wird. Und während der Dreharbeiten mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl und Jutta Pohlmann (Kamera) hat sich diese Einschätzung bestätigt. Es ist eben ein mutiges Drehbuch - tieflustig, tieftraurig, mit einem eigenen Atem. Es vereint Gegensätze, die viele gute Filme ausmachen: Leichtigkeit und Schwere, Konkretion und Abstraktion. Das ist schon selten.

Freut Sie dieses plötzliche öffentliche Interesse an Ihrer Person - oder ärgern Sie sich, weil Sie ja schon seit vielen Jahren auf höchstem Niveau für Theater und Fernsehen spielen?

Interesse gab es und gibt es immer wieder. Das kommt und geht. Ich bin den Zyklus gewohnt.

Sind Sie froh, dass Ihr Einsatz als Gisbert Engelhardt eine einmalige Angelegenheit war, oder hätten Sie mit der Figur gerne weiter gearbeitet?

Es ist so nicht angelegt. Doch während der Dreharbeiten wuchs schon das Gefühl: Schade, das könnte jetzt auch weitergehen. Das hätte ich gar nicht gedacht.

Sie sind der Sohn eines Polizisten. Hat das Auswirkungen auf Ihr Spiel und Ihre Rollenauswahl in Krimis?

Sie meinen, der Vater als Teil des Über-Ichs, dessen moralische Normen und verinnerlichten Wertvorstellungen meine Laufbahn merklich oder unmerklich gesteuert haben? Nein, nicht dass ich wüsste. Könnte natürlich dennoch sein.

Interview: Carsten Heidböhmer
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